Beim Neujahrsempfang der Grünen in Paderborn kommt es fast schon zur Liebesheirat
„Müsli gibt es heute in jedem Haushalt“

Paderborn (WB). Mit dem Slogan „Klima retten, Paderborn! Lasst uns aus Hoffnung Wirklichkeit machen“ wollen die Grünen in diesem Jahr die Kommunalwahlen gewinnen.

Sonntag, 12.01.2020, 16:45 Uhr aktualisiert: 12.01.2020, 17:10 Uhr
Großer Andrang: Die Grünen wählten erstmals die Aula der Katholischen Hochschule aus, um beim Neujahrsempfang alle Interessierten unterzubekommen. Foto: Jörn Hannemann
Großer Andrang: Die Grünen wählten erstmals die Aula der Katholischen Hochschule aus, um beim Neujahrsempfang alle Interessierten unterzubekommen. Foto: Jörn Hannemann

Grün zu sein bedeute, sich für einen Nationalpark Senne einzusetzen und sich Fremdenhass, dem Erstarken des Rechtspopulismus und „der Widerlichkeit der AfD“ entgegenzustellen, sagte die Kreisvorsitzende Norika Creuzmann beim Neujahrsempfang am Samstag. Zum grünen Selbstverständnis gehörten zudem die Verteidigung der Menschenrechte, auch für Flüchtlinge, und der Feminismus.

400 Mitglieder als Zielmarke für 2020

Der Empfang fand erstmals in der Aula der Katholischen Hochschule NRW statt. Der Grund: Die Zahl der Grünen im Kreis und der Stadt Paderborn wächst, zur Zeit sind es 326. „In diesem Jahr knacken wir die 400“, gab sich Creuzmann optimistisch. Im Jahr 2001 waren es nur 166 Mitglieder gewesen. Die wachsende Bedeutung der Grünen zeige sich auf vielerlei Art und Weise, sagte Creuzmann und brachte das Publikum mit dem Satz „Müsli gibt es heute in jedem Haushalt“ zum Lachen.

Übrigens gibt es die Grünen in Paderborn so wie die Grünen im Bund seit 40 Jahren. Nach einem Aufruf in der Zeitung trafen sich 26 Gründungsmitglieder am 7. Januar 1980 im evangelischen Gemeindezentrum am Laugrund. Dass die Grünen im schwarzen Paderborn längst nicht mehr als Exoten und „Müslifresser“ belächelt werden, zeigte die Gesprächsrunde mit CDU-Bürgermeister Michael Dreier und CDU-Landrat Manfred Müller, die fast schon zu einer Liebeserklärung geriet.

CDU auf Schmusekurs

„Wir arbeiten gut zusammen“, sagte Dreier und musste schmunzeln, als er das Rednerpult justierte. Die Zusammenarbeit mit den Grünen im Rat sei „sehr konstruktiv“ und wichtige Vorhaben wie das Klimaschutzkonzept und den Haushalt für 2020 hätten CDU und Grüne gemeinsam auf den Weg gebracht. Bei den eigenen Gebäuden will Paderborn wie berichtet bis 2035 klimaneutral sein. Dreier lobte, es habe noch keine Situation gegeben, in der Politiker von CDU und Grünen auseinandergegangen seien, „weil wir uns nicht mehr in die Augen gucken konnten“.

Dreier und die Landtagsabgeordnete der Grünen, Sigrid Beer, lobten die „Fridays for Future“-Bewegung. Mit den Vertretern in Paderborn werde er die Gespräche fortsetzen, sagte Dreier, und Beer mahnte, man könne die Parteien nicht einerseits auffordern, die „besorgten Bürger“ ernst zu nehmen und andererseits Millionen junge Menschen außen vor lassen. Es werde noch „viele Gretas geben“, ist die Politikerin davon überzeugt, dass die Jugend beim Thema Klimaschutz nicht lockerlassen wird.

Auch Landrat Manfred Müller betonte seine „hohe Affinität zu grünen Themen“, mahnte mehr Wertschätzung für die Umwelt an („Wir brauchen ein Preisschild an der Natur“) und überreichte Beer einen Korb mit 40 Äpfeln der heimischen Sorte „Seidenhemdchen“. Den Baum gab’s gratis dazu.

Kritik an Carsten Linnemann

Etwas Wasser in den Wein der Harmonie goss Sigrid Beer dann doch. Ausgerechnet der Paderborner Bundestagsabgeordnete Carsten Linnemann, der sich für den Mittelstand starkmache, schaue zu, wie 40.000 Jobs in der Windenergie gefährdet würden „und die Branche vor die Wand gefahren wird“, behauptete sie. Der Kreisvorsitzende Karsten Bökelbach widersprach der Behauptung, Deutschland habe gar nicht das Gewicht, um wirksam etwas gegen den Klimawandel zu tun: „Wir müssen mit den anderen Ländern an einem Strang ziehen, wir sind beim Umweltschutz hintendran.“ Künftig wollen die Grünen ihre Forderungen noch stärker durch wissenschaftliche Erkenntnisse untermauern. Die Verpflichtung von Franz Alt als Gastredner sollte dies signalisieren.

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