Fr., 22.11.2019

Rollstuhlfahrer aus Paderborn scheitert an einer 40 Jahre alten Rampe Endstation Verwaltung

Hier kommt Michael Kegel allein nicht weiter. Die Rampe unterhalb der Info in der Stadtverwaltung am Abdinghof sei zu steil, sagt er.

Hier kommt Michael Kegel allein nicht weiter. Die Rampe unterhalb der Info in der Stadtverwaltung am Abdinghof sei zu steil, sagt er. Foto: Dietmar Kemper

Von Dietmar Kemper

Paderborn (WB). Ausgerechnet im eigenen Haus versagt die Stadtverwaltung bei der Barrierefreiheit. Das beklagt der Rentner Michael Kegel, der auf den Rollstuhl angewiesen ist und am 21. August vor einem aus seiner Sicht unlösbaren Problem stand.

In der Verwaltung am Abdinghof wollte er auf den Flur, wo Behinderte ihren Parkausweis bekommen und verlängern lassen können. Unterhalb der Information befindet sich eine Rampe, die, beklagt sich Kegel, »so gebaut ist, dass man einen Höhenunterschied von 20 bis 30 Zentimetern überwinden muss«. Ohne einen Begleiter zum Schieben komme ein Rollstuhlfahrer dort nicht hoch. »Eine Stadtverwaltung sollte barrierefrei erreichbar sein«, findet der 62-Jährige und beteuert: »Auf diesen Flur kommt man nur über diese Rampe.«

Michael Kegel kam nicht weiter

Im konkreten Fall vom 21. August habe er ungefähr 25 Minuten lang unterhalb der Rampe festgesessen, bis ein Bürger die Dame an der Information auf seine missliche Lage aufmerksam gemacht habe. »Die hat der zuständigen Mitarbeiterin Bescheid gesagt, die dann meine Unterlagen entgegennahm und die Angelegenheit regelte«, erzählt Kegel.

Seit fünf Jahren sitzt er im Rollstuhl. Grund ist eine Polyneuropathie durch Diabetes Mellitus. In seinen Füßen habe er kein Gefühl mehr, erzählt der ehemalige Klinikreferent im Bereich Pharmazie.

Michael Kegel stehen ein einfacher Rollstuhl, der geschoben werden muss, und einer mit Elek­troantrieb zur Verfügung. Aber auch mit dem Elektrorollstuhl könne er die besagte Rampe nicht nutzen, sagt er. »Sie ist nur für 150 Kilogramm ausgelegt, allein mein Elektrorollstuhl wiegt schon 100 Kilogramm«, erklärt der Rentner und zieht die Schlussfolgerung: »Wer die Rampe eingebaut hat, hat nicht mitgedacht, aber das erlebe ich öfter.«

Die Stadtverwaltung bestätigte am Donnerstag auf Anfrage, dass die Rampe »nicht ganz behindertengerecht« sei. Inzwischen 40 Jahre alt genüge sie den heutigen Ansprüchen nicht mehr. Allerdings werde sich dieses Problem im Zuge des Stadthausneubaus von selbst erledigen, sagt Stadtsprecher Jens Reinhardt.

Stadt sieht sich auf einem guten Weg

Er sieht Paderborn bei der Barrierefreiheit durchaus auf einem guten Weg. »Deutlich mehr als die Hälfte der Bushaltestellen sind barrierefrei umgestaltet«, nennt er ein Beispiel. Bis 2022 muss dies für alle Bushaltestellen gelten. Im Straßen- und Brückenbauamt prüfe ein Mitarbeiter alle Planungen darauf, wie Barrierefreiheit erreicht werden kann, so Reinhardt. Bei allen Großprojekten würden zudem Vertreter beispielsweise des Blindenvereins zu Rundgängen eingeladen und die Wünsche nach Möglichkeit berücksichtigt. Reinhardt verweist auf den Dom- und Marktplatz, die Uferpromenade an der Michaelsschule und die Kreuzung am Westerntor, wo der Bordstein abgesenkt und mit taktilen Platten für Rollstuhlfahrer und Sehbehinderte entsprechend gestaltet worden sei.

Es gebe aber auch ein grundsätzliches Problem, sagt Reinhardt: »Manchmal wollen Blinde etwas anderes als Menschen, die mit dem Rollator unterwegs sind. Bei den widersprechenden Interessen wird es die 100-prozentige Lösung nicht geben.« Michael Kegel attestiert der Verwaltung durchaus, dass sie sich bemühe: »Es bessert sich, man denkt immer häufiger an Barrierefreiheit.« Wenn da nicht diese Rampe am Abdinghof wäre.

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