Faisal Kawusi kichert in Paderborn am meisten über sich selbst
Klischees, Feindbilder und platte Witze

Paderborn (WB). Faisal Kawusi steckt sich ein Handtuch vorne in die Hose, zieht es nach hinten und wirft es anschließend einer jungen Frau zu. Ist das lustig? Nein, peinlich.

Freitag, 28.02.2020, 19:11 Uhr aktualisiert: 28.02.2020, 21:17 Uhr
In der Paderhalle spielt Faisal Kawusi sein Programm „Anarchie“ und spricht zwischendurch immer wieder mit Zuschauern. Erhellend sind die Dialoge aber nicht. Foto: Dietmar Kemper
In der Paderhalle spielt Faisal Kawusi sein Programm „Anarchie“ und spricht zwischendurch immer wieder mit Zuschauern. Erhellend sind die Dialoge aber nicht. Foto: Dietmar Kemper

Es gibt intelligenten und platten Humor – und von letzterem verbreitete der „nette Afghane von nebenan“, wie sich der 28-Jährige selbst nennt, am Donnerstag zwei Stunden lang viel zu viel.

Faisal Kawusi trat Klischees breit („Wenn die Afghanen etwas können, dann flüchten“), bemühte das Paderboring-Vorurteil („Hier möchte ich auch nicht wohnen“), beleidigte wohlfeil die AfD („Hurensöhne“), zeigte seine Speckrollen und berauschte sich selbst an Witzen, die gar nicht witzig sind („Wenn ich die Wahl zwischen dem IS und dem Wendler hätte, würde ich den IS nehmen“).

„Du wirst heute viele schlimme Worte hören“

Der neunjährigen Romy kündigte Faisal Kawusi aus „Kawusien“, wo political correctness aus dem Wortschatz gestrichen wurde, an: „Du wirst heute viele schlimme Worte hören.“ Mehrfach streute der durch seine Auftritte an der Seite von Luke Mock­ridge und durch seine Sat1-Show (2018) bekannt gewordene Comedian minutenlange, völlig belanglose Gespräche mit Zuschauern ein, so dass sich die Frage aufdrängte: Wer unterhält hier eigentlich wen? In der ausverkauften Paderhalle saß ein sehr junges Publikum, dem der Abend scheinbar gefiel, aber das gleichwohl nicht in Begeisterung verfiel. Kawusi kicherte über sich am meisten.

„Na, Sie sind ja immer noch da“, stellte nach der Pause eine Stimme aus dem Off fast schon überrascht fest. In Teil zwei wurde es zeitweise sogar besser. „Mein Bein sieht aus wie ein Döner“, machte sich Kawusi über sich selbst lustig und verriet gleich noch einen Tipp, um abzuspecken: „Chemnitz ist das beste Abnehmprogramm für dicke Kanaken.“ Er selbst sei aber in Deutschland integriert: „Ich habe Laktoseintoleranz.“

Spontan kann Faisal Kawusi auch sein. Als es auf der Bühne der Paderhalle knackte, sagte er schlagfertig: „Morgen steht in der Zeitung: In Paderborn hatte Kawusi seinen großen Durchbruch.“

Jorge González und Ailton parodiert

Auch auf Parodien versteht sich der 1,90 Meter große Comedian, der schon bei „Let’s Dance“ mitgemacht hat. Als er in der Paderhalle ein Gespräch zwischen dem kubanischen Juror Jorge González und dem brasilianischen Ex-Fußballer Ailton in zerbrochenem Deutsch imitierte, war das der Höhepunkt des Abends. Aber was nützt das, wenn als letztes Bild des Auftritts das Handtuch in der Hose in Erinnerung bleibt?

Kawusi verteidigte seinen Humor mit einer verqueren Logik: „Warum sich über Witze aufregen, wenn deutsche Rentner Pfandflaschen sammeln müssen, weil sie mit ihrem Geld nicht auskommen?“ Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Wie gut, dass schon im Mai das Comedy- und Kabarettfestival „Ernst mit lustig“ in der Paderhalle stattfindet – mit intelligentem Humor.

Kommentare

Mathias Anderer  schrieb: 29.02.2020 09:08
Endlich mal eine angemessene Kritik zu diesen Schwachsinn. So entlarvt sich jeder selber, auch als Zuschauer.
1 Kommentare
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