Fr., 20.03.2020

Paderborner Apotheken wollen Ansteckung ihrer Mitarbeiter verhindern Schutz hinter Scheiben

Der direkte Draht zu Patienten ist gewährleistet, der direkte Kontakt wird dagegen verhindert: Die Apothekerinnen Tanja Junkermann und Cora Rissing (von rechts) arbeiten in der Apotheke “Schöne Aussicht” geschützt hinter einer Scheibe.

Der direkte Draht zu Patienten ist gewährleistet, der direkte Kontakt wird dagegen verhindert: Die Apothekerinnen Tanja Junkermann und Cora Rissing (von rechts) arbeiten in der Apotheke “Schöne Aussicht” geschützt hinter einer Scheibe. Foto: Jörn Hannemann

Von Julia Queren

Paderborn (WB). In vielen Apotheken im Kreis Paderborn genießen Mitarbeiter jetzt besonderen Schutz. Eine einfache, aber wirkungsvolle bauliche Maßnahme macht es möglich: Glasscheiben verhindern den direkten Kontakt zu den Kunden und vermindern so die Gefahr einer Ansteckung mit dem Coronavirus.

Auch alle Apotheken des Familienverbundes Kesselmeier-Michels-Hoffmann sind nun mit diesem Hygieneschutz ausgestattet. Die Scheiben muten an wie Bank- oder Postschalter in früheren Zeiten. Gespräche laufen durch das Glas ganz normal, im unteren Bereich wird mit einer Durchreiche der Rezept-, Medikamenten- und Geldtransfer ermöglicht. „In diesen Zeiten hat der Schutz unserer Mitarbeiter oberste Priorität“, sagt Dr. Manfred Kesselmeier. Erste Maßnahme sind Desinfektionsmittelspender an den Eingängen. Zudem wird den Kunden mit Absperrband vor den Bedienplätzen signalisiert, einen größeren Sicherheitsabstand zu den Mitarbeitern einzuhalten. „Letzteres ist leider nicht von allen wahrgenommen oder für wichtig erachtet worden“, bedauert Tanja Junkermann, leitende Apothekerin in der Apotheke Schöne Aussicht.

Nette und nötige Begrüßung: Die Desinfektionsmittelspender an den Apotheken-Eingängen sind nicht zu übersehen. Foto: Jörn Hannemann

Als Dr. Manfred Kesselmeier dann in der vergangenen Woche das Foto eines befreundeten italienischen Kollegen von dessen Hygieneschutz erreichte, ging alles ganz schnell: Innerhalb von 24 Stunden hatte die Hövelhofer Firma Windmann Einrichtungen den Prototypen fertig, am Wochenende erfolgten vorbereitende Arbeiten, dann wurde zwei Tage produziert, um am Mittwoch schließlich in alle Schutzscheiben zu montieren. Das alles geschah bei voller Auslastung: „Alle Mitarbeiter haben mitgezogen und in Überstunden dafür gesorgt, dass die Apotheken schnellstmöglich mit dem Schutz ausgestattet werden können“, sagt Inhaber Hans-Jürgen Queren.

Diese Bereitschaft, an die Grenzen und sogar darüber hinaus zu gehen, schätzt Manfred Kesselmeier in dieser außergewöhnlichen Zeit auch an den Mitarbeitern im Familienverbund: „Sie alle machen mit viel Idealismus, Solidarität und Berufsethik ihren Job.“ Und das obwohl, oder gerade weil derzeit Ausnahmezustand in den Apotheken herrsche. „Die Menschen haben Angst, wie lange welche Medikamente noch erhältlich sind, ob sie sich schon angesteckt haben oder wie sie sich schützen können“, beschreibt Kesselmeier den deutlichen Anstieg des Beratungs- und Medikamentenbedarfs. Um diesem Bedarf weiter gerecht zu werden, wird er nicht müde, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zu zitieren: „Ärzte, Pfleger, Sanitäter, Apotheker können nicht ins Home Office gehen. Sie sind diejenigen, auf die wir uns alle verlassen, wenn wir krank werden. Wir können sie dabei unterstützen: indem wir, wann immer möglich, zuhause bleiben.“

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