Fr., 21.02.2020

250 Menschen nehmen an Mahnwache vor Herz-Jesu-Kirche teil – mit Video und Fotostrecke Paderborner gedenken der Opfer von Hanau

250 Menschen sind am Freitagabend zu der Mahnwache vor der Paderborner Herz-Jesu-Kirche zum Gedenken an die Opfer des Anschlags in Hanau gekommen.

250 Menschen sind am Freitagabend zu der Mahnwache vor der Paderborner Herz-Jesu-Kirche zum Gedenken an die Opfer des Anschlags in Hanau gekommen. Foto: Jörn Hannemann

Paderborn (WB/mba). Nach dem mutmaßlich rassistischen Anschlag in Hanau haben am Freitag in Paderborn etwa 250 Menschen vor der Herz-Jesu-Kirche der Opfer gedacht. Die vom Paderborner Bündnis gegen Rechts organisierte Mahnwache sollte ein Zeichen gegen „Hass, Hetze und Terror sowie gegen die neuerliche unfassbare Eskalation des Bösen“ setzen, teilten die Veranstalter mit.

Der Anschlag in Hanau sei wie die anderen Anschläge in Halle und weiteren Städten ein Angriff auf eine offene, tolerante und friedfertige Gesellschaft, auf die demokratische Grundordnung – letztlich ein Angriff auf uns alle. Giano Weiß, der als einer von vier Rednern für die Sinti und Roma sprach, verwies darauf, dass es Gruppen und Parteien gebe, die die Gesellschaft nach rechts rücken wollten. „Es liegt an uns, solchen Menschen keinen Platz zu bieten“, sagte Weiß. Eine Partei wolle eine Erinnerungswende um 180 Grad. Das dürfe nicht zugelassen werden.

Raphael Müller als Vertreter der Seebrücke wies ebenfalls auf die Gefahr von Rechts hin, die häufig unterschätzt werde. Er verurteilte „die Hetze von der AfD, insbesondere von der Paderborner AfD“. Müller: „Wir müssen ihnen den Platz zum Wuchern nehmen.“ Verani Kartum vom SC Aleviten sagte: „Es sind viele Menschen ermordet worden, die dieses Land aufgebaut haben.“ Jetzt gelte es, aufzuwachen. „Wer schweigt, macht sich mit zum Täter. Jeder, der in Paderborn Verantwortung trägt, sollte hier sein.“ Die Gesellschaft müsse zeigen, dass es eine „rote Linie“ gebe. Kartum forderte zudem dazu auf, auch während der anstehenden Karnevalsveranstaltungen an die Opfer zu denken.

Rechtextremismus dürfe nicht mit Linksextremismus gleichsetzt werden

Die Arbeitsgemeinschaft Migration und Vielfalt im SPD-Kreisverband äußerte sich im Vorfeld in einer Mitteilung: „Der Anschlag von Hanau, der vermutlich einen rechtsterroristischen Hintergrund hat, zeigt, wie groß die Gefahr von Rechts ist. (...) Wir verurteilen diese feige und schreckliche Tat aufs Schärfste und fordern eine bedingungslose Aufklärung der Hintergründe”, schreibt die Vorsitzende Julia Lakirdakis-Stefanou. Wer jetzt immer noch Rechts- mit Linksextremismus gleichsetze, dem sei nicht zu helfen.

Die Stadtverbandsvorsitzenden der Grünen, Landtagsabgeordnete Sigrid Beer und Markus Rieger, sowie der Grünen-Bürgermeisterkandidat Klaus Schröder erklärten: „Dieses furchtbare Verbrechen ist ein Anschlag auf uns alle. Der Rechtsterrorismus hinterlässt seine Blutspur – vom Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Lübcke, dem Anschlag von Halle und jetzt wohl Hanau. Unsere tiefe Trauer und Mitgefühl sind bei den Angehörigen der Opfer der Terrortat.” Die demokratische Gesellschaft sei tief verwundet. „Wir lassen unsere Mitbürger und Mitbürgerinnen nicht auf rassistische Kennzeichnungen reduzieren. Wer sie angreift, greift uns an. Juden, Muslime, Christen, Atheisten, wir alle sind Paderborn. Wir gehören zusammen. Niemand soll Angst haben müssen, hier zu leben. Wir sind überall, auch in Paderborn, aufgefordert, aufeinander aufzupassen, wachsam zu sein, um Gefahren abzuwehren, potenzielle Täter frühzeitig zu erkennen.“

Integrationsrat fordert Entschlossenheit vom Staat

Der Paderborner Integrationsrat forderte dazu auf, entschieden gegen Rassismus und Rechtsextremismus vorzugehen. „Es braucht eine Entschlossenheit von Staat und uns als Gesellschaft im Kampf gegen jegliche rassistische und rechtsextremistische Tendenzen. Es braucht ausdrücklich Zeichen des Zusammenstehens von allen demokratischen Kräften gegen alle Formen der Menschenverachtung. Das friedliche Zusammenleben in unserer vielfältigen Gesellschaft ist mit allen legalen Mitteln des Staates zu schützen“, schreibt der Vorsitzende Recep Alpan.

Landrat Manfred Müller (CDU) schreibt auf Facebook: „Wir sind erschüttert und tief betroffen. Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen, die unendliches Leid ertragen müssen. Niemals dürfen wir dulden, dass Menschen wegen ihrer Herkunft, ihrer Hautfarbe, Nation oder Kultur verfolgt werden oder Leid angetan wird. Wir müssen zusammenstehen gegen Rassismus, gegen Gewalt, Extremismus und Menschenverachtung. Jeder kann sich darauf verlassen, dass unsere Polizei konsequent für den Rechtsstaat eintritt.“ Der CDU-Landtagsabgeordnete Bernhard Hoppe-Biermeyer erklärte: „Wehret den Anfängen war vorgestern, wehret der Normalität war gestern, spätestens heute muss jedem klar sein, dass alle Anstrengungen im Kampf gegen den Rechtsextremismus noch nicht ausgereicht haben. Die bösartige und hasserfüllte Rhetorik von rechts hat die Sprache immer brutaler gemacht. Dem rechten Hass folgt nun in immer kürzeren Abständen rechte Gewalt.“

AfD-Kreisverband sieht sich als Opfer einer „Verleumdungskampagne“

Der AfD-Kreisverband Paderborn sieht sich unterdessen als Opfer einer „Verleumdungskampagne biblischen Ausmaßes“, wie es in einer Mitteilung heißt. Es werde krampfhaft versucht, eine Mitverantwortung der AfD für den Anschlag in Hanau zu konstruieren. Alle politischen Ziele und Programme der AfD seien aber auf den Grundprinzipien der Koexistenz aufgebaut.

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