So., 19.01.2020

Neujahrsempfang der Universität Paderborn: Präsidentin Riegraf sieht viel Potential für weitere Entwicklung „Innovationszentrum im Herzen Europas“

Uni-Präsidentin Prof. Dr. Birgitt Riegraf begrüßt die etwa 500 Gäste im Audimax der Universität. Im Hintergrund ist das Hochschul­orchester unter der Leitung von Steffen Schiel zu sehen, das den Neujahrsempfang musikalisch begleitet.

Uni-Präsidentin Prof. Dr. Birgitt Riegraf begrüßt die etwa 500 Gäste im Audimax der Universität. Im Hintergrund ist das Hochschul­orchester unter der Leitung von Steffen Schiel zu sehen, das den Neujahrsempfang musikalisch begleitet. Foto: Matthias Band

Von Matthias Band

Paderborn (WB). Die Universität Paderborn will sich noch stärker als bislang dem Wissens- und Technologietransfer widmen, die digitale Entwicklung unserer Gesellschaft kritisch begleiten und mit innovativen Technologien zu einer nachhaltigkeitsorientierten Transformation beitragen. Das kündigte Uni-Präsidentin Prof. Dr. Birgitt Riegraf am Sonntag vor ­etwa 500 Gästen beim Neujahrsempfang im Audimax an.

Gerade in unsicheren Zeiten brauche es Momente der Bestandsaufnahme ebenso wie der Vergewisserung, um nicht den „Boden unter den Füßen“ zu verlieren, sagte Riegraf. Digitale Transformationsprozesse beträfen alle Bereiche des gesellschaftlichen Seins. Zugleich zeichne sich eine Umwelt- und Ressourcenkrise ab, für deren Bewältigung dringend innovative und nachhaltige Strategien erforderlich seien. „Für alle diese Prozesse gilt es, Analysen und Lösungen zu erarbeiten. Die Universität Paderborn stellt sich dieser Herausforderung und der damit verbundenen gesellschaftlichen Verantwortung“, sagte Riegraf. Die Universität wolle „einen sichtbaren Beitrag zu den großen Herausforderungen unserer unsicheren Zeit leisten“.

Uni Paderborn hat 57,7 Millionen Euro an Drittmitteln eingeworben

Die Uni Paderborn sieht Riegraf sehr gut aufgestellt. „Der Laden läuft“, sagte sie. Die Summe der eingeworbenen Drittmittel wurde auf einen Höchststand von zuletzt 57,7 Millionen Euro gesteigert. Aktuell sind 20.293 Studenten an der Uni eingeschrieben. In NRW liege die Uni Paderborn bei der Zahl der Start-ups auf dem dritten Platz. Bundesweit nehme die Region OWL bei Neugründungen den zweiten Platz ein. „Wir haben in Paderborn nicht nur eine schmale Spitze, sondern eine breite Basis exzellenter Forschung und viel Potential für weitere Entwicklungen“, sagte Riegraf. Als Innovationszentrum im Herzen Europas sei die Uni ein zunehmend attraktiver, enorm produktiver und leistungsfähiger Wissenschaftsstandort. Allerdings stehe die Uni in einem harten Wettbewerb um die klügsten Köpfe, sowohl unter den Studenten als auch in der Wissenschaft. Riegraf: „Um in diesem Wettbewerb langfristig bestehen zu können, bedarf es erheblicher Anstrengungen in allen Bereichen, die wir aber – davon bin ich zutiefst überzeugt – mit viel Elan, gutem Willen, Teamgeist und Schaffensfreude gemeinsam bewältigen werden.“

Prof. Dr. Gerd ­Gigerenzer fordert mehr Risikokompetenz

Gastredner Prof. Dr. Gerd ­Gigerenzer, Direktor des Harding-Zentrums für Risikokompetenz am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin, diagnostizierte eine mangelnde Risikokompetenz in Deutschland. Er forderte, Schulen und Universitäten zu reformieren und dort mehr Risikokompetenz zu lehren. Unter anderem machte er das am Beispiel des Krebsscreenings deutlich. Lange hieß es, sagte Gigerenzer, dass eine Mammographie das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, um 20 Prozent senke. In absoluten Zahlen lag die Brustkrebssterblichkeit mit Screening aber bei 4 je 1000 Frauen, ohne bei 5 je 1000 Frauen – also nur einen Todesfall mehr. Es sei wichtig, dass die Menschen den Unterschied zwischen relativem und absolutem Anstieg verstünden. „Mit dem relativen Anstieg kann man Angst schüren“, sagte Gigerenzer. Die Interessen gegen Aufklärung seien stark – vor allem, wenn man damit viel Geld verdienen könne.

Gigerenzer: „Wir bewegen uns von einer Leistungs- hin zu einer Absicherungskultur.“ Das liege auch an mangelnder Fehlerkultur. „Wir brauchen wieder Mut, Risiken einzugehen. Ärzte raten nicht mehr, was das Beste ist, sondern, was sie selbst schützt.“

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