Do., 21.11.2019

MZG und Verdi verhandeln weiterhin nicht miteinander Fronten im Tarifkonflikt sind verhärtet

Gerade erst ist das neue Intensiv- und Beatmungszentrum der Karl-Hansen-Klinik eingeweiht worden. Um als Arbeitgeber attraktiv zu bleiben, will das MZG den Haustarifvertrag verbessern, Verhandlungen mit Verdi gibt es bisher aber nicht.

Gerade erst ist das neue Intensiv- und Beatmungszentrum der Karl-Hansen-Klinik eingeweiht worden. Um als Arbeitgeber attraktiv zu bleiben, will das MZG den Haustarifvertrag verbessern, Verhandlungen mit Verdi gibt es bisher aber nicht. Foto: Jörn Hannemann

Von Maike Stahl

Bad Lippspringe (WB). Auch neun Monate nach der ersten Aufforderung zu Verhandlungen über den Haustarifvertrag des MZG, sind Geschäftsleitung und Verdi noch nicht weiter gekommen. Terminvorschläge des MZG hat die Gewerkschaft verstreichen lassen, wartet stattdessen auf ein Angebot der Geschäftsleitung.

Diesen Stand der Dinge haben MZG-Geschäftsführer Achim Schäfer, die Verdi-Vertreter Walburga Erichsmeier und Volker Hoppmann und der Betriebsrat den Beschäftigten am Mittwoch in einer Betriebsversammlung mitgeteilt. Wie mehrfach berichtet, hatte Verdi im Frühjahr erstmals seit Jahren den bestehenden Haustarifvertrag nicht gekündigt, um ihn neu zu verhandeln. Gleichzeitig hatte die Geschäftsleitung aber signalisiert, gesprächsbereit zu sein, weil das MZG mit seinen Akut- und Rehakliniken attraktiver Arbeitgeber bleiben wolle.

»Die Kündigung des bestehenden Haustarifvertrags kommt für uns nicht Frage, da zu wenig Mitarbeiter organisiert sind«, betonte Walburga Erichsmeier. 260 der 1100 MZG-Mitarbeiter seien Verdi-Mitglieder. »Sollten die Verhandlungen scheitern, wären wir gar nicht in der Lage, den Tarif wieder in Kraft zu setzen.« Verhandelt werden könne auch ohne eine Kündigung. Allerdings besteht Verdi darauf, dass der Arbeitgeber vor einem ersten Gesprächstermin seine Vorstellungen vorlegt, damit darüber mit den Mitgliedern beraten werden kann. »Was wir wollen, ist klar. Wir fordern den TVÖD für alle Beschäftigten«, sagt sie.

Die MZG-Geschäftsleitung hingegen will den üblichen Weg gehen, dass die Vorstellungen am Verhandlungstisch ausgetauscht werden. Ein erster Termin hätte nach Vorstellung des MZG am Mittwoch stattfinden sollen.

Verdi wirft der Geschäftsleitung unterdessen vor, die Belegschaft spalten zu wollen. »Nur weil es in der Vergangenheit so lief, dass wir gekündigt und neu verhandelt haben, ist das kein Automatismus. Die Mitglieder, die in der Vergangenheit den Tarif ausgehandelt haben, waren mit der Situation nicht glücklich, dass sie dann im Nachinein von Kollegen massiv für das Ergebnis kritisiert wurden«, sagt Erichsmeier. Zudem gelte der Haustarifvertrag strenggenommen ohnehin nur für die Mitglieder. Jedem anderen stehe es frei, selbst ein besseres Ergebnis für sich zu verhandeln.

Für derartige Gespräche stehe die Geschäftsleitung auch zur Verfügung hat Geschäftsführer Achim Schäfer, der nicht persönlich für eine Stellungnahme zu erreichen war, daraufhin nach Angaben des Betriebsrats am Mittwoch angekündigt. Außerdem sollen die Beschäftigten als erstes Bonbon für Heiligabend und Silvester insgesamt einen Arbeitstag frei bekommen, beziehungsweise für diejenigen, die in den Kliniken arbeiten müssen, später gutgeschrieben kriegen.

Viele Mitarbeiter sind nach Auskunft von Betriebsrätin Sabine Bücker verärgert über den Druck den Verdi ausübe, um mehr Mitglieder zu gewinnen. »Ein Kollege hat es so beschreiben: Ein Fußballverein, der nicht genug Mitglieder hat, tut doch auch etwas dafür, diese zu gewinnen, und schließt nicht die Türen ab.«

Kommentar

Der eine wirft dem anderen vor, nicht verhandeln zu wollen, ernsthaft aufeinander zugehen Verdi und MZG-Geschäftsleitung aber auch nicht. Stattdessen verstrickt man sich in Vorwürfe und Mutmaßungen, redet lieber übereinander statt miteinander. Im Sinne der Beschäftigten und des MZG selbst ist das sicher nicht. Denn den Angestellten ist es am Ende vermutlich sogar egal, wer Recht hat. Sie möchten einfach nur endlich mehr Geld in der Tasche haben. Und darin, dass sie das auch erhalten sollen, scheinen sich doch alle einig zu sein. Deshalb kann man beiden Seiten nur empfehlen, sich schnellstmöglich am Verhandlungstisch einzufinden und im Sinne der Mitarbeiter miteinander zu reden. Maike Stahl

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