Fr., 27.03.2020

Nach Lunapark-Absage blicken Unternehmer ungewisser Zukunft entgegen Schausteller in Paderborn bangen um ihre Existenz

Der Lunapark findet dieses Jahr nicht statt.

Der Lunapark findet dieses Jahr nicht statt. Foto: Besim Mazhiqi

Paderborn (WB). Die Absage des Lunaparks in Paderborn hat die Schausteller hart getroffen. Eigentlich waren alle für die Eröffnung der Paderborner Kirmes-Saison vorbereitet. Die Geschäfte wurden im Winter renoviert und hier und da neu bemalt und für das Frühjahr herausgeputzt. Vieles wurde eingekauft.

Marc Petter dachte noch, er hatte Glück als er für sein beliebtes Pferderennen noch mehr als 2000 Kuscheltiere aus einem der letzten Frachter aus China besorgen konnte. Doch jetzt schlummern die putzigen Kinderlieblinge in einem dunklen Lagerraum vor sich hin. „So etwas hat es in der langen Tradition meiner Familie noch nicht gegeben, dass zwar Ostern kommt, aber nicht eine einzige Kirmes in diesen Tagen stattfindet“, berichtet Petter.

Lebensmittel könnten verderben

Für seinen Eiswagen hat sich Hartmut Nessel mit 650 Liter an hochwertigen Zutaten für die Eisproduktion bevorratet. Doch diese sind nur bis maximal Juni haltbar. Sollte es nicht bald Kirmesplätze geben, auf denen er wieder sein beliebtes Eis anbieten kann, muss er leider alles entsorgen, was für ihn einen immensen Schaden bedeutet. „Es ist irgendwie nicht zu begreifen, dass wir alle bereit sind und nun keiner, aber auch wirklich keiner raus darf, um den Menschen das zu geben, wofür wir eigentlich da sind: ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.“

Appell an die Politik

Für seine Fruchtalm hält Andy Kohlwes 500 der beliebten Lebkuchenherzen bereit. Doch statt um den Hals einer Angebeteten zu hängen, lagern die süßen Liebeserklärungen nun in zahlreichen Kartons. „Wenn das noch länger dauert, sehe ich unsere mehr als 100-jährige Familientradition ernsthaft bedroht. Wir hoffen alle, dass wir schnell und gesund über diese schwere Zeit kommen“, erzählt Kohlwes.

Jetzt bangen alle darum, wie es wohl weitergeht. „Es muss von der Politik jetzt maßvoll vorgegangen werden. Eine übereilte Absage von Volksfesten ist der völlig falsche Weg. Vielmehr muss hier mit ruhiger Hand entschieden werden. Schaustellerbetriebe sind in der Regel kleine Familienbetriebe, die jetzt im Winter ihre Reserven aufgebraucht haben. Die Zuschüsse vom Bund, die es jetzt gibt, sind leider zu klein, um wirklich überleben zu können. Wir hoffen sehr, dass diese Situation nicht eine der ältesten Traditionen der Welt beenden wird“, erklärt Bethel Thelen, der zweite Vorsitzende des Schaustellervereins Paderborn.

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