23-jähriger Paderborner muss fünf Jahre ins Gefängnis
Freund verprügelt: lange Haftstrafe

Paderborn (WB/upf). Seine Fäuste sitzen offenbar zu locker. Die beiden letzten Male, bei denen der 23-Jährige zugeschlagen hatte, haben ihn erneut vor Gericht gebracht. Und diesmal beließ es die Justiz nicht bei einem Schuss vor den Bug: Fünf Jahre Haft sind die bittere Quittung für den Azubi, der seiner Freundin die Nase gebrochen und seinen besten Freund über Stunden hinweg, an einen Stuhl gefesselt, malträtiert hatte.

Dienstag, 14.01.2020, 23:00 Uhr
Das Land- und Amtsgericht Paderborn. Foto: Jörn Hannemann
Das Land- und Amtsgericht Paderborn. Foto: Jörn Hannemann

Vier Verhandlungstage brauchte die 5. Große Jugendkammer, um den Vorfall aufzuklären und abzuurteilen, der ausgelöst worden war von einem beinahe ebenso schwer nachvollziehbaren, absichtlich herbeigeführten Unfall.

Wie berichtet, hatte der Angeklagte, unterstützt von seinem Bruder (25) und einem Freund (21), den 22-Jährigen im vergangenen Sommer in seiner Wohnung an einen Stuhl gefesselt und verprügelt. Dies als Rache dafür, dass der 22-Jährige bei der Polizei wahrheitsgetreu ausgesagt hatte: Der 23-Jährige hatte im Dezember davor ein Auto gerammt, in dem seine damalige Ex-Freundin saß, und ihr anschließend Fausthiebe und einen Kniestoß verpasst, der ihr das Nasenbein brach. Diese Aussage, aus Sicht von Richterin Nicole Klein für den 23-Jährigen „ein massiver Verrat seines besten Freundes“, zog dann den Racheakt nach sich.

Nur durch Zufall landet der Fall vor Gericht

Dass der zweite gewalttätige Übergriff überhaupt vor Gericht landete, ist nur einem Zufall geschuldet: Denn die jungen Männer wollten auch diesen Vorfall unter sich klären. Dummerweise wählte der Nachbar, zu dem sich das schwer verletzte Opfer gerettet hatte, unbeabsichtigt die Polizei- anstatt die Feuerwehr-Notrufnummer.

Die drei Prügler zogen kurz darauf die Notbremse: Sie stellten sich nach Konsultation ihrer Anwälte selbst bei der Polizei. Für die beiden Mittäter eine Strategie, die sich letztlich auszahlte: Sie bekamen jeweils eine 22-monatige Bewährungsstrafe wegen gefährlicher Körperverletzung und Diebstahls des Handys, das dem 22-Jährigen gehörte.

Sein Mandant, der Bruder des Haupttäters, habe sich „Rechte angemaßt, die den Beteiligten nicht zustehen“, fand Verteidiger Franz Zacharias eine unverfängliche Umschreibung für das, was die Jugendkammer auch als Selbstjustiz bezeichnete.

Anti-Aggressions-Training bleibt ohne Wirkung

Der 23-jährige Haupttäter hingegen bekam von Justizia eine volle Breitseite: Fünf Jahre Haft als Gesamtstrafe für gefährliche Körperverletzung, Freiheitsberaubung, gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr und versuchte Nötigung, weil er die Mutter des 22-Jährigen bedroht hatte, damit diese nicht zur Polizei gehe.

„Eine ganz rechtsfeindliche Einstellung“ bescheinigte die Richterin dem Hauptangeklagten: Er sei einschlägig vorbestraft, habe zur Tatzeit unter Bewährung gestanden, Warnschuss-Arrest und Anti-Aggressions-Training hätten keinerlei Wirkung gezeigt. Auch das Vorgehen – den 22-Jährigen in die Wohnung zu locken und Gegenstände bereit zu halten, um ihn zu verletzen – spreche von einem Tatplan und hoher krimineller Energie.

„Quarzsandhandschuhe fallen einem nicht einfach vor der Wohnungstür vor die Füße“, sagte Richterin Klein. Zudem sei der 22-Jährige volle acht Stunden lang gefesselt gewesen – und habe sich selbst befreien müssen, während der 23-Jährige im Nebenzimmer seinen Nachtschlaf gehalten habe.

 

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