Di., 15.10.2019

Paderborner Autozulieferer bietet Mitarbeitern Abfindungen an Benteler beginnt mit dem Stellenabbau

Benteler Automotive produziert vor allem Fahrwerkkomponenten und Karosserieteile sowie auch mit Partnern Lösungen für Elektromobilität.

Benteler Automotive produziert vor allem Fahrwerkkomponenten und Karosserieteile sowie auch mit Partnern Lösungen für Elektromobilität.

Von Oliver Horst

Paderborn/Salzburg (WB). Die Autosparte des Benteler-Konzerns mit Hauptstandort Paderborn und Konzernsitz Salzburg setzt den im Sommer angekündigten Personalabbau nun konkret um. Das Unternehmen hat ein Freiwilligenprogramm gestartet, um Mitarbeiter mit Prämien zum Ausscheiden zu bewegen. Es soll um einige hundert Stellen gehen.

Vor dem Hintergrund der im Umbruch befindlichen Autobranche sei es Ziel, die Personalstärke und -kosten sozialverträglich an die veränderte Auftragslage und Marktsituation anzupassen, heißt es aus dem Konzern. Derzeit arbeiten bei Benteler Automotive weltweit rund 26.000 Mitarbeiter. In Deutschland sind es 5800 Beschäftigte in der Sparte, davon mehr als 3000 in OWL.

Während nach Angaben des Konzernbetriebsrates in China und Nordamerika kurzfristig schon eine insgesamt vierstellige Zahl an Mitarbeitern abgebaut wurde, richtet sich das Freiwilligenprogramm nun an die Beschäftigten der neun deutschen Standorte. Mit dem Programm sollen vor allem Mitarbeiter in der Verwaltung und produktionsbegleitenden Bereichen angesprochen werden, weniger in der Produktion selbst, heißt es.

Abfindungsregelungen und Sozialplan

Benteler hat dazu Abfindungsregelungen sowie auch einen Sozialplan und Interessenausgleich mit dem Konzernbetriebsrat ausgehandelt. Das Freiwilligenprogramm läuft demnach bis Ende Januar 2020. Es sieht für Beschäftigte eine Abfindung von 80 Prozent eines Monatslohns für jedes Jahr ihrer Betriebszugehörigkeit vor. Wer bis zum 13. Dezember einen Aufhebungsvertrag abschließt, erhält zusätzlich 15.000 Euro.

Benteler kündigte zudem Gespräche mit der IG Metall über mögliche betriebsbedingte Kündigungen an. Falls dies nötig werde, komme der Sozialplan zur Anwendung, der eine Abfindung von noch einem halben Monatslohn pro Beschäftigungsjahr vorsieht. In den sechs deutschen Komponentenwerken – in OWL sind das die Standorte Paderborn, Lich­tenau-Kleinenberg und Warburg – könnte Benteler allerdings erst zu Juli 2021 Kündigungen aussprechen. Bis dahin gilt ein 2016 mit der IG Metall geschlossener Tarifvertrag, der im Gegenzug für Lohneinschnitte die Beschäftigungsgarantie vorsah. Ein Abweichen davon wäre wohl nur bei neuen Zusagen denkbar.

»Falls es überhaupt soweit kommt, werden wir uns Gesprächen nicht verschließen«, sagt der Paderborner Gewerkschaftschef Carmelo Zanghi. Er betont zudem, dass die IG-Metall-Mitglieder Änderungen zustimmen müssten. Benteler-Gesamtbetriebsratschef Christian Schachten setzt darauf, dass ein »relativ maßvoller Personalabbau« durch das Freiwilligenprogramm erfüllt wird. Auch wenn die Auftragslage sich abgeschwächt habe, bewege sich Benteler weiterhin auf hohem Niveau.

Elektromobilität hält die Branche in Atem

Vor allem der geplante stärkere Umstieg von Verbrennermotoren hin zu Elektromobilität hält die Branche in Atem und setzt auch die Zulieferer unter Druck. Hinzu kommt die Absatzschwäche vor allem auf dem wichtigsten Einzelmarkt China. Diese Herausforderungen und Schwankungen verlangten auch »eine deutlich stärkere finanzielle Stabilität von Unternehmen als bisher«, sagt eine Benteler-Sprecherin. Es gehe darum, Kosten zu senken, effizienter zu arbeiten und die Profitabilität zu erhöhen. So fokussiere sich Benteler bewusst auf rentable Kernkompetenzen im Automobilbereich. Ob die Sparte zwischenzeitlich in die Verlustzone geraten ist, wollte die Sprecherin nicht kommentieren.

Wie es im Konzernumfeld heißt, sollen auch kreditgebende Banken, die angesichts der Branchenlage vorsichtiger agieren, Maßnahmen gefordert haben. Vor diesem Hintergrund ist auch der Verkauf der Stahlhandelssparte Ende August zu sehen. Dieser soll den Finanzierungsspielraum der Autosparte vergrößern und Zukunftsinvestitionen erleichtern.

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