Sa., 02.11.2019

Lebensmittelüberwachung kontrolliert 2900 Hersteller, Supermärkte und Restaurants Auf der Suche nach schwarzen Schafen

Mirjam Herzog vom Amt für Verbraucherschutz des Kreises Paderborn bei der Kontrolle des Lebensmittellagers einer Kantine. Ist alles ordnungsgemäß gelagert? Ist alles sauber? Wie sieht es mit der Kühlung aus? Die Kontrolleurin schaut ganz genau hin.

Mirjam Herzog vom Amt für Verbraucherschutz des Kreises Paderborn bei der Kontrolle des Lebensmittellagers einer Kantine. Ist alles ordnungsgemäß gelagert? Ist alles sauber? Wie sieht es mit der Kühlung aus? Die Kontrolleurin schaut ganz genau hin. Foto: Oliver Schwabe

Von Ingo Schmitz

Paderborn (WB). Der Lebensmittelskandal beim Wursthersteller Wilke hat auch die Lebensmittelüberwachung im Kreis Paderborn auf den Plan gerufen. Etliche Supermärkte und Großküchen mussten überprüft werden. Dr. Elisabeth Altfeld, neue Leiterin des Amtes für Verbraucherschutz und Veterinärwesen, erläutert die Arbeitsweisen und Erfahrungen der Behörde.

Ob Fremdkörper im Joghurt oder in der Leberwurst, Übelkeit nach einem Restaurantbesuch, Rückrufaktion eines Produkts, bauliche Mängel im Imbiss oder auch Nagerbefall in der Produktion eines Herstellers: Die Mitarbeiter des Kreises Paderborn haben alle Hände voll damit zu tun, die mehr als 2900 Lebensmittelhersteller, Abpacker, Händler, Transporteure, Küchen, Kantinen, Restaurants und Veranstalter von Volksfesten, Messen und Märkten zu kontrollieren. In den allermeisten Fällen werde sauber gearbeitet, heißt es beim Kreis.

Jährlich werden Bußgelder von rund 60.000 Euro erhoben

Dafür seien die Kontrollen ja da. Komme es jedoch in einem Betrieb zu Auffälligkeiten, gebe es viele Möglichkeiten, diese zu ahnden. Die einfachste Form ist nach Auskunft von Dr. Elisabeth Altfeld die mündliche Ermahnung. Darüber hinaus gibt es Verwarn- und Bußgelder bis hin zur Stilllegung des Betriebs.

Dr. Elisabeth Altfeld. Foto: Ingo Schmitz

»Unsere Bußgeldstelle hat im Jahr 2018 in 70 Fällen Bußgelder wegen Verstöße gegen das Lebensmittelrecht verhängt. In der Summe waren das 56.440 Euro. In diesem Jahr sind bereits 310 Bußgeldverfahren eingeleitet worden. 58 Bußgeldbescheide mit einem Volumen von 64.418 Euro sind festgesetzt«, erläutert Pressesprecherin Michaela Pitz.

In der Lebensmittelüberwachung sind neun Kontrolleure und ein Assistent tätig. Hinzu kommen zweieinhalb Stellen aus dem Bereich der Tierärzte. Und die kümmern sich nicht nur um die Frittenschmiede von nebenan, sondern auch um Großbetriebe mit Exportgeschäft, berichtet Altfeld. »In den Betrieben gibt es Menschen mit und ohne Ausbildung, mit und ohne Deutschkenntnisse«, macht sie die Herausforderung für die Kontrolleure deutlich. »Unsere Aufgabe ist es zu kontrollieren, ob alles getan wird, Gefahren zu vermeiden und ob die Eigenkontrollmaßnahmen funktionieren«, sagt die Leiterin.

Wenn die Schließung droht, machen manche Betreiber Probleme Zur Person Dr. Elisabeth Altfeld ist neue Leiterin des Amtes für Verbraucherschutz und Veterinärwesen. Die Chefin übernimmt eines der größten Ämter der Kreisverwaltung mit 32 Mitarbeitern. Dr. Altfeld war seit mehr als zehn Jahren stellvertretende Leiterin. Mehr als 15 Jahre koordinierte Altfeld die Bekämpfung von Tierseuchen im Kreis Paderborn. Zehn Jahre verantwortete sie die Lebensmittelüberwachung im Kreis Paderborn. Ob Schweinepest oder Geflügelgrippe, Blauzungenkrankheit oder Maul- und Klauenseuche: Gemeinsam mit Dr. Klaus Bornhorst meisterte sie etliche Ausbrüche von Tierseuchen im Kreisgebiet und sammelte dabei wertvolle Erfahrungen im Umgang mit Krisenszenarien. Nach dem Studium der Tiermedizin in Hannover und anschließender Promotion arbeitete die gebürtige Detmolderin in einer Praxis für Groß- und Kleintiere. Im Januar 1991 startete sie beim Kreis Paderborn. 1995 wechselte sie zur Tierseuchenbekämpfung und musste zwei Jahre später eine große Krise bewältigen: Im Kreis Paderborn brach die Schweinepest aus. Tausende von Tieren mussten getötet werden

Je nach Betrieb wird in Abständen von einer Woche bis zu drei Jahren kontrolliert. Das hänge von der Risikobeurteilung der jeweiligen Firma ab. »Wir kündigen die Kontrollen nicht an«, stellt Dr. Altfeld klar. Im großen Industriebetrieb müsse man sich jedoch zunächst an der Pforte anmelden, Formulare ausfüllen und sich einkleiden. »Bis dahin können theoretisch alle im Haus über unseren Besuch alarmiert sein«, erläutert die Leiterin die Tricks derjenigen, die womöglich etwas zu verbergen haben.

Nicht selten müssten sich die Kontrolleure auch auf Probleme mit den Betreibern der Firma einstellen – vor allem, wenn ihnen die Schließung drohe. Werde diese dann doch gegen den Widerstand der Betroffenen durchgesetzt, setze umgehend eine große Betriebsamkeit ein: »Dann werden über Nacht alle Leute zum Putzen bestellt und am nächsten Tag kann nach der Nachkontrolle wieder geöffnet werden«, sagt Dr. Altfeld.

Eklige Funde sind nicht an der Tagesordnung

Neben den Kontrollen nimmt das Amt für Verbraucherschutz auch Proben. 1600 Stück werden pro Jahr gezogen. Ob Butter, Frikadelle oder Bier: Alles kommt auf den Prüfstand. Sogar der Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt.

Eklige Funde seien nicht an der Tagesordnung, gebe es aber trotzdem, sagt sie. Damit meint sie Ratten- und Mäusekot, der auf einen Nagerbefall hinweist. Schlimm seien auch Mülltonnen, die vor Fliegenmaden wimmelten. Kurios sei mal ein Fall gewesen, wo in der Kühlkammer ein Beschäftigter auf einer Matratze habe schlafen müssen. Es gebe eben nichts, was es nicht gibt.

Kommentar

Wie immer im Leben sind es die wenigen schwarzen Schafe, die den guten Ruf einer Branche zerstören können. Sobald ein Lebensmittelskandal ans Tageslicht kommt, ist die Empörung groß. Zu Recht. Man darf aber nicht vergessen, dass eine Vielzahl anderer einen guten Job machen. Das Amt für Verbraucherschutz ist dafür da, dies sicher zu stellen. Der Ruf nach mehr Kontrolle ist daher nur konsequent. Das setzt aber voraus, dass dafür auch das Personal vorhanden ist. Ingo Schmitz

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