Fr., 14.02.2020

Kokubu-Chef Chiaki Toyama vor seinem ersten Gastspiel in Paderborn im Interview „Nur ein gutes Herz erzeugt gute Töne“

Rühren im wahrsten Sinne des Wortes die Werbetrommel für ihre Tournee: Chiaki Toyama (rechts) ist Leiter der japanischen Gruppe Kokubu, die am 10. März in der Paderhalle auftritt und in der auch Keigi Iba (20, links) mitwirkt.

Rühren im wahrsten Sinne des Wortes die Werbetrommel für ihre Tournee: Chiaki Toyama (rechts) ist Leiter der japanischen Gruppe Kokubu, die am 10. März in der Paderhalle auftritt und in der auch Keigi Iba (20, links) mitwirkt. Foto: Jörn Hannemann

Paderborn (WB). Chiaki Toyama ist um die halbe Welt gereist, um dem WESTFÄLISCHEN VOLKSBLATT in einem Interview Rede und Antwort zu stehen. Der Japaner ist Chef und künstlerischer Leiter der Trommler-Gruppe Kokubu aus Oasaka, die am 10. März mit ihrer neuen Show („Into the Light“) in der Paderhalle gastiert. Mit Per Lütje sprach der 56-Jährige über die Magie des Rhythmus’, über deutsches Essen und warum die Discogruppe Village People fester Bestandteil vor jedem Auftritt ist. Es dolmetschte Uwe Bär.

 

Herr Toyama, auf was dürfen sich die Zuschauer beim Auftritt von Kokubu freuen?

Chiaki Toyama: In Japan sind die Taiko-Trommeln sehr bekannt und sollen sogar eine wohltuende Wirkung haben, da sie bei den Zuhörern eine Art Hochgefühl auslösen können. Deswegen kommen viele Zuschauer auch immer wieder zu unseren Auftritten. Oft bekommen wir vom Publikum auch das Feedback, dass sie während des Konzerts in eine andere Welt eingetaucht sind und diese Erfahrung so noch nicht gemacht haben. Aber auch optisch ist die Show mit ihren vielen Lichteffekten sehr anspruchsvoll.

 

Ich stelle mir das Zusammenspiel eines so großen Ensembles ohne Dirigenten schwierig vor. Wie schaffen Sie es, dass alle Trommler synchron spielen und im Takt bleiben?

Chiaki Toyama: Dazu bedarf es sehr viel Übung. Da bin ich als künstlerischer Leiter gefordert, der sehr viel fordert, aber auch lobt – Zuckerbrot und Peitsche eben. Das Schwierigste ist eigentlich, sich den ganzen Konzertablauf eines Abends mit seinen vielen Taktwechseln zu merken.

 

Welche Eigenschaften müssen Ihre Musiker haben, damit sie bei Kokubu mitspielen können?

Chiaki Toyama: Es braucht eigentlich keine besonderen Voraussetzungen, vielmehr ist jahrelanges Training erforderlich. Es braucht auch von meiner Seite viel Geduld, um die Entwicklung des Spielers zu begleiten. Es ist jedenfalls nicht so, dass ich ein besonderes Talent innerhalb einer kurze Zeit feststellen könne, es muss vielmehr im Laufe der Zeit erweckt werden. Das ist ein Prozess von vielen Jahren.

 

Ihre Spieler sind teilweise sehr jung. In welchem Alter müssen sie mit dem Trommelspiel beginnen, um eine derartige Perfektion zu erreichen?

Chiaki Toyama: Der älteste Mitspieler im Ensemble ist 28 Jahre, die jüngsten erst 15 Jahre alt. Um dieses Niveau zu erreichen, beginnen die Kinder zum Teil bereits im Alter von fünf Jahren an.

 

Ich könnte mir vorstellen, dass das Spiel auf den großen Trommeln auch eine gewisse Kondition voraussetzt. Verbringen Ihre Spieler auch viel Zeit im Fitnessstudio?

Chiaki Toyama: Die Spieler üben jeden Tag drei, vier Stunden an den Instrumenten und verbringen zudem viel Zeit im Kraftraum oder joggen. Es ist aber nicht nur die körperliche Anstrengung, sondern auch extrem fordernd für den Geist. Auch spielt Spiritualität ein große Rolle: Nur ein gutes Herz ist in der Lage, gute Töne zu erzeugen.

 

Sie selbst beherrschen meisterhaft das Spiel auf der Bambusflöte. Wie sind Sie selbst zur Musik gekommen?

Chiaki Toyama: Ich habe im Alter von sechs, sieben Jahren mit dem Taiko-Spiel begonnen. Diese haben ihren Ursprung in der Shinto-Religion und werden zum Beispiel bei Prozessionen eingesetzt. Diese wurden angeführt von einem Trommler, der wie auf einer Galeere das Tempo vorgibt. Im Verlauf sind aus vielen dieser Prozessionen heraus Taiko-Gruppen entstanden. So habe auch ich vor 21 Jahren Kokubu gegründet. Zwar spiele ich jetzt während der Auftritte auf einer großen Bambusflöte, aber ab und zu stehe ich auch noch an der Trommel.

 

Schreiben Sie Ihre Stücke selbst?

Chiaki Toyama: Ja, alle Stücke sind von mir.

 

Sie gehen im Februar auf Deutschland-Tournee und sind somit weit weg von zu Hause. Kommt da kein Heimweh auf?

Chiaki Toyama: Nein, das habe ich eigentlich nicht. Aber das japanische Essen vermisse ich schon. Sobald wir wieder in Japan gelandet sind, geht es als erstes in einen Nudelsuppenladen.

 

Ich habe gelesen, dass die Gruppe einen eigenen Koch dabei hat. Stimmt das?

Chiaki Toyama: Eine Spielerin ist bei uns auch für die Verpflegung zuständig. Wir haben in Japan unser eigenes Reisfeld. Den Reis, den wir dort ernten, nehmen wir mit auf unseren Tourneen.

 

Haben Sie schon einmal deutsches Essen probiert? Und schmeckt Ihnen etwas davon?

Chiaki Toyama: In Deutschland wird ja sehr viel Schweinefleisch gegessen. Probleme habe ich mit frittierten Speisen, wie zum Beispiel Schnitzel. Aber ich habe schon Eisbein probiert, und das hat mir sehr gut geschmeckt. Generell ist das deutsche Essen für uns Japaner sehr schwer. Wenn wir das jeden Tag essen würden, würde unsere Performance runtergehen. Essen spielt eine wichtige Rolle, und deswegen nehmen wir halt auch unseren eigenen Reis mit.

 

Kartenvorverkauf

Tickets für die Show von Kokubu am Dienstag, 10. März, in der Paderhalle (20 Uhr) sind unter anderem auch in den Geschäftsstellen des WESTFÄLISCHEN VOLKSBLATTES erhältlich. Tickets kosten zwischen 35,90 und 54,90 Euro. Ein eindrucksvoller Trailer ist auf Youtube zu finden („Kokubu The Drums of Japan Trailer 2020“).

Zurück zur Musik: Ihr melodiöses Flötenspiel steht im Kontrast zu dem rhythmischen und kraftvollen, fast schon ekstatischen Trommelklängen. Ist es gerade dieser Gegensatz, der das Publikum schon während Ihrer ersten Deutschland-Tournee im vergangenen Jahr begeistert hat?

Chiaki Toyama: Die klangliche Gewalt der Trommeln ist in der Tat schon sehr groß, und da ist es die besondere Herausforderung, mit der Flöte dagegen zu halten. Dabei geht es aber nicht nur darum, dies mit Lautstärke zu tun, sondern ebenso mit Herz und Seele, um einen guten Klang zu erzeugen. Dazu braucht es sehr viel Konzentration.

 

Was bedeutet eigentlich Kokubu?

Chiaki Toyama: Ko steht für die Trommel. Bu heißt der japanische Tanz. In Japan gibt es den Begriff Kobu, und der bedeutet, die Menschen glücklich zu trommeln beziehungsweise glücklich zu machen.

 

Gibt es ein festes Ritual vor jedem Auftritt?

Chiaki Toyama: Ja, das gibt es. Wir kommen unmittelbar vor dem Auftritt zusammen und hören YMCA von den Village People und feuern uns damit gegenseitig an. Darauf hat uns unser Busfahrer Axel gebracht.

 

Ist es eigentlich ein Unterschied, ob Sie in Deutschland oder in Japan auftreten? Reagiert das Publikum anders?

Chiaki Toyama: Das deutsche Publikum ist am Anfang oft erst einmal abwartend und skeptisch, was denn da auf der Bühne passiert. Doch spätestens nach dem ersten Stück ist das Eis gebrochen. Dann kommen die Zuhörer aus sich heraus und feuern uns an. Das gibt uns sehr viel Energie. In Japan sind die Menschen bei den Konzerten verhaltener.

 

Worauf freuen Sie sich besonders, wenn Sie im Februar wieder auf Tournee gehen?

Chiaki Toyama: Wir treten in 40 Städten auf und freuen uns darauf, die Menschen mit unserer Musik glücklich zu machen.

 

Hier geht’s zum Video-Trailer der Show: https://www.youtube.com/watch?v=oCjRuwlse58

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