Universität Paderborn zeichnet Maria von Welser mit Ehrendoktortitel aus
»Zuhören ist harte Arbeit«

Paderborn (WB). Maria von Welser hat Frauen in doppelter Weise geholfen. Den deutschen Frauen gab sie mit dem TV-Magazin »ML Mona Lisa« ein Sprachrohr, und die misshandelten Frauen in Afghanistan, Syrien und Ex-Jugoslawien holte sie mit ihren Berichten aus der Sprachlosigkeit.

Freitag, 15.11.2019, 11:37 Uhr aktualisiert: 15.11.2019, 15:40 Uhr
Maria von Welser (Dritte von links) sprach von einer »unglaublichen Ehre«. Laudatorin Ruth Hagengruber (links), Universitätspräsidentin Birgitt Riegraf und der Dekan der Fakultät für Kulturwissenschaften, Volker Peckhaus, würdigten ihr Engagement. Foto: Oliver Schwabe
Maria von Welser (Dritte von links) sprach von einer »unglaublichen Ehre«. Laudatorin Ruth Hagengruber (links), Universitätspräsidentin Birgitt Riegraf und der Dekan der Fakultät für Kulturwissenschaften, Volker Peckhaus, würdigten ihr Engagement. Foto: Oliver Schwabe

Für ihr beeindruckendes journalistisches und soziales Engagement und ihre Lehrtätigkeit an der Universität Paderborn verlieh ihr am Donnerstag die Fakultät für Kulturwissenschaften die Ehrendoktorwürde. Zuvor hatten der ehemalige Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Reinhard Höppner, die Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller und der jetzige Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier diese Auszeichnung erhalten.

Maria von Welser betonte, sie habe über Massenvergewaltigung, Erniedrigung, Zwangsheirat, häusliche Gewalt und Flucht erzählt, »damit niemand hinterher sagen kann, er habe es nicht gewusst«. Zuhören sei »harte Arbeit«, und sie habe große Angst, »dass wir in Deutschland das Zuhören verlernen«, sagte sie. So habe die ältere Generation der schwedischen Umweltaktivistin Greta Thunberg offenbar nicht richtig zugehört.

Hilflosen eine Stimme gegeben

Seit dem Wintersemester 2015 hat sie in Paderborn einen Lehrauftrag für »Ethik in den Medien«. Die Laudatorin Ruth Hagengruber vom Institut für Humanwissenschafen hält die 73-Jährige für ein Vorbild für sich und für die Studentinnen und Studenten. Die Reportagen und Berichte von Maria von Welser hätten eine Aufmerksamkeit für Sachverhalte geschaffen, die von den großen Medien nicht beachtet worden seien.

Maria von Welser habe »den Blick der Öffentlichkeit gewendet«, Hilflosen eine Stimme gegeben und »ein mediales Licht auf die Opfer geworfen«, sagte die Philosophin. Mit dem Frauenmagazin »ML Mona Lisa« habe sie zudem den damals üblichen journalistischen Rahmen in Deutschland gesprengt. 420 Sendungen moderierte von Welser zwischen 1988 und 1996.

In den Seminaren in Paderborn legt Maria von Welser nach eigenen Worten einen besonderen Wert darauf, die Themen Frauen, Krieg und Gewalt zu diskutieren und zu zeigen, wie die Welt aussieht, in der Frauen und Kinder Unrecht erleiden müssen. Und auch, dass Gewalt auch von Frauen ausgeht, ruft sie dabei in Erinnerung – zum Beispiel den Falklandkrieg, den Englands Premierministerin Margaret Thatcher gegen Argentinien 1982 wegen ein paar Inseln führte.

Die Ehrendoktorwürde ergänzt eine Reihe von Auszeichnungen. Für ihre Berichte zum Jugoslawienkrieg (1991-2001) und die Dokumentation von Kriegsverbrechen an Frauen hatte Maria von Welser 1996 das Bundesverdienstkreuz bekommen.

 

 

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