Fr., 20.12.2019

Seit Januar haben sich 30 mutmaßlich Betroffene gemeldet, zur Hälfte Frauen Missbrauch: Erzbistum erhält neue Hinweise

Von Thomas Hochstätter

Paderborn (WB). Beim Erzbistum Paderborn sind weitere Anschuldigungen im Zusammenhang mit dem Verdacht auf Missbrauch und sexualisierte Gewalt durch Kleriker und Laien im kirchlichen Dienst eingegangen. Von Januar bis Oktober dieses Jahres hätten sich 30 Personen gemeldet, die Hälfte davon Frauen, so Pressesprecher Benjamin Krysmann.

Die benannten Zeiträume lägen lange zurück; von den insgesamt 26 Beschuldigten seien 19 bereits verstorben. Gegen elf der Verstorbenen habe es bereits andere Vorwürfe gegeben, acht der Verstorbenen seien dem Erzbistum noch nicht durch Beschuldigungen bekannt gewesen. Die Anschuldigungen bezögen sich auf die Zeiträume von 1946 bis 1949 (fünf), 1960 bis 1969 (zwölf), 1970 bis 1979 (vier), 1980 bis 1989 (eine) sowie 1990 bis 1999 (sechs). Zwei der gemeldeten Anschuldigungen hätten keinem genauen Zeitraum zugeordnet werden können, lägen aber vor 1970.

Krysmann: „Es handelt sich dabei um in Beschaffenheit und Schwere deutlich zu unterscheidende Tatvorwürfe.“ Fünf der Beschuldigten seien noch am Leben; von ihnen befinde sich aber keiner im aktiven Dienst. Zwei Beschuldigte seien dem Erzbistum Paderborn namentlich nicht bekannt, weil die Betroffenen keine Namen hätten nennen können. Bei allen Beschuldigten handele es sich um Männer. Die Anschuldigungen seien an die Staatsanwaltschaft weitergegeben worden. Eine Ausnahme bildeten jene Fälle, in denen die Betroffenen sich dagegen ausgesprochen hätten. Ein Überblick über die Zahl der neuen Anschuldigen, wie ihn das Erzbistum nun erstmals gegeben hat, solle künftig jährlich erstellt werden, kündigte Krysmann an. Dies folge dem Willen, „so transparent und offen wie möglich“ zu kommunizieren.

Die Deutsche Bischofskonferenz hatte unlängst eine „Ordnung für den Umgang mit sexuellem Missbrauch Minderjähriger und schutz- oder hilfebedürftiger Erwachsener durch Kleriker und sonstige Beschäftigte im kirchlichen Dienst“ aufgestellt, die zum 1. Januar 2020 wirksam wird.

Grundsätzlich gelte, so Krysmann: „Bei den Maßnahmen der Aufarbeitung, Intervention und Prävention von sexuellem Missbrauch ist es entscheidend, dass alle Perspektiven berücksichtigt werden, insbesondere die der Betroffenen. Darum ermutigt das Erzbistum Paderborn weiter, dass sich Betroffene von sexuellem Missbrauch mit den Missbrauchsbeauftragten oder der Interventionsbeauftragten für das Erzbistum Paderborn in Verbindung setzen.“ Missbrauchsbeauftragte sind seit 2018 die Paderborner Rechtsanwältin Ga­briela Joepen und der Dortmunder Rechtsanwalt Martin Rehborn. Daneben ist Petra Lillmeier als Interventionsbeauftragte tätig.

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