Mo., 10.02.2020

Trotz Sturms hob eine Maschine von Paderborn-Lippstadt nach Hurghada ab Und sie flog doch

Die A321 der türkischen Fluggesellschaft Onur-Air aus Hurghada in Paderborn.

Die A321 der türkischen Fluggesellschaft Onur-Air aus Hurghada in Paderborn. Foto: Oliver Schwabe

Von Dietmar Kemper

Paderborn (WB). Vertretbar oder leichtsinnig? Die Maschine hob tatsächlich ab. Obwohl die Windböen auf dem Flughafen Paderborn-Lippstadt am Sonntagabend gegen 18 Uhr immer mehr zunahmen, rollte der A321 der türkischen Fluggesellschaft Onur-Air um 18.43 Uhr in seine Startposition. Für die Passagiere mit Ziel Hurghada in Ägypten endete damit eine Zitterpartie.

Es war die einzige Maschine, die seit dem Nachmittag die Starterlaubnis bekommen hatte. Der fast zeitgleich angesetzte Flug einer Eurowings-Maschine nach Palma wurde genauso gestrichen wie die Lufthansa-Verbindung um 20.20 Uhr nach München. Vom Flugstopp nach Mallorca waren allein 150 Passagiere betroffen.

Sie blieben bis zum Schluss gelassen (von links): Ingo Hane, Wolfgang Kriehn, Maria Hane und Petra Kriehn. Foto: Oliver Schwabe

„Wir gucken seit Samstag Abend alle zehn Minuten aufs Handy“, sagte Kathrin Reinsch aus Greifswald, die mit einer zwölfköpfigen Gruppe aus Ostdeutschland nach Ahden gefahren war, um vom OWL-Flughafen nach Ägypten zu fliegen. Zwischenzeitlich sank die Hoffnung, aber am Ende hatte die Gruppe Glück – genauso wie Ingo und Maria Hane sowie Wolfgang und Petra Kriehn aus Arnsberg. „Die Koffer sind schon alle weg“, sagte Schalke-Fan Wolfgang Kriehn. Tatsächlich durften die Fluggäste mit Ziel Hurghada am Nachmittag einchecken.

Fünfstündiger Flug ruhig verlaufen

Danach warteten sie auf die Landung des Flugzeugs aus Hurghada, das sie dann dorthin bringen sollte. Doch lange war wegen des Sturms ungewiss, ob ihr Flug tatsächlich abheben würde. „Ich hab gesagt, ich steige da nicht ein“, erzählte Maria Hane. Aber am Ende entschied sie sich doch anders. Auch die Mitarbeiter an der Information konnten über Stunden nicht mit Bestimmtheit sagen, ob diese eine Maschine abheben würde.

Als die A321 aus Hurghada in Paderborn eintraf, erzählte die Passagierin Irina Naschilewski aus dem hessischen Witzenhausen, es habe „tosenden Applaus für den Kapitän“ gegeben. Sie habe um ihren herzkranken Mann etwas Angst gehabt, aber es sei alles gutgegangen, sagte sie. „Ein bisschen hat es schon geschaukelt.“

Irina Naschilewski kam wohlbehalten zurück. Foto: Oliver Schwabe

Die Maschine sei pünktlich um 13 Uhr in Hur­ghada losgeflogen und die Stewardessen hätten die Passagiere dann ausdrücklich darauf hingewiesen, dass das Handgepäck fest verschlossen werden müsse. Wohlbehalten kam das Ehepaar nach 14 Tagen Urlaub in Paderborn an und wurde von seiner Tochter abgeholt. Beschädigt war nicht die Gesundheit, sondern lediglich der Koffer, aber das war nicht die Schuld des Sturmtiefs „Sabine“. Mit an Bord war auch Werner Stibbe aus Bad Arolsen. Der fünfstündige Flug sei ruhig verlaufen, „nur die letzten zehn Minuten waren etwas wacklig“.

Mehrere Flüge fallen am Montag aus

Für die Passagiere, die am Abend nach Hurghada fliegen wollten, begann unterdessen das Boarding. Und um 18 Uhr stiegen die ersten Passagiere in den Airbus ein, der bis zu 200 Menschen Platz bietet. Vier Busse brachten die Fluggäste zur Gangway. Die wurde aber zunächst nicht entfernt, an Bord fanden offenbar intensive Gespräche mit der Crew statt. Näheres war nicht zu erfahren, ein Vertreter des Flughafens für Nachfragen nicht erreichbar. Um 18.38 Uhr wurde die Gangway vom Flugzeug getrennt, und die Maschine rollte in Position. „Hoffentlich geht das gut“, sagte ein Mann, dessen Eltern im Flugzeug saßen.

Die vierköpfige Frauengruppe aus Polen kam aus Hurghada und strandete am Paderborner Bahnhof. Foto: Ingo Schmitz

Unterdessen strandete am Paderborner Bahnhof eine Gruppe von vier polnischen Frauen. Sie waren mit der Maschine aus Hurghada auf dem OWL-Airport gelandet und wollten mit der S-Bahn weiter nach Hannover und von dort zurück in ihr Heimatland. Der Bahnhof wurde zur Endstation, weil der Zugverkehr wegen des Sturms eingestellt wurde.

Am Montag werden auf dem Flughafen mehrere Starts ausfallen. Die Verbindungen nach München um 6 und um 13.40 Uhr sowie die nach Frankfurt um 11.20 Uhr seien gestrichen, war auf der Anzeigetafel zu lesen.

Video: Sturm „Sabine“ über Ostwestfalen-Lippe

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