Fr., 21.02.2020

Was Kayar Yanar ausrasten lässt – Auftritt in Paderborn mit Wachschutz Quatsch auf höherem Niveau

Kayar Yanar erzählt von Situationen, die ihn aufregen. Vom Publikum erfährt er, dass die vielen Ampeln der Stadt und die Autofahrer aus Höxter die Paderborner nerven.

Kayar Yanar erzählt von Situationen, die ihn aufregen. Vom Publikum erfährt er, dass die vielen Ampeln der Stadt und die Autofahrer aus Höxter die Paderborner nerven. Foto: Dietmar Kemper

Von Dietmar Kemper

Paderborn (WB). Wenn jemand auf der Beschleunigungsspur der Autobahn nicht beschleunigt, dann könnte Kayar Yanar ausrasten. Aber es gibt noch mehr Anlässe, bei denen sein Blutdruck steigt.

Dazu gehören Parfümwolken, Ikea („Da läufst du einmal rein und kommst nie wieder raus“), riesige Popcorneimer („Da werde ich im Kino zum Meckeropa“), hunderte Apps auf dem Handy („das Leben ist komplett verappt“), mäkelige Katzen („meine beiden entwickeln sich zu französischen Restauranttestern“) und blockierte Parkplätze („Wenn einer zwei Parkplätze braucht, kann ich nicht Buddha sein“).

Klischees sorgen verlässlich für Lacher

Mit seinem Programm „Ausrasten für Anfänger“ trat der 46-Jährige am Donnerstagabend in der fast vollen Paderhalle auf und spielte wieder mit den Klischees verschiedener ethnischer Gruppen wie Türken, Deutsche, Schweizer, Chinesen und Russen und imitierte dabei deren Sprachen. Dieses Konzept hatte ihn 2001 bundesweit bekannt gemacht, angetrieben durch die populäre Sat1-Comedyshow „Was guckst du?!“.

Der Erfolg hält auch fast 20 Jahre später noch an. Das Publikum, von sehr jung bis fast alt, rastet zwar nicht aus, vergnügt sich aber köstlich, wenn Kayar Yanar die lückenhaften deutschen Sätze seines Vaters zitiert, die er als Sohn vervollständigen musste, um sie zu verstehen. Da habe er nur die Wahl gehabt, entweder in die Klapse zu kommen oder Komiker zu werden.

Kayar Yanar traf die richtige Entscheidung und wurde einer der besten Stand-up-Comedians im deutschsprachigen Raum. „Ich möchte euch so viele Gags um die Ohren hauen wie möglich“, kündigte der Schnellsprecher in Paderborn an und hielt Wort. „Sie rastet nicht aus, sie rastet ein“, beschrieb er zum Beispiel die gemächliche Art seiner Schweizer Frau, mit der Yanar in Zürich lebt.

Wenig Verständnis hat er für deren Angewohnheit, sich im Badezimmer zu verbarrikadieren: „Drei Stunden im Bad! Ich dachte, die renoviert.“ Zum Höhepunkt des Programms geriet die Reisewarnung vor Australien und den tödlich-giftigen Steinfischen, die sich als Steine verkleiden würden: „Australien ist so groß wie Europa, hat aber nur 25 Millionen Einwohner. Der Rest ist auf Steinfische getreten.“

Die Politik spart Kayar Yanar aus

Obwohl in den gar nicht so sozialen Medien Ausraster gegen Andersdenkende und Ausländer millionenfach nachzulesen sind, spart Kayar Yanar die Politik aus. Der Mann mit den türkischen Wurzeln scheint sich selbst bei seinen Auftritten nicht hundertprozentig sicher zu fühlen. Unüblich für die Paderhalle kontrollierten Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes die Eintrittskarten und beobachteten während des Auftritts das Publikum im Saal. Mit dem schrecklichen Anschlag in Hanau hatte das aber nichts zu tun, Kayar Yanar setzt generell bei seiner Tour auf Wachschutz.

Nötig war der nicht. Kayar Yanars Witze sind nicht gesellschaftlich brisant, sondern Quatsch auf höherem Niveau. Er engagiert sich zwar gegen Rassismus, greift aber niemanden persönlich an. Bis auf Heidi Klum. „Ich hasse Next Germany’s Essstörung“, sagt er. Klums Show ist etwas, das ihn neben der Beschleunigungsspur ausrasten lässt.

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