Berührender Abend in Paderborn zum Gedenken an Willi Hagemeier
Schauspieler ist unvergessen

Paderborn (WB). „Der Tod ist nichts, ich bin nur in das Zimmer nebenan gegangen“, heißt es in einem Gedicht von Henry Scott Holland. Thomas Heller las es am Donnerstagabend im Diözesanmuseum vor, um an seinen langjährigen Schauspielkollegen und Freund Willi Hagemeier zu erinnern.

Freitag, 06.12.2019, 17:20 Uhr aktualisiert: 06.12.2019, 17:30 Uhr
Die Stühle reichten nicht aus. Der Willi Hagemeier gewidmete musikalisch-literarische Abend „Klang-voll“ im Diözesanmuseum stieß auf enorme Resonanz. Foto: Jörn Hannemann
Die Stühle reichten nicht aus. Der Willi Hagemeier gewidmete musikalisch-literarische Abend „Klang-voll“ im Diözesanmuseum stieß auf enorme Resonanz. Foto: Jörn Hannemann

Der große Mime war das Gesicht des Paderborner Theaters und im Juli 2018

Willi Hagemeier 2016 in seinem Theater.

Willi Hagemeier 2016 in seinem Theater. Foto: Jörn Hannemann

gestorben. Am Donnerstag wäre er 65 Jahre alt geworden. Wenn er wirklich im Zimmer nebenan gesessen und durchs Schlüsselloch zugeschaut haben sollte, wäre er bei so viel Lob vielleicht ein bisschen rot geworden.

„Klang-voll“ hatten Freunde und Wegbegleiter den Abend überschrieben, in dem sie Willi Hagemeier mit Texten, Filmen, Fotos und Tondokumenten gedachten. Dass er unvergessen ist, bewies die enorme Resonanz. So voll war das Diözesanmuseum selten.

Goethe seine Stimme gegeben

Mit dem Haus war Hagemeier über viele Jahre verbunden, indem er die Exponate der Sonderausstellungen mit seinem unverwechselbaren Bass zum Leben erweckte und beispielsweise Goethe seine Stimme gab, als der auf seiner italienischen Reise mit großen Augen das Nebeneinander von Palästen und Ruinen in Rom beobachtete. Museumschef Christoph Stiegemann lobte Hagemeier als „großen Paderborner Sprachkünstler und Schauspieler“ und als „inspirierenden Partner bei all unseren Projekten“.

Er stand 30 Jahre lang in Paderborn auf der Bühne

In erster Linie ist der Name Hagemeier mit dem Paderborner Theater verbunden. Dort stand er in zahlreichen Aufführungen auf der Bühne. Die Bandbreite reichte von „Räuber Hotzenplotz“ und den „Wahlverwandtschaften“ bis zu den „Sonny Boys“. Der gebürtige Dortmunder gehörte seit 1988 dem Ensemble der Kammerspiele an, 30 Jahre lang füllte er mit seiner Präsenz die Bühne und trat zudem als Synchronsprecher in Erscheinung. Zum Beispiel im Prolog zu dem Musikdrama „Die Kinder der Totenstadt“, das vom Ghetto in Theresienstadt erzählt.

Erstmals zu sehen waren auf einer Leinwand Fotos von Hagemeier, die ihn im Theater ohne Kostüme zeigen. Harald Morsch hatte die Porträts angefertigt und bescheinigte seinem „Motiv“ eine „extreme Wandlungsfähigkeit und große Professionalität“. Zehn Jahre lang hatte Morsch Hagemeier fotografisch begleitet und er wird ihn als „einen ganz wichtigen Menschen meiner Stadt“ in Erinnerung behalten.

Schauspieler Thomas Heller wanderte mit Hagemeier durch den Schwarzwald. Als er vor 25 Jahren zum ersten Mal nach Paderborn ins Theater kam, habe ihn abends seine Frau gefragt, wie er denn mit den Kollegen klarkomme. Heller antwortete: „Da ist einer, den finde ich sehr sympathisch.“

Vergänglichkeit und bleibende Erinnerungen

Im Laufe des berührenden Abends, den Elena Chekanova und Robert Kusiolek mit ihrer Mischung aus Akkordeon- und elek­tronischer Musik einfühlsam begleiteten, beschwor Heller einerseits die Vergänglichkeit, indem er den Barockdichter Andreas Gryphius zitierte („Wir vergehen wie Rauch von Winden“) und machte andererseits deutlich, dass etwas bleibt. Henry Scott Holland fragt in seinem Gedicht: „Weshalb soll ich nicht mehr in euren Gedanken sein, nur weil ich nicht mehr in eurem Blickfeld bin?“

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