Wunsch nach „AfD-freier Zone“ sorgt in Paderborn für heftigen Streit
AfD nennt Honervogt „Honeckervogt“

Paderborn (WB). Nachdem sich der stellvertretende Bürgermeister Dieter Honervogt (CDU) Anfang Februar bei der Theatermatinee öffentlich eine „AfD-freie Zone“ in Paderborn gewünscht hatte, wird er jetzt von der rechtskonservativen Partei heftig attackiert. Honervogt spalte die Gesellschaft und zeige sein „undemokratisches Denken“, schreibt der Vorsitzende des AfD-Stadtverbandes Paderborn, Marvin Weber, in einem Offenen Brief.

Mittwoch, 26.02.2020, 11:55 Uhr aktualisiert: 26.02.2020, 11:58 Uhr
Dieter Honervogt bei der Theatermatinee Anfang Februar, in der er sich eine „AfD-freie Zone“ in Paderborn gewünscht hatte. Foto: Oliver Schwabe
Dieter Honervogt bei der Theatermatinee Anfang Februar, in der er sich eine „AfD-freie Zone“ in Paderborn gewünscht hatte. Foto: Oliver Schwabe

Vergleich mit dem SED-Staatsratsvorsitzenden

Darin vergleicht er Honervogt mit dem ehemaligen SED-Staatsratsvorsitzenden der DDR, Erich Honecker: „Möchten Sie, Herr Honervogt – oder sollte man schreiben Honeckervogt – also im Stile eines Antidemokraten eine demokratisch legitimierte Oppositionspartei verbieten oder ist es der Wunschtraum eines profillosen Merkel-Claquers, ganz im Sinne seiner sozialistischen Parteichefin, die in Thüringen die Wahlen rückgängig machte, eine DDR 2.0 auch hier in Paderborn zu errichten und nur die sozialistische Einheitsfront aus Linken, Grünen, SPD, CDU und FDP zu den Wahlen zuzulassen und die immer größer werdende konservative Opposition, die dieses Land wieder ins politische Gleichgewicht bringen will, repressiv zu bekämpfen?“

Dieter Honervogt kommentierte die Vorwürfe so: „Das ist ja allerhand. Die AfD bringt sich mal wieder in die Opferrolle.“ Er stehe nach wie vor zu dem, was er bei der Theatermatinee gesagt habe, betonte der CDU-Politiker gegenüber dem WV: „Ich habe mir das damals gut überlegt und mir war klar, dass irgendwann was zurückkommt.“

Programmheft ärgert die AfD immer noch

Bei der Theatermatinee hatte der stellvertretende Bürgermeister Intendantin Katharina Kreuzhage für ihre Arbeit und für ihren Mut gelobt, sich dem Druck der AfD wegen des umstrittenen Programmhefts für die Spielzeit 2018/2019 nicht gebeugt zu haben. Wie berichtet hatte die AfD kritisiert, dass für die Ankündigung des Stücks „Andorra“ von Max Frisch die Wahlergebnisse der NSDAP denen der AfD gegenübergestellt worden waren. Die Partei ging juristisch dagegen vor – allerdings erfolglos.

Honervogt hofft auf Denkzettel für die AfD bei der Kommunalwahl

„Die AfD mit Leuten wie Björn Höcke und Alexander Gauland ist eine Schande für dieses Land“, sagte Honervogt am Montag auf Nachfrage und ergänzte: „Wenn bei der Kommunalwahl Paderborn die AfD nicht in den Rat wählen würde, wäre das ein tolles Zeichen.“ Die Sprache führender AfD-Vertreter habe „jedes Maß verloren“. Honervogt: „Sie bedienen sich des Vokabulars der Nazi-Zeit, und das, wo wir gerade die Befreiung des Konzentrationslagers in Au­schwitz vor 75 Jahren gefeiert haben.“

Die wiederum erneuert ihre Kritik am damaligen Programmheft. Wenn NSDAP und AfD „gleichgesetzt“ würden, sei das verleumderisch, falsch, relativiere die NS-Verbrechen und verhöhne die Opfer. Marvin Weber bekennt sich zur Theaterkultur allgemein, weil sie das westliche Denken geprägt habe und Werte widerspiegele. Honervogts Formulierung „AfD-freie Zone“, so Weber, „könnte aus einer Neuauflage von Max Frischs ‚Biedermann und die Brandstifter‘ entstammen“, die AfD werde als „das Böse schlechthin“ stilisiert.

Kommentare

Tytoalba  schrieb: 27.02.2020 09:32
Bekannt
... ist diese Methode zumindest dem sich mit der Geschichte befassten Bürger.
Zu diffamieren, das war - und ist offensichtlich - immer die Vorgehensweise der Radikalen, denen offenbar und offensichtlich ansonsten keine Argumente zur Verfügung stehen.
Dann missbraucht man Namen, Herkünfte etc.
Ich könnte seitenlang hier Belege aufführen, wo dies geschah. Diese Zeiten - übrigens auch jüngere - gehören nicht zu den Glanzlichtern unseres Landes...
1 Kommentare
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