Empfang der Wirtschaftsjunioren: Sven L. Franzen spricht über Vier-Tage-Woche und Digitalisierung
„New Work ist mehr als Kickertisch und Obstkorb“

Paderborn (WB). Beim Neujahrsempfang der Wirtschafts­junioren und des Wirtschaftsclubs ging es am Sonntag um das Thema „New Work“ („Neue Arbeit“). Sven L. Franzen, Geschäftsführer einer Offenbacher Marketingagentur, berichtete unter dem Titel „Zukunft schon heute und warum es genial ist“ von seinen Erfahrungen mit diesem Konzept in der digitalisierten Arbeitswelt.

Sonntag, 02.02.2020, 20:00 Uhr aktualisiert: 03.02.2020, 08:50 Uhr
Wirtschaftsjunioren und Wirtschaftsclub begrüßen Sven L. Franzen (Dritter von rechts): Kevin Taron (von links), Thomas Sprehe, Julian Möller, Nadine Siekendiek und Matthias Dziewior. Foto: Matthias Band
Wirtschaftsjunioren und Wirtschaftsclub begrüßen Sven L. Franzen (Dritter von rechts): Kevin Taron (von links), Thomas Sprehe, Julian Möller, Nadine Siekendiek und Matthias Dziewior. Foto: Matthias Band

Bei seiner Begrüßung beleuchtete der neue Vorsitzende der Wirtschaftsjunioren aus den Kreisen Paderborn und Höxter, Kevin Taron, zunächst vor mehr als 100 Gästen aus Wirtschaft und Politik die Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft in den vergangenen zehn Jahren. „Vor zehn Jahren war ExxonMobil noch der wertvollste Konzern der Welt, heute sind es Unternehmen wie Alphabet oder Amazon“, sagte der 32-Jährige.

Die Wirtschaftsjunioren seien die Chance, den Wandel mitzugestalten. „Lasst uns gemeinsam für einen starken Wirtschaftsstandort OWL sorgen“, sagte Taron, der ein „System­update fürs Arbeitsrecht“ forderte. Das Arbeitsrecht atme den Geist der Industriegesellschaft. „Wir brauchen eine größere Offenheit gegenüber der Digitalisierung.“

Mit 15 erstes Unternehmen gegründet

Das Thema Arbeitszeiterfassung müsse zum Beispiel für kleine und mittlere Unternehmen handelbar bleiben, betonte Taron, der zudem Verbesserungen bei der internen und externen Kommunikation der Wirtschaftsjunioren ankündigte. „Wir wollen eine Stimme werden, die stärker wahrgenommen wird.“ Zudem soll der Auftritt im Internet verbessert werden.

Sven L. Franzen, der nach eigenen Angaben mit 15 sein erstes Unternehmen gründete, stellte zu Beginn seines Vortrages fest, dass New Work gar nicht so neu sei. „Aber wir haben jetzt die Technik und die Fähigkeiten, um darüber nachzudenken.“

New Work sei mehr als Kickertisch und Obstkorb. Während die Gesellschaft früher in Stände, soziale Klassen, soziale Schichten und in Milieus eingeteilt worden sei, lebten wir heute in einer multidimensionalen Gesellschaft. Individuelle Lebensstile hätten an Bedeutung gewonnen. Die Menschen fragten sich heute, was sie Sinnstiftendes tun könnten. Es gehe nicht mehr um die Trennung von Freizeit und Job, sondern um die Frage, warum und wofür man Lebenszeit investiere.

Vier-Tage-Woche bei vollem Gehalt

Franzen hat nach seinem Jura-Studium einen sogenannten Tur­ning Point gehabt. „Mir war klar: Ich möchte das nicht mehr“, sagte der 31-Jährige. Er wollte Freiheit spüren und habe dann seine Firma umstrukturiert. Es gebe nur wenige feste Mitarbeiter, dafür viele Freelancer. Die Agentur nutze einen Coworking-Space, der von mehreren Firmen genutzt wird. Die Arbeitszeiten seien sehr flexibel.

„Wir haben bei vollem Gehalt eine Vier-Tage-Woche, freitags ist frei, das macht das Arbeiten effektiver.“ Der freie Tag minimiere Studien zufolge das Burn-Out-Risiko um bis zu 60 Prozent. Die Firmendaten liegen zudem komplett in einer Daten-Cloud. „Wir können alle von überall aus arbeiten.“

Es gehe darum, das Menschliche bei der Arbeit in den Vordergrund zu stellen. New Work sei nicht nur ein Konzept, sondern eine Haltung. Franzen: „Ich muss mit dem Herzen sehen, ich muss die Menschen sehen.“ Und diese seien eben keine Maschinen, sondern aus Fleisch und Blut.

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