Springbach Höfe: CDU kritisiert gestalterische Freiheit
Hier baut jeder, wie er will

Paderborn (WB). Mit einem Handbuch für Investoren und Bauherren will die Stadt Paderborn sicherstellen, dass die Nachnutzung der ehemaligen Alanbrooke-Kaserne nachhaltig ein Erfolg wird. Auch für das Baugebiet Springbach Höfe gibt es ein solches Handbuch. Doch offenbar scheinen sich nur wenige Häuslebauer daran zu halten. Das sorgt nun für Kritik.

Sonntag, 19.01.2020, 07:00 Uhr
Die Springbach Höfe aus der Luft: Die zum Teil noch im Bau befindlichen Häuser stehen mal giebel- und mal traufständig. Es gibt Sattel- und Flachdächer sowie Dächer mit einseitiger Neigung – und zwar in fast alle Himmelsrichtungen. Foto: Oliver Schwabe
Die Springbach Höfe aus der Luft: Die zum Teil noch im Bau befindlichen Häuser stehen mal giebel- und mal traufständig. Es gibt Sattel- und Flachdächer sowie Dächer mit einseitiger Neigung – und zwar in fast alle Himmelsrichtungen. Foto: Oliver Schwabe

In der Sitzung der Steuerungsgruppe Konversion hatte sich CDU-Fraktionschef Markus Mertens sehr deutlich zu den bisher errichteten Gebäuden in dem 21 Hektar großen Stadtquartier zwischen „Kaukenberg“ und „Goldgrund“ geäußert. Mertens: „Jeder Bauherr baut in der Regel nur einmal in seinem Leben. Daher braucht er auch etwas Freiheit bei der Umsetzung seiner Ideen. Doch das, was da an den Springbach Höfen entsteht, ist arg gewöhnungsbedürftig.“ Seiner Meinung nach werde die gestalterische Freiheit komplett ausgenutzt, weil das Gestaltungshandbuch für die Springbach Höfe in vielen Punkten nicht verbindlich sei. „Das ist suboptimal“, stellte er fest.

Andreas Preising, Leiter des Amtes für Liegenschaften und Wohnungswesen der Stadt Paderborn, bestätigte in der Sitzung, dass es für die Bauherren der Einfamilienhäuser sehr viele Gestaltungsfreiheiten gebe. Das sei aber gewollt. Anders sei es bei der so genannten „Grünen Mitte“, die ein Aushängeschild der Springbach Höfe werden soll. Hier werde Wert auf Qualität gelegt, und es werde auch darauf geachtet, dass Verstöße empfindlich geahndet würden, betonte Preising. Die Rede ist von Strafen deutlich jenseits der 10.000-Euro-Marke.

  Foto: Oliver Schwabe

Nach Aussage von Markus Mertens dürften sich die aktuellen Erfahrungen aus dem neuen Baugebiet nicht bei der Bebauung von Alanbrooke wiederholen. Die Vorgaben im Quartiershandbuch, die derzeit festgelegt werden, müssten verbindlich sein, forderte er bei einem Ortstermin an den Springbach Höfen. Vor Ort erläuterte der Unionschef seine Kritik dem WESTFÄLISCHEN VOLKSBLATT anhand einiger Beispiele.

Mal giebel- und mal traufständig, mal Sattel- und mal Flachdach

Die zum Teil im Bau befindlichen Häuser stehen mal giebel- und mal traufständig. Es gibt Sattel- und Flachdächer sowie Dächer mit einseitiger Neigung – und zwar in fast alle Himmelsrichtungen. Die Dachüberstände sind mal kurz, mal lang. Einige Häuser haben mehrere Gauben, andere einen Erker. Hier werde nach ganz persönlichem Gusto gebaut, meint Mertens. Unterm Strich entstehe ein „buntes Allerlei“.

„Natürlich muss man im Hinterkopf haben, dass die Familien, die hier ihr Eigenheim errichten, sich für die nächsten 30 bis 40 Jahre verschulden und die Häuser selbst bewohnen. Jeder hat da ja auch seine subjektive Wahrnehmung“, gibt Mertens zu bedenken. Folglich sollten die Bauherren in ihrem Gestaltungswillen nicht übermäßig eingeengt werden. Allerdings hätte man sich dann auch das aufwändig gestaltete Handbuch sparen können, meint der CDU-Chef. „Mit dem Handbuch ist eine gewisse Einheitlichkeit empfohlen worden. Eine Systematik ist aber nicht zu erkennen und auch kein gestalterischer Gesamtansatz“, bedauert Mertens.

Auch die Tatsache, dass es in den Springbach Höfen keinen Anschlusszwang an das Nahwärmenetz gebe, scheine sich nun zu rächen. Die meisten Häuslebauer setzten auf eine eigene Lösung, wie zum Beispiel Wärmepumpen. Die Gründe seien unklar. Die CDU werde sich daher dafür einsetzen, das in Arbeit befindliche Quartiershandbuch für die Alanbrooke-Kaserne verbindlich festzuschreiben. Eine Anfrage der WV-Redaktion an die Stadtverwaltung zu den Kritikpunkten blieb am Freitag unbeantwortet.

Kommentare

Edgar Meier  schrieb: 22.01.2020 00:01
Vielleicht möchte der Herr Mertens auch erklären, warum die runde Form seines Daches in Mitten der unterschiedlichsten Bauformen in der relativ jungen und noblen Siedlung „optimal“ ist?

Viel interessanter ist jedoch, was der Grund dafür ist, dass der Paderborner Rat, dessen Mitglied der Herr Mertens ist, es seit Jahren aktiv verhindert, dass junge Familien in Paderborn die Möglichkeit haben, ein Eigenheim zu erwerben und somit aus der Mietabhängigkeit zu kommen.
Aktuell spielen in der Paderborner Grundstückslotterie tausende von Familien um eine Hand voll Grundstücke, sodass man sich von den Mitarbeitern des Liegenschaftsamtes anhören muss, dass man trotz mehrerer Kinder und jahrelanger Wartezeit in der nächsten Dekade absehbar kein Glück haben wird, weil der Paderborner Rat schlicht kein Interesse daran hat, neue Baugebiete zu erschließen.

Traurig ist dabei auch, dass die Mitarbeiter des Liegenschaftsamtes selbst vergeblich auf der Suche nach einem Grundstück sind und es sich nur schwer vorstellen können, ihr Eigenheim auf den Springbach Höfen zu erbauen, weil die Planung dort der Platzierung von Sardinen in einer Büchse gleicht.

Das Paderborner Land ist nicht Berlin, Frankfurt, Hamburg oder München. Hier gibt es unzählige freie Flächen und durchaus auch Grundbesitzer, die bereit wären ihre Flächen abzutreten. Doch werden diese Flächen bewusst nicht als Bauland ausgewiesen und dabei mit künstlichen und vor allem fragwürdigen Regelungen wie einer sogenannten Inselbebauungen argumentiert.

Dabei verschenkt die Stadt bei der aktuellen Zinslage eine historische Chance, ihre Bewohner bei einer ohnehin erschreckend niedrigen Eigenheimquote aus der Mietabhängigkeit zu bringen und somit die breite Bevölkerung und damit auch die gesamte Region langfristig finanziell zu stärken.

Aber vielleicht hat der Herr Mertens dafür auch eine einfache und plausible Erklärung, die nichts mit dem Protektionismus eigener Interessen zu tun hat.
Bauer  schrieb: 19.01.2020 08:54
Bürokratischer Regulierungswahnsinn
Vielleicht möchte Herr Mertens mal erklären, warum das Bauen in dieser Form "suboptimal" ist. Bis jetzt erkennbar werden in diesem Baugebiet völlig normale Häuser mit völlig normalem Aussehen errichtet, daran ist nichts falsch. Ausser natürlich, man hält es für nötig, typisch deutschen Bürokratiewahn und Ordnungssucht höher zu bewerten als das Glück der Bürger in ihrer freien Lebensgestaltung. Dieser merkwürdige Drang, anderen Menschen erklären und vorschreiben zu müssen, was für einen Geschmack sie gefälligst haben müssen, ist sowas wie eine urdeutscche Seuche, die leider besonders in Bauvorschriften ihren Ausdruck findet. Hauptsache alle die richtigen Dächer, die richtigen Vorgärten, die richtigen Zäune, uniform, langweilig, spiessig... furchtbar, sowas...
2 Kommentare
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