Kunstwerk in Minden kann angeblich „nicht ständig“ überwacht werden
Dauerbrenner „Keilstück“

Paderborn (WB). Der Streit zwischen dem Paderborner Bildhauer Wilfried Hagebölling und der Stadt Minden rund um das Kunstwerk „Keilstück“ schwelt weiter. Der Künstler will, „dass der ursprüngliche Zustand wiederhergestellt wird“, die Stadt sieht sich dazu aber nicht in der Lage.

Sonntag, 12.01.2020, 17:15 Uhr aktualisiert: 12.01.2020, 17:20 Uhr
Das wuchtige „Keilstück“ von Wilfried Hagebölling auf dem Martinikirchhof in Minden ist kein schöner Anblick mehr. Foto: Hans-Jürgen Amtage
Das wuchtige „Keilstück“ von Wilfried Hagebölling auf dem Martinikirchhof in Minden ist kein schöner Anblick mehr. Foto: Hans-Jürgen Amtage

Eine Grundreinigung durch ein auf Kunstwerke spezialisiertes Fachunternehmen „konnte und kann sich die Stadt Minden nicht leisten“, erklärte deren Sprecherin Katharina Heß auf WV-Anfrage. Seit 2017 sei die Skulptur fünfmal mit einem Hochdruckreiniger gesäubert worden, außerdem seien die Glas- und Papiercontainer aus dem Umfeld des „Keilstücks“ entfernt worden. Eine Säuberung per Hochdruckreiniger hält Hagebölling aber nicht für ausreichend. Eher komme schon das Sandstrahlverfahren infrage. Diese Methode ist aber deutlich teurer.

Die 18 Tonnen schwere und sechs Meter lange Stahlskulptur steht seit September 1987 auf dem Martinikirchhof, die Stadt Minden hatte sie für umgerechnet 27.600 Euro im Rahmen der Landeskulturtage „Kultur NRW vor Ort“ erworben. Das „Keilstück“ polarisierte von Anfang an, Initiativen setzten sich für seine Entfernung wie für seinen Verbleib ein. Schließlich zog Hagebölling, der in seiner Arbeit ein ortsbezogenes Werk sieht, gegen die Stadt vor Gericht. Mit Erfolg: Das OLG Hamm urteilte 2001, das „Keilstück“ habe am angestammten Platz zu bleiben.

Künstler verlangt Entfernung der Graffiti

Zuletzt beklagte der Bildhauer den schlechten Zustand seiner Skulptur. Sie werde „zugemüllt, beklebt, besprüht und bepisst“, schreibt er in einem Offenen Brief an die Stadt Minden. Angesichts des „respektlosen Umgangs mit der Skulptur“ fordert er von deren Verwaltung, die Skulptur zu reinigen, die Graffiti zu entfernen und das Areal von Müll zu befreien.

Die Anschaffung des „Keilstücks“ sei damals der „Versuch der Stadt gewesen, Minden aus dem Provinziellen herauszuholen“, sagte Hagebölling am Freitag dem WV. Am Freitag endete die Frist, die er der Stadt gesetzt hatte, um auf seine Forderungen zu reagieren. Bis zum Nachmittag habe sich bei ihm aber niemand gemeldet. „Die Stadt ist sauer, weil ich sie damals verklagt habe“, vermutet Hagebölling. Er will noch abwarten: „Klagen ist die allerletzte Möglichkeit.“

Stadt Minden bekennt sich zur Skuptur

Auf WV-Anfrage bekannte sich Minden zum „Keilstück“ als einem „seit über 32 Jahren festem Bestandteil des Martinikirchhofes“, betonte aber gleichzeitig, den Umgang mit Kunstwerken im öffentlichen Raum „nicht ständig“ überwachen zu können. Das „Keilstück“ treibe die Menschen um, weil es sich „nicht um eine wohlgefällige Skulptur handelt, sondern um eine, die aufgrund der Gestaltung und des Materials eher aneckt beziehungsweise rau wirkt“. Das sei auch gut so. Das Bekleben, Bemalen oder Beschmieren lehne die Stadt ausdrücklich ab.

Kommentare

Denis  schrieb: 12.01.2020 20:14
Da fragt man sich doch, ob sogenannte "Künster" nicht ein wenig weltfremd sind. Ich gehe mal davon aus, dass er beim verkauf wusste, wo das sogennannte "Kunstwerk" sthet. Wenn er sich dann ein wneig mit der Realität auseinander gesetzt hätte, wäre ihm schnell bewust gewesen, was passiert.
Wenn es ihm so nicht passt, soll er sich doch selber um die Renigung kümmern.

Die Stadt täte gut daran, es beim nächten Schrotthändler zu entsorgen (gibt bestimmt noch ein paar Euro dafür). Muß dann unbedingt ein Metallklotz da stehen, soll ein lokales Stahlbauunternehmen ein paar Eisenteile zusammen schweißen. Ich bin sicher, der ein oder andre Azubi schafft das. Das ist eulich günstiger und dort wird man sich auch wegen ein paar Graffitti nicht anstellen. Außerdem unterstützt es die lokale Wirtschaft.


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