Do., 12.12.2019

Stahlrohr-Sparte: Paderborn soll Produktion aus Bottrop übernehmen Benteler plant Werksschließung

Schrittweise will Benteler die Bottroper Produktion in die Werke in Paderborn und Schloß Neuhaus verlagern. Das könnte bis zu 100 neue Stellen bringen. Andererseits sollen aber auch an den beiden OWL-Standorten bis zu 195 Jobs wegfallen.

Schrittweise will Benteler die Bottroper Produktion in die Werke in Paderborn und Schloß Neuhaus verlagern. Das könnte bis zu 100 neue Stellen bringen. Andererseits sollen aber auch an den beiden OWL-Standorten bis zu 195 Jobs wegfallen. Foto: Besim Mazhiqi

Von Oliver Horst

Paderborn (WB). Im Zuge des angekündigten Abbaus von bis zu 600 der bundesweit 3600 Stellen in der Stahlrohr-Sparte plant Benteler auch die Schließung seines Werks in Bottrop im Jahr 2022. Das hat der Konzern mit Hauptstandort Paderborn und Zentrale in Salzburg am Mittwoch bekanntgegeben. Von dem Schritt wären 255 Mitarbeiter betroffen. Der Großteil der Bottroper Produktion soll schrittweise in die beiden Werke in Paderborn und Schloß Neuhaus verlagert werden. Dort würden in diesem Zuge bis zu 100 neue Stellen geschaffen, heißt es.

Auf der anderen Seite sollen bis Ende 2022 in Paderborn und Schloß Neuhaus vor allem in der Verwaltung bis zu 195 Stellen wegfallen, im Werk Dinslaken bis zu 90 und in Lingen bis zu zehn Arbeitsplätze. Die schwierige Marktlage mit weltweiten Überkapazitäten, Preisverfall und Handelshemmnissen macht nach Konzernangaben die Anpassung der strategischen Ausrichtung und insbesondere der Kapazitäten notwendig. Vor drei Wochen hatte Benteler deshalb bereits den Stellenabbau angekündigt. Jetzt hat das Unternehmen die Pläne konkretisiert, mit denen die Sparte „wettbewerbsfähig und zukunftssicher“ aufgestellt werden soll.

Konzentration der Produktion

Neben der Optimierung des Sortiments und des Vertriebs mit einer Fokussierung auf Europa als Kernmarkt sei vor allem ein effizienterer Werksverbund in Deutschland wesentlicher Bestandteil des Maßnahmenpakets. Die Produktionskapazitäten und auch die Kosten müssten an den veränderten Marktbedarf angepasst werden. Vor diesem Hintergrund sei nach Prüfung aller Optionen nun die Entscheidung gefallen, das mit einer Jahreskapazität von 30.000 Tonnen relativ kleine Werk in Bottrop mittelfristig aufgeben zu wollen. Der Standort sei trotz aller Bemühungen der Vergangenheit im aktuellen Marktumfeld selbst bei Vollauslastung nicht profitabel zu betreiben, sagt eine Konzernsprecherin.

Die Konzentration der Produktion gezogener Stahlrohre in Schloß Neuhaus und geschweißter Rohre in Paderborn soll diese beiden Standorte durch Mengenvorteile noch wettbewerbsfähiger machen. Überwiegend in der Produktion würden durch die Verlagerung der Kapazitäten aus Bottrop bis zu 100 neue Stellen geschaffen. Inwieweit vom geplanten Stellenabbau betroffene Mitarbeiter in diese Jobs wechseln können, müssten neben der Frage der passenden Qualifikation auch noch die Gespräche mit Arbeitnehmervertretern ergeben. Auch in Dinslaken, wo nahtlose Stahlrohre produziert werden, ist eine Reduzierung der Kapazitäten vorgesehen.

Der Stellenabbau solle sozialverträglich – etwa durch freiwillige Abfindungsprogramme, Altersteilzeit und Fluktuation – umgesetzt werden, erklärt Sparten-Finanzchef Tobias Braun. „Unser Ziel ist es, mit wirksamen Maßnahmen die Stahlrohr-Sparte in Deutschland zukunftsfähig aufzustellen und damit den Großteil der Arbeitsplätze in Deutschland zu sichern.“ Vertriebschef Christian Wiethüchter ergänzt, dass bei allen notwendigen Schritten ein „respektvoller Umgang“ mit den Mitarbeitern im Mittelpunkt stehe.

Standortsicherungsvertrag bis Ende 2021

„Benteler ist sich der Verantwortung als Arbeitgeber sehr bewusst. Wir haben sämtliche Optionen sorgfältig geprüft“, sagt Konzernsprecherin Birgit Held. „Wir wollen die Zeit jetzt nutzen, um die Mitarbeiter auf die bevorstehenden Veränderungen vorzubereiten und sie zu unterstützen.“

Betriebsbedingte Kündigungen schließt ein 2016 mit der IG Metall geschlossener Standortsicherungsvertrag bis Ende 2021 aus. „Wir halten uns an Verträge“, sagt die Sprecherin. Das Unternehmen will mit der Gewerkschaft aber auch über eine mögliche Anpassung sprechen.

Ein erstes Sondierungsgespräch sei für kommende Woche geplant, sagt Carmelo Zanghi, Geschäftsführer der IG Metall Paderborn. Die geplante Schließung des Bottroper Werks stimme ihn traurig. „Das widerspricht dem, was wir 2016 verabredet hatten, nämlich den Aufbau eines Werksverbunds, in dem alle Standorte längerfristig Bestand haben“, sagte Zanghi dem WESTFALEN-BLATT.

Die beiden Auslandswerke der Division in der Schweiz und in den USA sind von der laufenden Neuausrichtung weitgehend ausgenommen. Das erst 2015 in Betrieb genommene US-Werk entwickele sich positiv, die Produktion werde weiter hochgefahren.

Parallel zur Umstrukturierung im Stahlrohr-Bereich läuft bei Benteler auch ein Stellenabbau-Programm in der noch wesentlich größeren Sparte Automobiltechnik.

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