So., 29.12.2019

1800 Besucher beim amüsanten Jahresrückblick der drei Kabarettisten Storno rechnen ab

Storno füllte gleich zweimal die Paderhalle. Insgesamt 1800 Besucher verfolgten die amüsante Jahresabrechnung des Münsteraner Trios. Das Bild zeigt (von links) Thomas Philipzen, Harald Funke und Jochen Rüther.

Storno füllte gleich zweimal die Paderhalle. Insgesamt 1800 Besucher verfolgten die amüsante Jahresabrechnung des Münsteraner Trios. Das Bild zeigt (von links) Thomas Philipzen, Harald Funke und Jochen Rüther. Foto: Michael Welling

Von Michael Welling

Paderborn  (WB). Wenn die drei Herren von Storno regelmäßig Ende Dezember zur Jahresabrechnung in die Paderhalle bitten, bleibt kein Sitz unbesetzt und kein Auge trocken. Gleich zweimal füllten sie am Freitag die Halle und hätten locker das doppelte an Karten verkaufen können, so groß war wie immer die Nachfrage.

Die rund 1800 Zuschauer sahen wiederum einen höchst amüsanten Jahresrückblick voller intelligenter Pointen und scharfsinnige Analysen, urkomischen Mimiken und gesanglichen Höchstleistungen, so wie man es von den drei Vollblutkabarettisten gewohnt ist. Ein Geheimnis ihres Erfolges liegt sicher in den unterschiedlichen Charakteren der drei Künstler, die sich geschickt die Bälle zuwerfen und so wesentlich abwechslungsreicher und vielfältiger sein können, als ein Solo-Kabarettist.

Vom Publikum wird höchste Konzentration gefordert

Jeder spielt seine ihm eigene Rolle: Jochen Rüther ist der Intellektuelle, Thomas Philipzen der quirlig-wuselige und Harald Funke der naiv-komische Part. Wenn die drei ihren urkomischen Rückblick auf Weltgeschehen, Politik und Gesellschaft zelebrieren, wird auch vom Publikum höchste Konzentration gefordert, so dicht reiht sich bei dem Münsteraner Trio Gag an Pointe, manche doppelte Bedeutung erschließt sich erst nach kurzem Nachdenken (Rechtsausschuss).

Ob Klimaschutz, Ausstattung der Bundeswehr (mit dem maroden Segelschiff Gorch Fock samt Bogenschützen als Galionsfigur), der Siegeszug der Populisten in Europa, die AfD-Wahlerfolge, Impfpflicht gegen Masern oder die Bewegung Maria 2.0.,– Funke, Philipzen und Rüther interpretieren alles messerscharf und temporeich; resümieren was Sache ist in diesem Land.

„Schnupperkurs in der Biogasanlage“

Auf der Fahrt nach Paderborn hätten sie schon deutlich gemerkt, dass die Welt immer verrückter wird. „Da stand unterwegs an einem Bauernhof ein Schild – Schnupperkurs in der Biogasanlage“, berichtete Thomas Philipzen. Auch das Hadern der Deutschen mit der Elektromobilität und dem Tempolimit war Thema: „Nach dem Verbrennungsmotor will man uns auch noch den Stau nehmen. Dabei ist der Stau auf der Leverkusener Brücke Weltkulturerbe“.

Eine Alternative wären auch Fahrradrikschas, mit denen sich Touris gerne durch Berlin chauffieren lassen, „ein guter Beitrag zum Klimaschutz. Da sitzt einer vorne, der tritt sich für dich die Beine dick, und du sitzt hinten mit deinen Koffern drin. Und wenn er dir zu langsam ist, nimmst du einfach die Peitsche.“

Ebenfalls viel gelacht wurde über den Groko-Appendix SPD, und Markus „Greta“ Söder, der in Bayern jede einzelne Biene durch Herzdruckmassage und Mund zu Mund Beatmung gerettet hat. Allerdings könne Söder niemals wie Greta Thunberg (die tut was, sonst hieße sie Greta Lassberg) mit dem Segelschiff nach Amerika reisen: „Vor lauter 180-Grad-Drehungen käme der dort nie an“, lästerte das Trio.

Sie bilanzieren, dass die „Deutschen Weltspitze im Klimaschutz sind. Denn welches Volk hat schon einen CO2-freien-Flughafen wie wir den in Berlin?“

Etwas langatmig geriet vielleicht ihr Exkurs über das Phänomen der schwarzen Löcher im All, der in der Erkenntnis mündet, Paderborn sei wohl „der falsche Ort, um schwarze Löcher zu erklären“.

Immer wieder werden Humboldt-Zitate ins Programm eingestreut: „Gefährlich ist die Weltanschauung der Menschen, die sich die Welt nicht ansehen.“ Philipzen wundert sich, dass Humboldt das vor mehr als 200 Jahren schon wusste, obwohl es damals die AFD doch noch gar nicht gab.

Auch die Veganer und ihre Fleischimitate bekommen ihr Fett? weg. „Warum essen sie nicht gleich Gemüse?“, wundert sich Funke. Ihm schmecke das Fleisch und er ärgere sich über dieses neoliberale Gesundheitsevangelium des krankhaft richtigen Essens, das jeden Genuss vertreiben will. „Wir haben kein natürliches Verhältnis mehr zum Essen, sondern haben eine ideologische Wissenschaft daraus gemacht“, mault er und antwortet mit einem Song über seine durcheinandergeratene Darmflora.

Natürlich durften auch die obligatorischen Schlagerparodien nicht fehlen, diesmal hatte man Peter Maffay und seine jungen Freundinnen auf den Kieker genommen. Zwei Zugaben später hieß es dann leider wieder: Das war‘s, tobender Schlussapplaus und dann noch die Bekanntgabe eines wichtigen Termins: Der Vorverkauf für Storno 2020 am 27. Dezember 2020 in der Paderhalle beginnt bereits am kommenden Samstag, 4. Januar.

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