Fr., 18.10.2019

Vorsitzender des Paderborner Integrationsrates scharf kritisiert »Sport wird missbraucht«

Auch die türkischen Fußballfans ziehen beim Salut-Jubel mit.

Auch die türkischen Fußballfans ziehen beim Salut-Jubel mit. Foto: dpa

Paderborn (WB/MR). Der Vorsitzende des Paderborner Integrationsrates und Vereinschef von Türk Gücü Paderborn, Recep Alpan, hat den Militäreinsatz der Türkei in Syrien und den Salut-Jubel der türkischen Nationalspieler verteidigt. Dafür gab es scharfe Kritik.

Paderborns Bürgermeister Michael Dreier sagte auf Anfrage: »Ich verurteile die türkische Invasion im Norden Syriens. Deshalb kann ich die Äußerungen von Recep Alpan nicht nachvollziehen und distanziere mich ganz klar davon. Ebenfalls halte ich es für falsch und unangebracht, wenn der Sport für solche politischen Zwecke missbraucht wird.«

Dreier nahm Alpan als Vorsitzender des Integrationsrates (seit 2016) besonders in die Pflicht und sagte: »Er ist damit Interessenvertreter von allen mehr als 130 Nationen, die in der Stadt leben. Dem friedlichen Miteinander dieser Menschen in unserer Stadt sind solche Aussagen nicht förderlich.«

FDP bezieht Stellung

Die Paderborner Politik hielt sich merklich zurück, nur die Liberalen bezogen Stellung. Der FDP-Fraktionsvorsitzende Alexander Senn sagte: »Es geht nicht an, dass militärische Salut-Grüße türkischstämmiger Spieler auf dem Fußballfeld gutgeheißen werden, selbst wenn sie nicht im eigenen türkischen Fußballklub vorgekommen sind. Herr Alpan gibt allein die türkische Sicht des nun wieder aufgeflammten Krieges in Syrien wieder. Er ignoriert die vielen kritischen Stimmen, die unter anderem von der Europäischen Union und der UN gekommen sind.« Klaus Groebing, FDP-Vertreter im Integrationsrat, fügte hinzu, dass solche Gesten nicht friedenstiftend seien.

Auch der Bielefelder Integrationsratsvorsitzende Mehmet Ali Ölmez missbilligte die Haltung seines Paderborner Amtskollegen. »Provokante Vorgehensweisen zu unterstützen, halte ich nicht für richtig«, sagte Ölmez. Dadurch mache er sich auch angreifbar.

Als Integrationsratsvorsitzender trage man eine besondere gesellschaftliche Verantwortung. So vertrete Ölmez in Bielefeld Menschen aus 159 Nationen. »Als Integrationsratsvorsitzender darf man sich nicht so äußern.« Ölmez kritisierte auch, dass das Bielefelder Bezirksliga-Fußballteam FC Türk Sport vor einem Spiel am Wochenende mit dem türkischen Militärgruß salutiert hat: »Solche symbolischen Gesten gehören nicht auf einen Fußballplatz, sondern provozieren nur.«

»Ich stehe zu allen Aussagen«

Recep Alpan bezog am Donnerstag gegenüber dem WESTFALEN-BLATT noch einmal Stellung. »Ich revidiere nichts, ich stehe zu allen Aussagen und werde von meiner Meinung nicht einen Millimeter abrücken«, betonte der 46-Jährige, machte aber an anderer Stelle auch deutlich: »Ich bin als Vorsitzender des Integrationsrates der Stadt Paderborn nicht Sprecher des Rates und habe auch nicht im Auftrag des Rates gesprochen, sondern vertrete hier meine eigene Meinung.« Abgesehen davon, dürfe er als Vorsitzender auch gar nicht für das gesamte Gremium das Wort ergreifen.

»Eine Trennung der Privatperson Recep Alpan und der Person des Vorsitzenden des Integrationsrates der Stadt Paderborn gibt es nicht. Als Person des öffentlichen Lebens muss er für die Belange aller Migranten, auch der Kurden in Paderborn, ein Ansprechpartner sein«, widersprach hier der FDP-Vertreter im Integrationsrat, Klaus Groebing. Darauf habe er Alpan am Donnerstag in einem Gespräch auch hingewiesen.

»Nach Rücksprache mit Mitgliedern des Paderborner Integrationsrates werden wir dies in der nächsten Sitzung zur Sprache bringen und hoffen, dass dann wieder die Förderung der Zusammenarbeit aller Migrantengruppen im Mittelpunkt unserer Arbeit stehen wird«, so Groebing.

»Es geht nicht um die Besetzung, es geht um die Befreiung des Landes vom Terror.« Mit diesem Satz hatte sich Alpan mit dem türkischen Militäreinsatz in Syrien solidarisiert. Alpan, der bereits seit 1996 Vorstandsarbeit beim Paderborner A-Ligisten Türk Gücü Paderborn leistet und den er seit 20 Jahren als Vorsitzender leitet, hätte auch kein Problem damit, wenn seine Spieler die türkische Militäroffensive mit Salut-Jubel unterstützen würden: »Dieser Gruß richtet sich nicht gegen die Kurden, er soll die Hoffnung ausdrücken, dass unsere Soldaten gesund nach Hause kommen.«

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