Fr., 28.02.2020

Auf Teneriffa in Quarantäne: Botschaft fragt festsitzende Touristen nach Namen Auswärtiges Amt ahnungslos?

Tag drei in Quarantäne: So sah es am Donnerstag am Frühstücksbuffet des Hotels aus.

Tag drei in Quarantäne: So sah es am Donnerstag am Frühstücksbuffet des Hotels aus.

Von Christian Althoff

Paderborn (WB). Das Auswärtige Amt in Berlin soll bisher keinen Überblick darüber haben, wie viele und welche deutschen Staatsbürger seit Montag auf Teneriffa unter Quarantäne stehen . Wegen inzwischen vier bestätigter Corona-Fälle (ausnahmslos italienische Touristen) dürfen etwa 1000 Urlauber das Hotel „Costa Adeje Palace” nicht mehr verlassen.

Arbeitsmediziner Dr. Klemens Liekmeier aus Paderborn ist einer von ihnen und sagt, er sei am Donnerstag am Hotelpool von einem deutschen Ministerialbeamten angesprochen worden. „Er hat erklärt, dass die deutschen Behörden bisher aus Datenschutzgründen keine umfassenden Informationen bekommen hätten. Er empfehle deutschen Urlaubern, eine Mail mit persönlichen Angaben an die Botschaft in Madrid zu schicken.“

Urlauber fanden Schreiben im Zimmer

Am Nachmittag fanden Urlauber ein Schreiben in ihrem Zimmer. Unter dem Briefkopf der deutschen Botschaft in Madrid wird mitgeteilt, dass man E-Mails von Urlaubern und deren Angehörigen bekommen habe, die „große Verunsicherung” ausdrückten. Man habe dafür größtes Verständnis und werde die Touristen über weitere geplante Maßnahmen informieren. Noch am selben Tag sei eine „umfassende Unterrichtung” der Botschaft durch die spanischen Behörden geplant.

Dieses Schreiben fanden die Urlauber in ihren Zimmern vor.

Zum Schluss des Schreibens weist die Botschaft darauf hin, welche Informationen die Touristen bei einer Kontaktaufnahme per E-Mail mitschicken sollten: Name, Begleitpersonen, Geburtsdatum, Zimmernummer, Reiseveranstalter, Heimatadresse, Telefonnummern, gebuchtes Abreisedatum...

Einer der festsitzenden Urlauber, ein Mann aus Ostfriesland, hat inzwischen im Hotel Unterschriften gesammelt und sich wegen einer angeblich „dramatischen Versorgungssituation“ und „katastrophaler hygienischer Verhältnisse“ im Hotel ans Auswärtige Amt gewandt. Dazu sagt Dr. Liekmeier, diese Schilderung entspreche nicht der Wirklichkeit. „Die Versorgung ist gut, denn das Hotel wird ja schließlich beliefert.“ Natürlich könne Personal, das seit Tagen ebenfalls im Hotel eingesperrt sei, den Betrieb nicht uneingeschränkt aufrechterhalten. „Aber wir bekommen Obst und andere frische Sachen, und in eingeschränktem Umfang seit Mittwochabend auch wieder warmes Essen.“ Er habe allerdings den Eindruck, dass am Donnerstag ein Teil der Mitarbeiter ausgetauscht worden sei. „Uns begegnen neue Gesichter. Wo die anderen geblieben sind, wissen wir nicht.“

130 dürfen Hotel verlassen

Für 130 der festsitzenden Touristen aus elf verschiedenen Ländern gab es am Donnerstagabend gute Nachrichten: Nach Angaben der Regierung der Kanaren sollen sie das Hotel verlassen dürfen, weil sie erst nach dem 24. Februar eingecheckt hatten und damit keinen Kontakt zu den vier Infizierten gehabt haben konnten.

Der Reiseveranstalter TUI aus Hannover, der etwa 200 Urlauber aus unterschiedlichen Ländern im „Costa Adeje Palace” untergebracht hat, teilte am Donnerstag mit, dass die Touristen für die Zwangsverlängerung ihres Aufenthalts nicht zahlen müssten. Auch die Kosten für die Umbuchung der Flüge würden von der TUI übernommen.

 

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