Paderborner Konzern gewinnt erste Kunden für seine Elektroauto-Plattform
Chinesen bauen auf Benteler

Paderborn (WB). 2021 soll das erste Elektroauto auf Basis einer Plattform des Paderborner Benteler-Konzerns auf die Straße kommen – in China. Der Autozulieferer sieht als Systempartner großes Potential.

Freitag, 29.11.2019, 12:18 Uhr aktualisiert: 29.11.2019, 12:31 Uhr
Das von Benteler maßgeblich entwickelte Electric Drive System ist eine Plattform für verschiedenste Elektroautos. Foto:
Das von Benteler maßgeblich entwickelte Electric Drive System ist eine Plattform für verschiedenste Elektroautos.

»Electric Drive System« (EDS) heißt das von Benteler 2017 erstmals präsentierte und zuletzt maßgeblich mit Bosch zur Serienreife weiterentwickelte modulare Fahrgestell für E-Autos. Die Plattform soll vor allem neuen Herstellern den Einstieg in die Autobranche ermöglichen und kosten- sowie zeitintensive Entwicklungsarbeit reduzieren. Auf der Benteler-Basis können die Hersteller dann flexibel ihre Karosserien montieren. »Die traditionellen Autobauer, denen wir seit Jahren auch für Elektroautos etwa Batteriewannen liefern, arbeiten vor allem an eigenen Plattformen«, sagt Marco Kollmeier. Der 49-Jährige leitet die Abteilung Elektromobilität mit derzeit 40 Mitarbeitern.

Zwei erste Kunden hat Benteler inzwischen für sein EDS gewonnen. Der chinesische Konzern Evergrande, das wertvollste Immobilienunternehmen der Welt, will sich ein neues Standbein schaffen. Das erste Elektroauto soll 2021 vom Band rollen. Kollmeier: »Binnen fünf Jahren sollen es mehr als eine Million Fahrzeuge und eine ganze Modellpalette sein.« Benteler werde für Evergrande lokal vor Ort produzieren.

Die zum indischen Mahindra-Mischkonzern gehörende italienische Sportwagenschmiede Pininfarina plant zudem mehrere Fahrzeuge in Kleinserien auf der Benteler-Basis. Als erstes soll 2022 ein E-SUV auf den Markt kommen.

ereichsleiter Marco Kollmeier (kleines Foto, links) und Entwicklungschef Hubertus Prinzler sehen große Chancen für den Paderborner Autozulieferer.

ereichsleiter Marco Kollmeier (kleines Foto, links) und Entwicklungschef Hubertus Prinzler sehen große Chancen für den Paderborner Autozulieferer. Foto: Oliver Horst

»China ist derzeit der Treiber der E-Mobilität mit einem Anteil von 50 Prozent bei Produktion und Zulassungen. Europa holt aber auf«, sagt Kollmeier. Er nennt mehrere Gründe, »warum die Elektromobilität schneller kommt als alle es erwarten«: Die Klimadebatte, Einfahrverbote in Städte und vor allem die ab 2021 in der EU geltenden Kohlendioxid-Vorgaben für die Neuwagenflotten der Autobauer von 95 Gramm je Kilometer sorgten für ein entsprechendes Momentum. Und der Wert werde weiter sinken. »Diese Zielvorgaben sind nur durch die Elektrifizierung zu erreichen. Die Werte schafft keine Flotte nur mit Verbrennermotoren.«

Kollmeier erwartet, dass der Marktanteil von Hybridautos mit Steckern sowie reinen E-Autos hierzulande von derzeit drei Prozent bis 2030 auf rund 30 Prozent steigt. Der Umbruch sei für die Branche aber schwierig und dauere, weil er mit Milliardeninvestitionen und einer veränderten Fahrzeug-Architektur verbunden sei. »Bei den E-Autos ist das Herz nicht mehr vorne im Motorraum, sondern ist es die Batterie in der Mitte. Das gibt neue Möglichkeiten auch für das Design und den Innenraum«, erklärt Kollmeier.

»Noch gibt es weltweit kein E-Auto, von dem mehr als 100.000 Einheiten pro Jahr verkauft werden«, sagt der Manager. Mit steigenden Stückzahlen würden künftig aber auch die Preise sinken.

Benteler setzt beim EDS seine Kompetenz als Hersteller von Fahrwerkkomponenten und Strukturteilen ein, steuert Batteriekasten, Achsen und das Crash-Management-System bei. Der weltgrößte Autozulieferer Bosch liefert als Kooperationspartner die gesamte Elektronik, für Geräuschdämmung sorgt die Zusammenarbeit mit Vibracoustic. Zudem ist der chinesische Batteriehersteller Sunwoda mit an Bord.

Das aktuelle EDS ist als Plattform von der Limousine bis zum SUV geeignet. »Wir entwickeln parallel auch eine Basis für Klein- und Kompaktwagen«, sagt Kollmeier. War Benteler 2017 bei der Weltpremiere des EDS der einzige Anbieter, gebe es inzwischen ein Dutzend Wettbewerber. Größter Rivale ist der VW-Konzern, der seinen modularen E-Antriebs-Baukasten (MEB) auch anderen Autobauern offeriert. Kollmeier sieht in der Entwicklung »eine Bestätigung unserer Strategie und die Herausforderung, unseren Technologievorsprung zu halten«.

Die Elektromobilität biete Benteler Potential, attraktive Umsätze und vergrößere den Kundenkreis bis hin zu zuvor branchenfremden Technologie-Firmen aus dem Silicon Valley. »Es wird eine Koexistenz von Elektroautos mit Hybriden und Verbrennern geben«, sagt Kollmeier. Benteler sei für alle Varianten gut aufgestellt, betont Hubertus Prinzler (56) als Leiter Forschung und Entwicklung: »85 Prozent unserer Komponenten sind unabhängig von der Antriebsart.«

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