Do., 26.03.2020

Paderborns Grundschulleiterin Lena Schön und die Folgen von Corona „Totale Herausforderung“

Plakate informieren in der Lutherschule über notwendige Hygienevorschriften. Lena Schön bezweifelt, dass der Betrieb nach den Osterferien normal weitergeht.

Plakate informieren in der Lutherschule über notwendige Hygienevorschriften. Lena Schön bezweifelt, dass der Betrieb nach den Osterferien normal weitergeht. Foto: Dietmar Kemper

Von Dietmar Kemper

Paderborn (WB). Orkan „Sabine“ war dagegen ein Klacks. Lena Schön spricht angesichts der Corona-Krise von der „totalen Herausforderung“. Und die könnte noch Monate anhalten.

Die Leiterrin der Lutherschule in Paderborn glaubt nicht, dass der Grundschulunterricht nach den Osterferien wieder normal stattfinden wird. „Ich gehe von einem kompletten Stillstand von zwei bis drei Monaten aus“, sagte sie gestern und verwies auch auf einen Erlass des NRW-Schulministeriums vom Dienstag, wonach alle außerschulischen Veranstaltungen wie Ausflüge und Klassenfahrten bis zum Sommer abgesagt werden sollen.

„Am Wochenende hat mein Telefon geglüht“, blickte Lena Schön (36) auf die turbulenten Tage vom 13. bis 15. März zurück. Als feststand, dass die Lutherschule am Montag darauf wegen des Coronavirus schließen muss, schrieb sie einen Brief an die Eltern der 307 Schülerinnen und Schüler, informierte die Schul- und Klassenpflegschaften, aktualisierte die Homepage der Lutherschule und war 24 Stunden lang, so wie es das Paderborner Schulamt verlangte, für Fragen erreichbar. Notfalls auch in der Nacht.

Notbetreuung für sechs Schülerinnen und Schüler

Nicht zuletzt eine Frage beschäftigte die Schulleiterin: Wie viele Kinder würden zur Notbetreuung erscheinen, weil ihre Eltern, zum Beispiel Krankenschwestern, in der Corona-Krise unverzichtbare Tätigkeiten ausüben? Sechs Jungen und Mädchen tauchten auf: fünf am Standort am Abdinghof und eines am zweiten Standort an der Erzbergerstraße. Drei von 21 Lehrerinnen und Lehrern kümmern sich hüben wie drüben um die Kinder, arbeiten mit ihnen bis zu 90 Minuten lang an Aufgaben und beschäftigen sie ansonsten, zum Beispiel mit Bastelarbeiten. Die Mädchen und Jungen kommen zwischen 7.30 und 8 Uhr, ab 11.30 Uhr übernimmt dann die OGS die Betreuung.

„Für die paar Kinder kochen wir das Essen selbst“, erzählte Lena Schön. Bei den Jungen und Mädchen hat sie beobachtet: „Sie sind fokussiert auf die Schule, kommen gerne hierher. Sie sind hochmotiviert und genießen es, dass sie die ganze Schule für sich haben.“

Angst vor dem Coronavirus hätten sie nicht: „Die Sorge, dass man sich ansteckt, ist bei Grundschulkindern noch nicht so hoch.“ Allerdings wurden die Kinder schon vor der erzwungenen Schließung der Lutherschule für das richtige Verhalten sensibilisiert. Etwa 50 Plakate informieren an beiden Standorten darüber, wie man richtig niest und vor allem, wie man sich richtig die Hände wäscht. Die Plakate stammen von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. „Wir haben den Kindern auch gesagt, dass wir uns jetzt nicht mehr in den Arm nehmen“, berichtete Lena Schön.

Mit Aufgaben versorgt

Und was machen die übrigen 300 Schülerinnen und Schüler, die zuhause sind, weil ihre Schule geschlossen ist? Jede Klassenlehrerin und jeder Klassenlehrer ist dafür verantwortlich, dass die Kinder bis Ostern mit Aufgaben versorgt sind. Die werden per E-Mail an die Eltern geschickt. Vor der Schulschließung bekamen die Kinder zudem Bücher mit auf den Heimweg. „Für die Eltern war es ganz wichtig, dass ihre Kinder gleich zu Beginn etwas zu arbeiten hatten, sie möchten nicht, dass sie etwas verpassen.“ Die Schule prüft stichprobenartig, mit welchen Aufgaben die Kinder sich konkret beschäftigt haben, einige sollen ein Lerntagebuch führen.

Was tun, wenn es nach den Osterferien eben doch nicht normal weitergeht? Lena Schön: „Dann muss man schauen, was die wichtigsten Inhalte sind, die die Kinder unbedingt noch lernen müssen. Die könnten wir ihnen beispielsweise in Form von Erklärvideos vermitteln.“ Kurzfristig hat Schön für das am 26. Juni endende Schuljahr bei einem Verlag die Lizenz für die Anton-Lernapp erworben, um den digitalen Schulunterricht in Deutsch und Mathe auszuweiten. Für schwächere Schüler haben die Turbulenzen durch das Coronavirus tatsächlich auch eine positive Seite. So wie es aussehe, würden diesmal alle automatisch versetzt, deutete Lena Schön an.

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