Mi., 04.12.2019

Ehemalige Domschule soll bebaut werden – Infoveranstaltung geplant Wohnprojekt wirft Fragen auf

Die Holzpfähle für die Vermessung des Grundstücks der ehemaligen Domschule am Bischofsteich stecken bereits im Boden. Am Dienstag, 10. Dezember, soll es zu dem Bauvorhaben eine Infoveranstaltung geben, zu der die CDU-Fraktion einlädt.

Die Holzpfähle für die Vermessung des Grundstücks der ehemaligen Domschule am Bischofsteich stecken bereits im Boden. Am Dienstag, 10. Dezember, soll es zu dem Bauvorhaben eine Infoveranstaltung geben, zu der die CDU-Fraktion einlädt. Foto: Ingo Schmitz

Von Ingo Schmitz

Paderborn (WB). Die geplante Wohnbebauung auf dem Gelände der ehemaligen Domschule am Bischofsteich in Paderborn sorgt für Unruhe bei den Anliegern. Sie halten das Vorhaben mit 47 Wohnungen in direkter Nachbarschaft zum Kindergarten für zu groß dimensioniert. Hinzu kommt nun eine neue Entwicklung, die einige Anwohner zusätzlich mit Sorge erfüllt: Der LWL würde an der Stelle gern ein Appartementhaus für zehn bis 15 psychisch behinderte Menschen errichten.

Anwohnerversammlung am 10. Dezember

Am Dienstag, 10. Dezember, 19.30 Uhr, gibt es eine Anwohnerversammlung im Pfarrheim St. Heinrich. Angesprochen sind die Bewohner des Quartiers Bischofsteich, Rolandsweg, Greitelerweg und Sander-Wietfeld-Ring. Eingeladen hat die CDU-Ratsfraktion. Mit dabei ist auch Karl-Josef Feischen, LWL-Einrichtungsleiter des Wohnverbunds Paderborn, in dem 350 Menschen betreut werden. Mit dem neuen Wohnprojekt möchte der LWL eine Wohnform etablieren, die neuartig ist und vor allem auf technische Hilfsmittel und Unterstützung setzt, wie Feischen auf WV-Anfrage erklärte. Das Projekt läuft unter dem Stichwort SeWo (Selbst-Bestimmtes Wohnen) und soll für eine Integration der Betroffenen sorgen. „Das Grundstück in Innenstadtlage wäre ideal“, sagt Feischen.

Nach Angaben des Einrichtungsleiters handele es sich bei den potenziellen Bewohnern um Paderborner Bürger, die krank geworden seien. Es seien Leute, die an einer beginnenden Demenz litten oder depressive oder manische Phasen hätten. Wer auf diese Weise erkrankt sei, brauche Hilfe. Und die soll in dem Appartementhaus unter anderem auf technische Weise geboten werden, um die bestehenden Aufmerksamkeitsdefizite auszugleichen. Automatische Stromabschaltungen und Saugroboter sowie Bildschirmtelefonie sind nur drei Stichworte. Darüber hinaus gebe es auch eine Kontaktperson für die Nachbarn.

„Ob wir den Bauplatz bekommen ist noch unklar. Aber das ist etwas Gutes. Das muss realisiert werden“, ist Feischen vom Erfolg überzeugt.

Freiflächen für angrenzende Kita und Quartiers-Spielplatz gefordert

Die CDU will mit ihrer Anwohnerversammlung die seit Sommer ins Stocken geratene Kommunikation zwischen Anwohnern und Verwaltung wieder in Schwung bringen. Die Anwohner lehnen einen Komplex mit insgesamt 47 Wohnungen ab und fordern stattdessen Freiflächen für die angrenzende Kita und einen Quartiers-Spielplatz sowie eine an die vorhandene angepasste Bebauung.

Noch deutlicher wird Ratsherr Stephan Hoppe (Für Paderborn), der den Verwaltungsentwurf für die Bebauung scharf kritisiert. Der Vorschlag sei „an Ideenlosigkeit nicht zu überbieten“, teilt er mit. Auch er hält die Fläche als Erweiterungspotenzial für den benachbarten Kindergarten für nötig. Außerdem fordert er innovative Mitmachprojekte ein wie „urban gardening“ oder einen „community garden“. Hoppe: „Ein Quartiersgarten würde die Menschen näher zusammenbringen und dem Gemeinschaftsgefühl gut zu Gesicht stehen.“ Kooperationen seien denkbar mit der Ernährungslehre im Helene-Weber-Berufskolleg sowie mit dem Berufsförderzentrum St. Lioba in der Nachbarschaft. So könnte man einen verlässlichen Betreuungspartner gewinnen. Die Fraktion Für Paderborn will nun im Rat einen Prüfauftrag zur Abstimmung stellen.

Kommentar

Schon beim LWL-Wohnprojekt im Goldgrund hatte es vor einigen Jahren Bedenken gegen die Menschen gegeben, für die das Gebäude errichtet wurde. Inzwischen ist nach Aussage von CDU-Fraktionschef Markus Mertens und LWL-Einrichtungsleiter Karl-Josef Feischen klar: Besser kann Integration nicht funktionieren, wie es im Goldgrund geschieht. Das neue LWL-Bauvorhaben hat daher seine Berechtigung. Davon trennen muss man die Frage, ob das, was die Stadt an Nachverdichtung am Bischofsteich plant, dorthin passt. Insgesamt 47 Wohneinheiten sind sicher wünschenswert für die Investoren – aber angesichts des Umfeldes auch eine Nummer zu groß.        Ingo Schmitz

Kommentare

Bauwut

"Ideenlosigkeit" ist quasi der Standard bei der Paderborner Bauprojekten. Schon seit etlichen Jahren werden all überall die gleichen schablonenhaften, kreativitätsbefreiten, weiss verputzten Investorenklötze mit Staffelgeschoss und Balkongeländern aus Glas und Metall hingenehmigt und den Menschen vor die Nase nachverdichtet. Auch'ne Art eine Stadt und ihr Grün kaputtzuwirtschaften. Was das Domschulgelände am Bischofsteich braucht ist eine freiflächige Parkanlage als Ausgleich für die bestehende Bebauung, nicht zuletzt zu Gunsten der Kita-Kinder direkt daneben. Etwa so wie es beim Abriss der Schulcontainer ja eigentlich schonmal angedacht war.

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