1. FC Köln gegen SC Paderborn: Ralph Brinkhaus und Carsten Linnemann über ihr Leben als Fan
Spitzenpolitiker im Fan-Duell

Berlin/Gütersloh/Paderborn (WB). Ralph Brinkhaus (51) und Carsten Linnemann (42) sind sich einig: »Beim 1. FC Köln und SC Paderborn braucht man eine gewisse Leidensfähigkeit.« Am Sonntagnachmittag leiden sie gleichzeitig, aber nicht gemeinsam. Die beiden CDU-Bundestagsabgeordneten aus OWL sind für 90 Minuten plus Nachspielzeit Gegner – als Fans ihrer Bundesligavereine. Was bedeutet ihnen Fußball privat und in der Politik?

Freitag, 18.10.2019, 05:13 Uhr aktualisiert: 18.10.2019, 07:54 Uhr
Sie haben ihre Fan-Schals in Berlin: Die Vereine der heimischen CDU-Bundestagsabgeordneten Carsten Linnemann (links) und Ralph Brinkhaus spielen am Sonntag gegeneinander. Foto: Constanze Brinkhaus
Sie haben ihre Fan-Schals in Berlin: Die Vereine der heimischen CDU-Bundestagsabgeordneten Carsten Linnemann (links) und Ralph Brinkhaus spielen am Sonntag gegeneinander.

»Ich bin nicht der Fan, der jedes Wochenende mit Kutte ins Stadion geht«, sagt Ralph Brinkhaus. Und seine Abwesenheit scheint durchaus sinnvoll: »Fast jedes Mal, wenn ich zum Spiel gehe, verliert Köln.« Zuhause in Rheda-Wiedenbrück (Kreis Gütersloh) gibt es kein Sky.

»Ich gucke noch ganz klassisch die Zusammenfassung in der Sportschau. Dabei ist ganz wichtig, dass ich das Ergebnis nicht kenne. Und wenn ich samstags während der Sportschau Termine im Wahlkreis habe, dann verfolge ich das Spiel vorher online im Live-Ticker. Wenn aus meinem Arbeitszimmer ein lautes Fluchen kommt, weiß meine Frau, dass der FC mal wieder in Rückstand liegt«, verrät der Unions-Fraktionsvorsitzende.

Geißbock auf dem Schreibtisch

Ralph Brinkhaus ist Chef der Unionsfraktion im Bundestag. In seinem Büro steht der Kölner Geißbock auf dem Schreibtisch.

Ralph Brinkhaus ist Chef der Unionsfraktion im Bundestag. In seinem Büro steht der Kölner Geißbock auf dem Schreibtisch. Foto: Schnadwinkel

Aus seiner Liebe zum 1. FC Köln macht Brinkhaus kein Geheimnis. Im Vorzimmer seines Büros hängt ein Trikot, auf dem Schreibtisch steht ein weißer Geißbock aus Porzellan, und die Vereinshymne kann bei Bedarf laut vom Smartphone abgespielt werden. Ob das Ergebnis am Sonntag dazu Anlass gibt?

Carsten Linnemann hat ein gutes Gefühl für das Auswärtsspiel. In der vorigen Zweitliga-Saison hat der SC Paderborn in Köln 5:3 gewonnen. »Deswegen fahre ich auch wieder mit meinem Vater ins Müngersdorfer Stadion, das ist ein gutes Omen.« Der Unions-Fraktionsvize aus Paderborn freut sich ausgiebig über Siege und braucht seine Zeit, um Niederlagen zu verarbeiten. »Ich bin beim Fußball sehr emotional, das ist Fluch und Segen zugleich.«

Die neue Struktur im SCP ist fast wie in einem Familienunternehmen.

Carsten Linnemann

Einen SCP-Fanclub gibt es im Bundestag noch nicht, aber viel Zuspruch. »Die Kollegen finden, dass wir ein cooler kleiner Verein sind, der richtig kämpft. Wir sind als Team stark und erfolgreich, weil die Mannschaft mehr als die Summe ihrer Einzelspieler ist«, sagt Linnemann, der nicht nur Fan ist. Als SCP-Vizepräsident wirk er im Hintergrund: »Nach dem Verlust von Wilfried Finke sind die Aufgaben anders und breiter verteilt. Die neue Struktur im SCP ist fast wie in einem Familienunternehmen.«

Fußball ein großes Thema

Es gibt auch Parlamentarier, die Präsident eines Proficlubs sind, wie Ingo Wellenreuther (CDU) beim Karlsruher SC. Unter den Abgeordneten ist Fußball ein großes Thema, praktisch jeder hat einen Verein. Linnemann: »Nach den Spielen gehen viele SMS hin und her. Das wird auch am Sonntag nach dem Abpfiff in Köln so sein, besonders zwischen Ralph Brinkhaus und mir als die direkt Betroffenen.«

Das Schöne ist, dass Parteigrenzen über den Fußball hinweggehen.

Ralph Brinkhaus

Im Parlament ist Brinkhaus nicht der einzige, dessen Herz am »Effzeh« hängt. »Wir haben natürlich einen Köln-Fanclub im Bundestag. Das Schöne ist, dass Parteigrenzen über den Fußball hinweggehen. Wenn man Fan ist, ist man Fan. Mein Amtskollege, der SPD-Fraktionsvorsitzende Rolf Mützenich, kommt sogar aus Köln.« Und was macht man da so im Fanclub? »Zuletzt haben wir uns zusammen mit den Filmemachern einen Dokumentarfilm über Heinz Flohe angesehen.«

Der legendäre Mittelfeldregisseur war so etwas wie Brinkhaus’ erster Lieblingsspieler. »Dazu kamen dann alle Spieler der Meister- und Pokalsiegermannschaft von 1978. Ich war ja schon vorher als ganz kleines Kind Köln-Fan und bin eben recht schnell Double-Sieger geworden. Da dachte ich mir: Jetzt läuft’s.«

Zweitverein: Rot-Weiß Mastholte

Heute kann er gar nicht sagen, wie es damals dazu kam. »Irgendwann habe ich aber kapiert, dass sich Köln und Mönchengladbach nicht so gut vertragen, denn mein Vater hält es mit der Borussia. Ebenso mein jüngerer Bruder.« Sein erstes Profispiel verfolgte er als Siebenjähriger live am 20. März 1976, als in der 2. Bundesliga Nord der DJK Gütersloh mit 0:5 gegen den Wuppertaler SV unterging.

Eigentlich sollte man bei einem Spitzenpolitiker aus Ostwestfalen-Lippe, der obendrein CDU-Bezirksvorsitzender ist, einen gewissen Regionalpatriotismus für den SC Paderborn und Arminia Bielefeld voraussetzen. Aber auch da sagt Brinkhaus ganz ehrlich: »Mein Zweitverein ist der Verein, in dem ich selbst erfolglos Fußball gespielt habe. Montags gucke ich in der Zeitung zuerst nach dem Ergebnis von Rot-Weiß Mastholte. Es gibt einen Verein im Herzen und einen Verein, für den man aktiv war. Ansonsten habe ich große Sympathien für die Teams im Kreis Gütersloh. Mich interessiert immer, wie Verl, Wiedenbrück und Gütersloh gespielt haben.«

Rechtes Mittelfeld beim TuS Egge Schwaney

Carsten Linnemann geht so oft wie möglich mit seinem Vater Antonius ins Stadion, um sich den SC Paderborn live anzusehen.

Carsten Linnemann geht so oft wie möglich mit seinem Vater Antonius ins Stadion, um sich den SC Paderborn live anzusehen.

Linnemanns Heimatverein ist der TuS Egge Schwaney. »Meine Position war im rechten Mittelfeld. Und als Inhaber der C-Lizenz habe ich früher die D-Jugend trainiert.« Neben Schwaney und Paderborn gibt es noch einen dritten Club in seinem Fußballleben. »Die einzige Mitgliedschaft, die mein Vater heute noch für mich bezahlt, ist die beim FC Bayern München. Als Kind und Jugendlicher war ich großer Bayern-Fan. Und es war immer etwas Besonderes, wenn wir mit der Familie an einem Samstag ganz früh nach München zu einem Spiel fuhren. Dafür bekommt man ja nur als Vereinsmitglied Karten.« Und wie war die Gefühlslage, als der SCP Ende September gegen Bayern mit 2:3 verlor? »Da habe ich natürlich gelitten, ist doch klar.«

Dem Fußballjargon in der Politik kann Brinkhaus etwas abgewinnen – auch scherzhaft: »Wie bekommen wir mehr Klopp in den Bundestag? In der Politik brauchen wir mehr Gegenpressing.« Und Sonntag beim Duell der Aufsteiger und Abstiegskandidaten: »Sechs-Punkte-Spiel, ganz klar.«

Da geht Linnemann mit: »Es ist ein Sechs-Punkte-Spiel – aber drei Punkte würden mir am Sonntag reichen.«

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