Kriminal- und Geheimdienstanalyst Mark Thorben Hofmann entlarvt Lügner
„Wo ich gestern Abend war?“

Paderborn (WB). Wer „Jetzt mal ehrlich“ sagt, ist es meist gar nicht. Beim Forum der Westfalen-Weser-Energie-Gruppe erläuterte der Kriminal- und Geheimdienstanalyst Mark Thorben Hofmann den 300 Zuhörern im Paderborner HNF, woran man Lügner erkennt.

Montag, 10.02.2020, 09:04 Uhr aktualisiert: 10.02.2020, 09:10 Uhr
Der Geschäftsführer von Westfalen Weser Energie, Stephan Nahrath (links), weiß dank des Vortrags von Mark Thorben Hofmann jetzt, woran man Lügner erkennt. Foto: Oliver Schwabe
Der Geschäftsführer von Westfalen Weser Energie, Stephan Nahrath (links), weiß dank des Vortrags von Mark Thorben Hofmann jetzt, woran man Lügner erkennt. Foto: Oliver Schwabe

Eine formelle Sprache wirkt verdächtig

Ein weiteres Indiz ist demnach, wenn jemand die ihm gestellte Frage wiederholt („Wo ich gestern Abend war?“), um Zeit für eine Antwort herauszuschinden. Auch eine sehr formelle Sprache wirke verdächtig, referierte Hofmann und verwies als Beispiel auf den ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton. Der beteuerte damals, er habe keine „sexual relations“ zu Monica Lewinski gehabt. Ein unpassender Gesichtsausdruck, häufigeres Blinzeln als normal und auffällig detailreiche Schilderungen („Um 21 Uhr war ich im Restaurant Silbertopf, der Kellner kennt mich“) und der Umstand, dass jemand plötzlich häufiger den Augenkontakt sucht als sonst, deuten ebenfalls darauf hin, dass eine Person nicht die Wahrheit sagt. Weil häufiges Blinzeln auch eine Charaktereigenschaft eines Menschen sein könne, müsse vor einem Verdacht immer erst der Normalzustand einer Person erforscht werden, betonte Hofmann.

Lügner gibt es in der Unter- und in der Geschäftswelt. Mark Thorben Hofmann berät Firmen genauso wie die Polizei. Meist wird er „Profiler“ genannt, er selbst spricht lieber von operativer Fallanalyse. Dafür braucht er Daten: zum Tatort, zum Opfer, dessen Lebensumständen und Beziehungen, zum möglichen Motiv des Täters.

Profiling ist Datenanalyse

Profiling habe nichts mit Magie oder Intuition zu tun, betont der Experte. Fernsehserien wie „Criminal Minds“ vermitteln ihm zufolge einen falschen Eindruck, was auch für den Hollywoodfilm „Das Schweigen der Lämmer“ gelte. „Serienmörder haben keinen Doktortitel“, sagte Hofmann mit Blick auf die Hauptfigur Dr. Hannibal Lecter. Serienmörder seien nicht deshalb so schwer zu finden, weil sie besonders intelligent wären, sondern „weil meist die Verbindung zwischen Täter und Opfer fehlt“. Hollywood habe die Intelligenz erfunden, um Filme spannender zu machen.

Psychopathen kennzeichnet, dass Gewissen und Empathie fehlen und das Gefühlsleben verkümmert ist. Solche Menschen, sagte Hofmann, tummelten sich deshalb in der Wirtschaft, weil sie dort Machtspielchen austragen könnten, ohne Gewalt anwenden zu müssen. US-Präsident Donald Trump hält Hofmann nicht für einen Psychopathen, sondern für einen Narzissten. Der habe sogar eine Krawatte mit seinem Gesicht getragen. Ihm und seinesgleichen kämen die sozialen Medien sehr gelegen: „Nicht jeder Mensch auf Instagram ist Narzisst, aber jeder Narzisst ist auf Instagram.“

Hofmann warnte davor, den Wunsch der Menschen nach Respekt und Ehrerbietung zu unterschätzen. Wichtiger als zusätzliches Geld sei den von einer Firmenübernahme Betroffenen, dass der Name des Unternehmens erhalten und das Porträt des Gründers an der Wand hängen bleibt.

Wirtschaftspsychologe Hofmann liest nicht nur Menschen, sondern auch Briefe – Drohbriefe zum Beispiel. „Ein Drohbrief ist ein Entwarnungssignal“, hat er beobachtet: „Wer droht, tut es nicht – wer es tut, droht nicht.“

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