Prozess gegen drei junge Männer: Abreibung für Aussage bei der Polizei?
Opfer angebunden und verprügelt

Paderborn (WB). Man kennt das aus dem Gangster-Film: Da wird einer auf dem Stuhl angebunden, vermöbelt und am Schluss klaut man ihm seine Sachen. Das gibt’s aber nicht nur auf der Leinwand, sondern auch in Paderborn.

Freitag, 20.12.2019, 11:01 Uhr aktualisiert: 20.12.2019, 11:04 Uhr
Vor der Jugendkammer des Paderborner Landgerichts müssen sich drei junge Männer verantworten. Sie hatten einen Bekannten in filmreifer Manier malträtiert. Foto: Hannemann
Vor der Jugendkammer des Paderborner Landgerichts müssen sich drei junge Männer verantworten. Sie hatten einen Bekannten in filmreifer Manier malträtiert. Foto: Hannemann

Seit Donnerstag stehen drei Männer vor der großen Jugendkammer: Sie hatten einen Bekannten in filmreifer Manier malträtiert. Ihnen drohen lange Haftstrafen. Im Kern ist das Geschehen klar, denn zwei der Angeklagten (25, 21) hatten zum Prozessauftakt bereits die ihnen vorgeworfene Tat mehr oder weniger so zugegeben. Der dritte im Bunde, brauchte etwas länger, um sich zu einer Art Geständnis durchzuringen – immerhin gilt der 23-Jährige als der Haupttäter und wurde von seinem eigenen Bruder durch dessen Aussage massiv belastet.

Mit Klebeband an Stuhl gefesselt

Die Drei hatten im Juli einen 22-jährigen Freund in der Wohnung des 23-Jährigen zusammengeschlagen, dann mit Klebeband an einen Stuhl gefesselt und ihn weiter misshandelt – unter anderem unter Einsatz eines Teleskopschlagstockes und des Stiels eines Wischmops, der die missbräuchliche Benutzung nicht durchhielt und abknickte. Nach mehreren Stunden konnte der 22-Jährige sich befreien, kletterte aus einem Fenster und rettete sich zu einem Nachbarn. Er landete mit vielen Verletzungen im Krankenhaus: Bruch der Kieferhöhle, Schädel-Hirn-Trauma, zwei geplatzte Trommelfelle, Prellungen und Blutergüsse.

Der Hintergrund: Der 23-Jährige beschuldigte seinen Freund, bei der Polizei gegen ihn ausgesagt zu haben, und zwar in einer ebenfalls filmreifen anderen Geschichte, die in diesem Prozess gleich mitverhandelt wird. Im vergangenen Dezember soll der 23-Jährige seine Ex-Freundin mit dem Auto verfolgt haben. In der Stadtheide war der Pkw mit den beiden Frauen in einer Sackgasse stehen geblieben, um zu wenden – der Angeklagte soll mit seinem Golf absichtlich das Auto gerammt haben.

Dann soll er seine in dem fahruntüchtigen Auto sitzende Freundin (22) durch die mit der Faust zerschlagene Seitenscheibe attackiert haben, unter anderem mit einem Kniestoß ins Gesicht. Die Frau erlitt eine Nasenbeinfraktur. Der im Golf des 23-Jährigen sitzende Freund hatte wohl alles mitangesehen und soll später bei der Polizei auch entsprechende Angaben gemacht haben – was er allerdings vor Gericht abstritt.

Hauptbelastungszeuge wollte lange nicht aussagen

Richterin Nicole Klein ist als Vorsitzende der großen Jugendkammer mit viel Geduld ausgestattet, aber auch die ist endlich. Das musste der äußerst bockige Hauptbelastungszeuge erleben: Er wollte partout nicht aussagen, auch nicht auf den unüberhörbaren Hinweis der Richterin, dass er dazu verpflichtet sei. Selbst die Androhung der Ordnungshaft nützte lange nichts, bis der 22-Jährige dann doch – wenn auch zögerlich – das bestätigte, was die drei Angeklagten überwiegend schon zugegeben hatten. Seine von der Polizei protokollierte Aussage sei aber von den Beamten erfunden, behauptete er beharrlich.

Am Montag soll weiter verhandelt werden. Zu klären ist auch, wie das Handy des Geschädigten in die Hände der Angeklagten gelangte, die es verkaufen wollten. Denn es steht eine schwere räuberische Erpressung im Raum – Strafandrohung fünf Jahre Haft.

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