Di., 03.12.2019

Familie aus Delbrück erhebt Vorwürfe gegen Betreiberin In Hundepension totgebissen

Von Ingo Schmitz

Paderborn/Delbrück/Salzkotten (WB). Der plötzliche Tod eines Hundes beschäftigt das Kreisveterinäramt Paderborn. Der Vierbeiner war in den Ferien in einer Tierpension untergebracht. Den Aufenthalt überlebte Pluto allerdings nicht. Die Betreiberin teilte den Besitzern mit, dass der zehn Jahre alte Prager Rattler „eingeschlafen“ sei. Das Obduktionsergebnis kommt zu einem ganz anderen Ergebnis. Die Rede ist von „tödlichen Bissen“.

„Unsere Pension bietet ihrer Fellnase einen erholsamen Urlaub, viel Spaß, viel Auslauf und soziale Kontakte zu verschiedenen Rassen und Altersgruppen.“ Mit diesen Worten wirbt die Betreiberin der Tierpension um Kunden. Familie Schumann aus Delbrück sieht diesen Werbetext inzwischen mit ganz anderen Augen.

Pluto kam vor zehn Jahren als handgroßes Fellknäuel in die Familie. Als die Schumanns in den Herbstferien für zehn Tage auf die Urlaubsinsel Fuerteventura reisen wollten, suchten sie nach einer Unterkunft für den gut zwei Kilo leichten Vierbeiner. „Viele waren schon ausgebucht. Wir sind dann schließlich an die Adresse in Salzkotten gelangt“, berichtet Peter Schumann.

Bisswunden mit Durchtrennung der Bauchwand

Nach einem telefonischen Kontakt besuchten die Schumanns mit Pluto die Einrichtung. „Wir hatten eigentlich einen guten Eindruck. Und die Betreiberin hat uns immer wieder versichert, dass sie nicht nur große, sondern auch kleine Hunde als Pensionsgäste habe.“ Also wurde der Aufenthalt gebucht und Pluto einen Tag vor Abflug in der Pension in Obhut gegeben – zusammen mit einem Sack Trockenfutter für vier Wochen.

Nach sieben Tagen schrieb die Tierbetreuerin Familie Schumann im Urlaub an: „Könnten Sie mich bitte anrufen? Es geht um Pluto. Er ist heute Nacht eingeschlafen.“ Von tödlichen Bissen habe die Betreiberin der Pension nicht berichtet. Wohl aber, dass sie den Hund bereits begraben habe, sagt Peter Schumann, der nach wie vor entsetzt ist.

Peter und Justyna Schumann mit Pluto.

Im Telefonat habe die Familie schließlich die Abholung des toten Tieres durch eine Freundin veranlasst. Eine Tierärztin, die Pluto untersucht habe, habe eine überraschende Entdeckung gemacht: Sie stellte Bisswunden fest. Die Delbrücker Familie ließ ihren Vierbeiner im Institut für Pathologie in der Tierärztlichen Hochschule Hannover obduzieren. Das Ergebnis: Es wurden fünf erhebliche Bisse dokumentiert, die zum Teil zu einer Durchtrennung der Bauchwand führten.

Wer übernimmt die Kosten?

Zusammen mit seiner Frau Justyna und seiner Tochter trauert Peter Schumann um den Hund. Aber auch die finanzielle Seite interessiert ihn. Wer trägt die Kosten für die Untersuchung in Höhe von 400 Euro? Und wer ersetzt den Wert des Hundes von rund 800 Euro? Weiterhin beschäftigt die Familie die Frage, wie es zu der tödlichen Attacke überhaupt kommen konnte.

Betreiberin Selina Poschner, die nach eigenen Angaben seit sechs Jahren als Tagesbetreuerin tätig ist und seit einem Jahr die Pension für bis zu 40 Hunde betreibt, erklärte auf Anfrage, dass Pluto ein „intakter Rüde“ gewesen sei, der sich „ziemlich penetrant“ verhalten habe. „Er hat alles bestiegen und hat andere Rüden angeknurrt. Mit jedem hat er sich angelegt. In der Nacht muss dann irgendetwas passiert sein.“ Was, das kann sich Selina Poschner nicht erklären. Sie habe ihn am nächsten Morgen tot im Hundekörbchen gefunden und habe gedacht, dass er eingeschlafen sei. Die Bisswunden will sie erst später bemerkt haben. Selbstverständlich werde sie den Schaden der Versicherung melden. Sollte diese nicht zahlen, werde sie selbst eintreten.

Veterinäramt kündigt Untersuchung des Falls an

Nach Angaben des Veterinäramtes des Kreises Paderborn liegt eine Beschwerde gegen die Pensionsbetreiberin vor. Pressesprecherin Michaela Pitz erklärte: „Jeder, der gewerbsmäßig Tiere betreut, braucht dafür eine Erlaubnis nach § 11 Tierschutzgesetz. Die Räumlichkeiten müssen passen, und nachgewiesen werden muss die Sachkunde, also entsprechende Fachkenntnisse. Selinas Tierbetreuung hat die Erlaubnis im vergangenen Jahr erteilt bekommen. Eine gesetzlich geregelte Überwachungspflicht gibt es nicht. Wenn natürlich Anzeigen oder Beschwerden kommen, gehen wir dem nach.“ Der Kreis kündigte am Montag eine Untersuchung des Falls an.

Der Chatverlauf zwischen der Betreiberin der Tierpension und der Familie Schumann.

Kommentare

Wir können über diese Pension nur Positives sagen

Wir haben unseren Nero inzwischen schon viele male zu Selina Poschner gebracht und können über diese Hundepension nur Gutes berichten.
Natürlich ist es sehr traurig um den kleinen Pluto und an dieser Stelle mein herzliches Beileid an die Familie Schumann.
Aber da wir Selina Poschner inwischen gut kennen, bin ich mir sehr sicher, dass es nicht ihr Verschulden ist.
Eine 24/7 Rundumbetreuung ist natürlich auch hier nicht leistbar und es kann immer mal zu einem Unfall kommen, das hätte aber auch an anderer Stelle passieren können.

Nicht das erste Mal

Erst einmal mein Beileid an die Familie Schumann.
Es ist ja nicht das erste Mal, dass in dieser Tierpension etwas gehörig schief läuft.
Im Sommer diesen Jahres wurde auch über mehrere Tage ein Hund vermisst und die Besitzer noch nicht einmal informiert. Dankenswerter Weise haben sich andere Personen der Suche angenommen, so dass diese ein gutes Ende genommen hat.
Vieleicht sollte das Vet. Amt doch einmal diese Erlaubnis noch einmal überdenken und den Laden komplett auf den Kopf stellen.

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