Mo., 02.12.2019

Schau in Paderborn über die Leidenschaft der Fürsten für die Jagd Tote Tiere symbolisierten Wohlstand

Der Leiter des Residenzmuseums, Andreas Neuwöhner, steht neben einem Jagdstill­leben, das dem Niederländer Jan Fyt (1611-1661) zugeschrieben wird.

Der Leiter des Residenzmuseums, Andreas Neuwöhner, steht neben einem Jagdstill­leben, das dem Niederländer Jan Fyt (1611-1661) zugeschrieben wird. Foto: Oliver Schwabe

Von Dietmar Kemper

Paderborn (WB). Fürstbischof Clemens August (1700-1761) war von der Jagd regelrecht besessen. Seinem Vater in Bayern berichtete er regelmäßig von seinen Erfolgen. Am 23. Dezember 1736 erlegte er zwölf Hirsche.

So wie Clemens August liebten seine adeligen Zeitgenossen die Jagd und schmückten ihre Wände mit Gemälden, die das Geschehen im Wald festhielten. Die Ausstellung „Jäger und Beute“ im Residenzmuseum Schloß Neuhaus zeigt eine Auswahl davon. 14 Bilder illustrieren, wie Jagdhunde sich über die Beute hermachen und wie die toten Tiere anschließend für Stillleben drapiert werden, zum Beispiel mit Kohlkopf und Weinflasche oder mit einer Jagdbüchse. Die Werke stammen aus der Sammlung der Fürstenberg-Stiftung Eggeringhausen, und wie die Geweihe erlegter Hirsche dienten sie als Dekoration und signalisierten darüber hinaus Wohlstand und Jagdglück.

„Die Jagd spielte auch für das Schloss zu Neuhaus eine große Rolle – wegen der Nähe zur Senne und weil der Fürstbischof mit seinen Gästen zur Jagd aufbrach“, erläutert der Leiter des Residenzmuseums, Andreas Neuwöhner. Das Wildbret türmte sich anschließend auf der Tafel des Potentaten.

Mehr als nur ein Jagdschloss

Ein bloßes Jagdschloss sei das in Neuhaus aber nicht gewesen, betont Neuwöhner. Es habe auch als Regierungssitz, Wohnort, Gerichtssaal und Gefängnis gedient. Fürstbischof Dietrich Adolf von der Recke (1601-1661) ließ eigens ein kleines Jagdschloss in Hövelhof errichten. Die Parforcejagden in der Senne, bei denen Hunde Hirsche so lange jagten, bis sie zusammenbrachen und erst dann erschossen wurden, galten in der damaligen Zeit als gesellschaftliches Ereignis. Heute muten sie nur noch widerlich an. Ein Oberjäger, drei Hofjäger, ein Fasanenwächter sowie zwei Gehilfen sorgten um 1760 herum dafür, dass im Neuhäuser Schloss immer genug Wildbret zur Verfügung stand. Die Jagd war übrigens ein Privileg des Adels.

Der Blick auf die Jagdszenen und Stillleben gibt Aufschlüsse über die damalige Tierwelt. So sind auf dem Ölbild „Jagdhund, Enten im Schilf aufspürend“ von Philipp Ferdinand de Hamilton (um 1667-1750) ein Flusskrebs und eine Entenart mit einem blauen Schnabel zu sehen. Diese Art und dieser ursprüngliche Flusskrebs gelten heute als ausgestorben.

Brutalität und Idylle

Nicht alle Tiere auf den Gemälden sind tot oder werden gerade ins Jenseits befördert – geradezu idyllisch mutet das um 1720/30 entstandene Werk „Rehbock und Ricke am Waldesrand“ von Johann Melchior Roos (1659/63-1731) an. Der Niederländer Otto Marseus Snuff van Schrieck (1619-1678) schuf mit seinen Waldbodenbildern ein eigenständiges Sujet.

Die Ausstellung „Jäger und Beute“ ist bis zum 28. Juni zu sehen. Sie ist in die Dauerpräsentation zur Geschichte des Schlosses und der fürstbischöflichen Herrschaft eingebunden; das Museum im Schloss ist dienstags bis freitags von 14 bis 18 und am Wochenende von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

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