Di., 25.02.2020

Hochschulstandorte stehen noch nicht fest – Kooperation mit Klinikum Hebammenschule vor dem Aus?

Die Hebammenschule an der Husener Straße in Paderborn (rechts) ist die zweitgrößte in NRW.

Die Hebammenschule an der Husener Straße in Paderborn (rechts) ist die zweitgrößte in NRW. Foto: Oliver Schwabe

Von Matthias Band

Paderborn (WB). In Deutschland zeichnet sich ein Hebammenmangel ab. Der Hebammenverband  sieht aufgrund von Kreißsaal-Schließungen eine flächendeckende Versorgung von schwangeren und gebärenden Frauen nicht mehr gewährleistet.   Nun soll die  Ausbildung akademisiert werden. Die Paderborner Hebammenschule ist in Sorge, dass die Einrichtung an der Husener Straße geschlossen werden könnte. Denn die Standorte der Hochschulen, an denen die Hebammen studieren sollen, stehen immer noch nicht fest.

„Wir warten seit über einem Jahr darauf, dass die Hochschulstandorte festgelegt werden, damit wir mögliche Kooperationen mit Hochschulen angehen können“, sagt Andreas Riekötter, Leiter des St.-Vincenz-Campus für Gesundheitsberufe in Paderborn, unter dessen Dach die Hebammenschule steht. Zwar haben nach Angaben des NRW-Gesundheitsministeriums außer der Hochschule für Gesundheit Bochum, die bereits im Rahmen eines Modellvorhabens einen Hebammenstudiengang anbietet, mehrere Hochschulen ihr Interesse bekundet.  Die  Hochschulen entscheiden allerdings selbst im Rahmen ihrer Hochschulautonomie über die Einrichtung eines Studiengangs.  Dass NRW-Gesundheitsministerium betont, dass es sich  für  eine flächen­deckende und regional ausgewogene Versorgung  einsetzen wolle.

„Unklarheit verunsichert künftige Hebammenschüler“

Die Hebammenschulen kritisieren jedoch, dass die Unklarheit künftige Hebammenschüler verunsichere. Für  Ostwestfalen-Lippe sei es wichtig, dass hier weiterhin Hebammen und Geburtshelfer ausgebildet werden, sagt Riekötter. „Wir sehen das ja auch beim Thema Ärztemangel. Nur wenn in der Region  ausgebildet wird, bleiben ausreichend Kräfte hier“, sagt er. „Wir müssen also junge Menschen hierher holen, um sie von unserer Region zu überzeugen und einen Klebeeffekt zu erzielen.“ In Paderborn werden aktuell pro Jahr 25 Hebammenschüler aufgenommen.

Hinzu kommen in Ostwestfalen noch die Schüler aus Minden. „Deshalb ist der Mangel an Hebammen in OWL auch noch nicht ganz so groß wie anderswo. Aber wenn diese Ausbildung hier wegfällt, muss es Ersatz geben“, sagt Riekötter. Daher strebt die Schule eine Kooperation mit der Katholischen Hochschule NRW an. Da die FH Bielefeld ebenfalls Interesse am Studiengang habe, könnte es eine Zusammenarbeit beider Hochschulen geben, sagt Riekötter.

Bis 2024 gilt eine Übergangsfrist

2021 beginnt in Paderborn die letzte Hebammenausbildung nach altem Muster. Bis 2024 gilt eine Übergangsfrist. Die Paderborner Hebammenschule will jetzt ver­suchen, eine sogenannte verantwortliche Praxiseinrichtung zu werden, um so die Praxiseinsätze der Studierenden in mehreren Kliniken zu koordinieren. Mit dem Klinikum Lippe in Detmold  hat die St.-Vincenz-Krankenhaus GmbH bereits einen Kooperationsvertrag zur Ausbildung von Hebammen geschlossen.

Schüler der Hebammenschule werden ihre Praxiseinsätze ab sofort auch im Klinikum Lippe absolvieren. „Bislang können wir die Praxiseinsätze unserer Schülerinnen in unseren Betriebsstätten in der Frauen- und Kinderklinik St. Louise Paderborn und im St.-Josefs-Krankenhaus Salzkotten flexibel über das ganze Jahr verteilen. Das wird nach der Akademisierung nicht mehr möglich sein“, erklärt Riekötter. Denn im Studium würden alle Studenten gleichzeitig in die Praxisphase gehen. „Daher ist die Kooperation mit dem Klinikum in Lippe ein idealer Schritt, den neuen Rahmenbedingungen zu begegnen“, sagt Riekötter. Alle angehenden Hebammen gleichzeitig in den Kreißsälen in Paderborn und Salzkotten einzusetzen, sei aus Kapazitätsgründen nicht möglich. Zudem biete der Einsatz in einem anderen Krankenhaus den Schülerinnen eine Möglichkeit, den Horizont zu erweitern.

Grundsätzlich befürwortet Riekötter die Akademisierung des Berufs. Zwar seien die aktuellen Absolventinnen der Hebammenschulen hochqualifiziert, allerdings hätten sich  die wissenschaftlichen Anforderungen an den Beruf erheblich verändert. „Diesen kann nur eine Hochschule gerecht werden.“ Probleme bei der Realisierung des Studiums sieht er im ambitionierten Zeitplan. Riekötter: „Ich weiß nicht, ob die Hochschulen in der Kürze der Zeit ausreichend qualifiziertes Lehrpersonal finden.“

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