Do., 26.03.2020

„Paderborner Kultur-Soli“ soll Künstler über Wasser halten Honorare in der Not

Markus Runte, Julia Ures und Olaf Menne (von links) präsentieren das Logo ihres Projekts, mit dem hauptberuflich tätige Kulturschaffende unterstützt werden sollen.

Markus Runte, Julia Ures und Olaf Menne (von links) präsentieren das Logo ihres Projekts, mit dem hauptberuflich tätige Kulturschaffende unterstützt werden sollen. Foto: Thorsten Hennig

Von Dietmar Kemper

Paderborn (WB). „Ich bin kultursolidarisch“: Dieses Bekenntnis wünschen sich Julia Ures, Olaf Menne und Markus Runte von vielen Paderborner Bürgern. Die Journalistin und Moderatorin, der Konzertveranstalter und der Leiter des Stadtmuseums haben ein Hilfsprojekt für hauptberuflich tätige Künstler gestartet, die wegen des Coronavirus keine Auftrittsmöglichkeiten in Stadthallen, Clubs und Theatern mehr haben und auf die virtuellen Bühnen im Internet ausweichen müssen.

10.000 Euro sollen im ersten Schritt zusammenkommen

„Paderborner Kultur-Soli“ heißt die Crowdfundingkampagne, bei der zu Beginn 10.000 Euro gesammelt werden sollen, um die ersten Ideen von Künstlern finanzieren zu können. Um die Spendenbereitschaft der Bevölkerung anzuheizen, wird es „Dankeschöns“ geben: T-Shirts und Tassen mit dem Satz „Ich bin kultursolidarisch“, Wohnzimmerkonzerte zum Beispiel von Ulrich Lettermann, Nächte im Museum oder ein Stadtspaziergang mit Erwin Grosche und eine private Lesung des Schauspielers Max Rohland.

„Die Kulturschaffenden stehen vor dem Nichts“, sagte Olaf Menne dieser Zeitung: „Die wenigsten haben finanzielle Reserven.“ Karrieren, die über Jahre aufgebaut worden seien, stünden von jetzt auf gleich vor dem Aus, bedauert der Inhaber der Agentur Lautstrom in Paderborn. Weil er als Veranstalter an der Gage der Künstler beteiligt ist, die jetzt aber nicht auftreten dürfen, sei die Corona-Krise auch für ihn „eine Vollkatastrophe“.

Konzert im „Quarantäne-Modus“

Mit Hilfe der führenden Crowd­fundingagentur Startnext wollen Menne, Ures und Runte Künstlern eine Alternative aufzeigen. Der Ausweg sind digitale Wege der Präsentation. Auf Crowd­funding setzt zum Beispiel gerade die Paderborner Band Goodbeats. Sie versucht, 6000 Euro für ein Konzert mit professioneller Licht- und Tontechnik zu sammeln, das an diesem Samstag um 21 Uhr auf dem Youtube-Kanal der Band live gestreamt werden soll. Und zwar im „Quarantäne-Modus“.

Die Jungs um Thilo Pohlschmidt betonen: „Wir haben über 2 Monate für ein neues Liveprogramm geprobt. Dann der Shutdown. Ca. 30 geplante Shows werden ausfallen. Ausfallgagen? Fehlanzeige – Höhere Gewalt.“ Wer zum Beispiel 30 Euro spendet, wird im Konzert der Goodbeats namentlich als „Supporter“ erwähnt.

„Die meisten Künstler haben unheimlich viele Absagen erhalten, ihre Existenz ist bedroht. Das Internet ist fast die einzige Plattform, um sich noch präsentieren zu können“, betont Markus Runte. Mit dem „Paderborner Kultur-Soli“ solle Künstlern ermöglicht werden, an Honorare zu kommen. Runte ruft dazu auf, sich Onlineformate auszudenken: „Macht was, lasst euch was einfallen und dafür bekommt ihr Geld aus dem Crowdfundingprojekt.“ So sollen neue Auftrittsmöglichkeiten für Künstler entstehen.

Für Spenden gibt es „Dankeschöns“

Jeder Bürger kann sich in unterschiedlicher Größe einbringen und die Paderborner Kulturschaffenden unterstützen. Für seine Spende erhält er die „Dankeschöns“ – Gegenleistungen, die von zahlreichen Kreativen der Stadt angeboten werden. Dazu gehören auch Bücher des Lektora-Verlags, Fotoshootings mit Harald Morsch und Daphne Dlugai und Eintrittskarten für das nächste Kulturheimspiel des Stadtmuseums. Alle Angebote und Informationen gibt es auf der Seite www.kultursoli.de.

Die Kulturvereinigung OWL, vertreten durch Olaf Menne, ist Träger des Projekts. Die Entscheidung darüber, wer Geld erhält, trifft das Trio Runte, Ures und Menne zusammen mit Mitgliedern der Kulturvereinigung. Bei ihr handelt es sich um ein Netzwerk von ehrenamtlichen Initiativen aus der Region, die Kulturveranstaltungen für junge Leute auf die Beine stellen. Seit August 2014 tauscht die Vereinigung zudem Wissen und Erfahrungen aus.

Dank der Kulturvereinigung OWL hat das Crowdfunding-projekt zum „Paderborner Kultur-Soli“ damit eine Rechnungsadresse und Steuernummer. Entsprechend können Spendenquittungen ausgestellt werden. Julia Ures betont: „Jeder Euro hilft, um die Kulturszene in Paderborn zu unterstützen. Wir wollen nicht einfach tatenlos zusehen und zulassen, dass Corona alles vom Tisch fegt und kulturelle Tabula rasa in unserer Stadt hinterlässt.“

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