Webcam überträgt live aus der Wanderfalken-Nisthöhle im Paderborner Domturm
Auch in der Krise wächst Leben

Paderborn (WB). Gerade in der Corona-Krise, die für viele Menschen Einschränkungen, Unsicherheit oder Krankheit bedeutet, kann eine Geschichte von Schöpfung und Leben Mut machen: Seit dem vergangenen Wochenende nistet im Turm des Paderborner Domes ein Wanderfalkenpaar. Ab sofort überträgt eine Webcam in der Nisthöhle Bilder vom Brüten und Schlüpfen der Wanderfalken-Jungtiere.

Montag, 23.03.2020, 07:29 Uhr aktualisiert: 23.03.2020, 08:02 Uhr
Am Paderborner Domturm lässt es sich für die Wanderfalken gut leben, hier auf einem Wasserspeier. Foto: Jochen Roth
Am Paderborner Domturm lässt es sich für die Wanderfalken gut leben, hier auf einem Wasserspeier. Foto: Jochen Roth

Wenn diese im Sommer den „Familienverbund“ verlassen und sich selbständig in die Lüfte schwingen, ist auch der Gipfel der Corona-Krise auf dem Boden hoffentlich überwunden.

Die Wanderfalken nisten im Domturm innerhalb einer Schallarkade in 50 Meter Höhe Richtung Westen. Dort sind sie schon seit einigen Jahren gern gesehene Gäste. Jetzt kann jeder dank einer Webcam am Wachsen des neuen Wanderfalken-Lebens teilhaben.

Von der Domsakristei zu Youtube

Ein Ornithologe hat die Kamera im Inneren des Turms an einem Holzkasten fest installiert angebracht. Von hier wird das Signal per Kabel zu einem Rechner in der Domsakristei geleitet und geht dann direkt über Youtube ins Internet.

Wanderfalken, die als weltweit schnellste Tiere im Luftraum gelten, bleiben meist über Jahre einem Partner treu. Schon am Wochenende konnte im Domturm beobachtet werden, dass das Wanderfalkenpärchen, das hier seine Nisthöhle gefunden hat, sich gepaart hat. Damit wird es spannend vor der Webcam in 50 Metern Höhe: Wenn die Eier erst einmal abgelegt sind, dauert es rund 30 Tage, bis die Jungtiere schlüpfen.

Auch die ersten Tage der jungen Wanderfalken zeigen, wie Leben sich entwickelt: Zunächst wirken die Tiere wie ein Schneeball mit geschlossenen Augen. Nach drei bis fünf Wochen wird die flauschige Daunenpracht von Federn ersetzt.

Circa 40 Tage bleiben die Jungtiere in der Nisthöhle, bevor Flugversuche trainiert werden oder erste Jagdstöße auf die Beute gemacht werden. Einen weiteren Monat später werden die jungen Wanderfalken im wahrsten Sinne des Wortes „flügge“ und verlassen den Familienverbund.

Refugium auch für Fledermäuse und Tauben

Im Paderborner Domturm finden die Wanderfalken einen gut geschützten Raum zum Nisten. Die Kamera wird so lange senden, bis die Jungvögel und ihre Eltern die Höhle verlassen. Und wenn die Wanderfalken im nächsten Jahr wieder in den Domturm kommen, wird auch die Kamera mit Bildern vom Brüten, Schlüpfen und Wachstum der Vögel www.dom-paderborn.de/Wanderfalken gehen.

Die Wanderfalken sind nicht die einzigen Tiere am Hohen Dom. Auch Turmfalken nisten an anderer Stelle des Domturmes, ebenso dient die Paderborner Bischofskirche Fledermäusen und Tauben als Refugium. Nicht zuletzt sind fünf Bienen-Völker rund um den Dom angesiedelt – der so erzeugte Domhonig erfreut sich großer Beliebtheit.

Dompropst Joachim Göbel freut sich, dass durch die Webcam bei den Wanderfalken jeder jetzt am „Ökosystem Dom“ teilhaben kann: „Die Vielfalt der Fauna am Dom ist erstaunlich. Die neue Webcam ist ein wichtiger Schritt auf diesem Weg, die Menschen am ‚Schöpfungs-Geschehen‘ in unserem Dom teilhaben zu lassen.“

Hier kommt man zur Webcam.

Kommentare

Falco  schrieb: 23.03.2020 10:05
Nistzeit
Sehr schön! Übrigens hat auch am Turm der Heinrichskirche in den letzten Jahren eigentlich immer mindestens einmal ein Paar erfolgreich gebrütet, ebenso in der Nähe des Ostfriedhofs vermutlich irgendwo an den LWL-Gebäuden. Dieses Jahr bislang zwar noch nicht, aber das kann ja noch werden.
1 Kommentare
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