Frequenzmessung liefert Paderborns Werbegemeinschaft aufschlussreiche Zahlen
Passanten werden gezählt

Paderborn (WB). Seit Ende September 2019 registriert ein Laserscanner in der Westernstraße jeden und jede. Von der sogenannten Frequenzmessung profitieren Händler, die Werbegemeinschaft und auch die Stadtplaner.

Dienstag, 07.01.2020, 07:51 Uhr aktualisiert: 07.01.2020, 08:00 Uhr
So sieht der Laserscanner aus (oben links), der am Gebäude Westernstraße 2 angebracht ist, in dem Thalia und Christ untergebracht sind (kleiner Kreis). Foto: Jörn Hannemann
So sieht der Laserscanner aus (oben links), der am Gebäude Westernstraße 2 angebracht ist, in dem Thalia und Christ untergebracht sind (kleiner Kreis). Foto: Jörn Hannemann

Die Werbegemeinschaft Paderborn interessiert nicht nur die Zahl der Geschäfte und Mitglieder, sondern auch die der Kunden. Dank des Start-up-Unternehmens Hystreet sieht sie seit Herbst des vergangenen Jahres klarer und kann besser beurteilen, ob verkaufsoffene Sonntage oder das Late-Night-Shopping wirklich zu deutlich mehr Betrieb in der City führen.

Mit Laserscannern erfasst Hystreet die Besucherströme an verschiedenen Stellen einer Stadt. In Paderborn ist es die Westernstraße. Um die Frequenz an zen­tralen Plätzen zu ermitteln, werden kleine, graue Kästen in sechs bis 20 Meter Höhe installiert. Die Laserscanner registrieren alle Personen, die 80 Zentimeter und größer sind.

Paderborns Citymanager Heiko Appelbaum ist vom Sinn überzeugt. „Frequenzmesser sind für uns sehr wichtig, mit ihnen können wir die Effekte beurteilen, die verkaufsoffene Sonntage, der Weihnachtsmarkt oder das Late-Night-Shopping haben.“ Diese Kernwerte hätten der Werbegemeinschaft bislang gefehlt.

Late-Night-Shopping verpufft spätabends

Beispiel Late-Night-Shopping: Es fand zuletzt am Samstag, 14. Dezember, statt und lockte 65.906 Menschen zu den Geschäften entlang der Westernstraße. Einen Tag vorher waren es laut Hystreet nur 34.986. Im Klartext: Das Late-Night-Shopping mit seinen Aktionen wirkt, aber nicht unbedingt am späteren Abend. „Bis 18, 19 Uhr war die Frequenz recht hoch, dann ging es runter, das Maximum lag bei 7126 Menschen zwischen 16 und 17 Uhr“, schaut sich Appelbaum die Zahlen an. In der letzten Stunde zwischen 21 und 22 Uhr waren es dann nur noch 2951 Personen.

Daraus will die Werbegemeinschaft Konsequenzen ziehen. „Wir werden die Zahl der Late-Night-Shoppings in diesem Jahr zurückfahren“, kündigte Heiko Appelbaum am Montag an. Dafür, dass sich verkaufsoffene Sonntage lohnten, brauche es aber keine Frequenzmessung, das stehe eindeutig fest. Appelbaum verweist als Beispiel auf den verkaufsoffenen Sonntag am 27. Oktober mit 36.241 Passanten. An normalen Sonntagen bummeln erfahrungsgemäß im Schnitt nur 7000 Menschen über die Westernstraße.

Laserscanner in 52 Städten

Das Start-up-Unternehmen Hystreet gehört zur Fondsgesellschaft Aachener Grund, die Laserscanner sind in 52 Städten rund um die Uhr in Betrieb. Sie liefern Gesamtzahlen und Angaben für alle Stunden. Wer mehrfach am Tag über die Westernstraße läuft, wird auch mehrfach gezählt. Persönliche Merkmale wie Gesichter werden angeblich nicht erfasst, die Privatsphäre bleibt demnach gewahrt.

Der Citymanager und der Vorsitzende der Werbegemeinschaft, Uwe Seibel, schauten sich zuletzt die Zahlen für November und Dezember an. Dabei bemerkten die beiden generell, „dass sich der Weihnachtseinkauf mehr und mehr in den November verlagert und der Zeitraum länger wird“. Vor allem in der Mittagszeit strömten die Menschen in die City. Als „Superfreitag“ erwies sich der „Black Friday“, der am 19. November 36.704 potenzielle Kunden anlockte. Zum Vergleich: Einen Tag vorher hatte Hystreet in der Westernstraße nur 27.972 Personen registriert. In der Zeit vor dem beginnenden Weihnachtsgeschäft waren es noch deutlich weniger gewesen, zum Beispiel am 9. Oktober 24.239 Besucher.

Die Messungen von Hystreet seien bislang kostenlos, weniger aufwändig als eigene Besucherzähler aus Fleisch und Blut und belastbarer als die App smartmarket 2 , betont Appelbaum. Mit Hilfe der von Wissenschaftlern der Universität entwickelten App können Händler in Paderborn den Kunden besondere Angebote machen. Voraussetzung ist aber, dass die potenziellen Einkäufer die App auch nutzen und sich registrieren.

Appelbaum: „Wir möchten mehr davon.“

Zurück zu Hystreet: Heiko Appelbaum wünscht sich, dass die Frequenzmessung auf andere Bereiche Paderborns wie den Kamp ausgeweitet wird. „Wir möchten mehr davon“, sagt er klipp und klar. So ließe sich feststellen, von wo die Menschen in die City hineinströmen. Außerdem würden dann die Auswirkungen von Baustellen deutlich. Von Nutzen sind die Messungen aber nicht nur für die Werbegemeinschaft und die Händler, sondern auch für die Stadtplaner und Immobilienbesitzer. Appelbaum nennt ein Beispiel: „Wenn an einer Stelle jeden Tag Zehntausende Leute entlanggehen, ist das eine Toplage und ein Argument für den Vermieter.“

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