Corona: Flughafen Paderborn fürchtet hohe Verluste und prüft Kurzarbeit
OWL-Airport in Turbulenzen

Büren (WB). Die Corona-Krise hat den Flughafen Paderborn-Lippstadt mit voller Wucht erfasst. Das Flugprogramm ist durch etliche Annullierungen drastisch zusammengeschrumpft. In der Folge drohen dem Airport „starke Erlösrückgänge“, wie Flughafen-Sprecher Stefan Hensel sagt – und damit weitere Millionenverluste .

Mittwoch, 18.03.2020, 04:00 Uhr aktualisiert: 18.03.2020, 15:10 Uhr
Blick auf den Eingang des Flughafens Paderborn-Lippstadt. Foto: dpa
Blick auf den Eingang des Flughafens Paderborn-Lippstadt. Foto: dpa

Die kommunalen Gesellschafter – darunter die Kreise Paderborn, Gütersloh, Höxter, Lippe sowie die Stadt Bielefeld – hatten gerade erst nach langem politischen Tauziehen eine Verdoppelung des Verlustausgleichs von bis zu fünf Millionen Euro pro Jahr beschlossen. 2019 sollte das Defizit – auch wegen Sondereffekten – bei 5,76 Millionen Euro liegen. In Erwartung einer Kostenübernahme der Flugsicherungskosten in Höhe von 1,5 Millionen Euro durch den Bund war für 2020 ein deutlich niedrigerer Fehlbetrag erwartet worden. Das scheint Makulatur.

„Der Flugplan ist bereits deutlich ausgedünnt, und die Lage ändert sich aktuell sehr rasch“, sagt Hensel. Am Dienstag sollten nur noch drei Flüge starten oder landen: von und nach München (Lufthansa) sowie von Hurghada (Tuifly). Regelmäßig auf dem Programm stehen ansonsten noch Flüge nach Palma de Mallorca (Eurowings), Teneriffa (Tuifly) sowie auch mit Holiday Europe nach Hurghada. Der Reiseverkehr in Richtung der Kanarischen Inseln – diese Woche waren vier Flüge geplant – sowie in die Türkei (zwei Flüge) sei ausgesetzt, sagt Hensel. „Hinzu kommen Kapazitätsreduzierungen auf der Strecke München.“ Passagiere sollten sich vor Reiseantritt unbedingt über den Flugstatus informieren.

Auswirkungen noch nicht abzuschätzen

Angesichts der Entwicklung werde Kurzarbeit für die rund 200 Flughafen-Mitarbeiter geprüft. Die genauen Auswirkungen der Corona-Krise seien derzeit noch nicht abzuschätzen, „da sowohl Dauer als auch Ausmaß“ nicht abzusehen seien. „Als positiv bewerten wir es, dass der Bund Mittel für die Unterstützung zugesagt hat“, sagt Hensel. Womöglich wird der Flughafen auf Staatshilfe angewiesen sein, um zu überleben.

2019 war der Flughafen weiter in die Krise geraten. Mit nur 693.500 Passagieren bei 37.000 Flügen war die Zahl der Fluggäste so gering wie seit 1997 nicht. In Spitzenzeiten – Anfang bis Mitte der 200er Jahre – nutzten pro Jahr mehr als 1,2 Millionen Passagiere den Airport.

Der deutsche Flughafenverband ADV spricht von einem „beispiellosen“ Passagierrückgang in Folge der Coronakrise. Er berichtet von einem Rückgang der Fluggäste um 38 Prozent in der vergangenen Woche gegenüber dem Vorjahr. Der Ausfall ist damit mehr als doppelt so groß wie im April 2010 nach dem starken Asche-Ausbruch eines Vulkans in Island. Und die Passagierzahlen dürften angesichts der weitreichenden Reiseverbote weiter rapide sinken. Der in normalen Zeiten starke Osterreiseverkehr droht komplett zu entfallen. Der Berliner Flughafenbetreiber hat bereits angekündigt, Hilfen des Bundes und der Länder Berlin und Brandenburg als Gesellschafter zu benötigen.

„Virus ist eine Zäsur“

„Für die Flughäfen ist das Virus eine Zäsur“, erklärt ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel. Inzwischen seien auch Schließungen einzelner Standorte denkbar. Die Landesregierung von Baden-Württemberg hat am Montag verkündet, im Laufe der Woche den Betrieb der Flughäfen in dem Bundesland einzustellen. Der Luftverkehr brauche eine koordinierte Unterstützung durch die deutsche und die europäischen Regierungen, damit die Branche überlebt und nach dem Ende der Krise ihren Betrieb fortsetzen kann, sagt Beisel.

Sollte es zu einem konkreten Corona-Verdachtsfall an Bord einer Maschine kommen, die auf dem Weg zum OWL-Airport sei, werde der Flieger umgeleitet, sagt Hensel. Die internationalen Gesundheitsvorschriften der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sehen für Deutschland fünf Flughäfen vor, die zum Schutz der öffentlichen Gesundheit so genannte Kernkapazitäten vorhalten müssen: Hamburg, Düsseldorf, Frankfurt, München und Berlin. Sollte es am OWL-Airport selbst zu einem Corona-Verdacht kommen, sei das Flughafenpersonal darauf vorbereitet.

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