Coronavirus: 94-Jährige ist bereits das dritte Todesopfer im Paderborner Perthes-Haus
Weitere Altenheim-Bewohnerin gestorben

Paderborn (WB/mba). Eine weitere Bewohnerin des Paderborner Altenheims Perthes-Haus ist am Dienstagabend gestorben. Die 94-Jährige, die im Krankenhaus behandelt wurde, litt unter Vorerkrankungen.

Mittwoch, 01.04.2020, 16:18 Uhr aktualisiert: 01.04.2020, 17:30 Uhr
Im Altenheim Perthes-Haus in Paderborn sind mehrere Bewohner und Mitarbeiter mit dem Coronavirus infiziert. Foto: Jörn Hannemann
Im Altenheim Perthes-Haus in Paderborn sind mehrere Bewohner und Mitarbeiter mit dem Coronavirus infiziert. Foto: Jörn Hannemann

Wie zwei am Montag gestorbene Bewohner (85 und 87 Jahre) starb sie nach Angaben der Evangelischen Perthes-Stiftung an den Folgen der durch das Coronavirus ausgelösten Lungenkrankheit COVID-19. Zwei weitere Bewohner der Einrichtung befänden sich weiterhin in kritischem Zustand. Im Heim selbst starb am Dienstagabend darüber hinaus eine 97-Jährige. Für sie stehe allerdings das Testergebnis noch aus.

Insgesamt sind mittlerweile 17 der aktuell 56 Bewohner des Perthes-Hauses und 26 Mitarbeiter mit dem Coronavirus infiziert.

Zu dem Umstand, dass die 97-Jährige in der Altenhilfeeinrichtung und nicht im Krankenhaus starb, sagte Perthes-Geschäftsbereichsleiter Felix Staffehl am Mittwoch: „Viele unserer Bewohner haben den Wunsch, bei uns im Haus zu sterben und nicht im Krankenhaus.“ Diese Frage werde im Vorfeld mit dem Hausarzt, den Angehörigen und nicht zuletzt dem Bewohner geklärt. Eine Versorgung im Krankenhaus werde daher nur in akuten Notfällen in Betracht gezogen.

Kommentare

Hermann  schrieb: 01.04.2020 22:41
Der Umstand, dass scheinbar viele der PflegeheimbewohnerInnen im Heim sterben, stimmt nachdenklich.

Warum werden die BewohnerInnen nicht zur intensivmedizinischen Intervention in die Klinik eingewiesen? Die Ausführungen der Paderborner Heimleitung in dem obenstehenden Bericht sind dahingehend nicht schlüssig, wenngleich die jeweilige konkrete Fallgestaltung natürlich von Außenstehenden (von mir) nicht abschließend beurteilt werden kann.

Nach meiner Lesart bezieht sich jedoch die dargestellte vorherige Abstimmung mit Hausarzt, Angehörigen und BewohnerIn auf Behandlungswünsche für etwaig zukünftig eintretende Situationen (Patientenverfügung). Diese nehmen Bezug auf Krankheitsverläufe, die den unabwendbaren Todeseintritt in zeitliche Nähe rücken lassen und der Verfügende zu einer freien Willensäußerung/-bildung nicht mehr in der Lage ist.

Jedenfalls die Unabwendbarkeit des tödlichen Verlaufes dürfte bei einer progressiven, durch das neuartige Coronavirus bedingten Pneumonie allerdings nicht sicher in Aussicht stehen.

Dass es sich daher nicht um einen akuten Notfall handelt, wenn ein infizierter Mensch (gleich welchen Alters und mit welchen Vorerkrankungen, es sei denn es handelt sich um Palliativpatienten in der präfinalen Phase o. ä., die sich dann zusätzlich noch infizieren), ist zunächst einmal nicht schlüssig.

Auch zur eigenen Rechtssicherheit sollte m. E. im Zweifel möglicherweise ein anderes Vorgehen durch die Heimleitungen / Hausärzte im Einzelfall in Betracht gezogen werden! Oder sollen / wollen die Kliniken nicht durch die Versorgung (auch älterer Menschen) ausgelastet/belastet werden?
Hermann  schrieb: 01.04.2020 19:35
Allgemein: Wie viele Menschen in unserer Bevölkerung im mittleren und höheren Lebensalter leiden eigentlich unter keinerlei Vorerkrankung? Das wäre einmal interessant in diesem Zusammenhang.

Ich meine, der Zusatz in der pandemiebedingten Berichterstattung ist (jedenfalls in der einfachen Berichterstattung, anders in Statistiken) entbehrlich, da gemeinhin bekannt ist, dass vorerkrankte Menschen und solche eines Alters jenseits von 50 bis 60 Lebensjahren anfälliger für einen besonders schweren und schlimmstenfalls tödlichen Verlauf der durch das aktuelle Coronavirus ausgelösten Lungenerkrankung (und vieler anderer Infetionskrankheiten) sind.

Man könnte ansonsten meinen, Menschen mit Vorerkrankungen seien Kollateralschäden...und das sind sie, jedenfalls in unserem Land, glücklicherweise (noch) nicht. Genau deshalb bin ich froh, nicht etwas weiter westlich in unserem Nachbarland zu leben. Dort gibt es zu krankem und altem Leben einen anderen Bezug (Stichwort: Sterbehilfe) und aus diesem Grunde wird dort seit Jahren Intensivbehandlungen (und der Anzahl von Behandlungsplätzen für diese) ein geringerer Stellenwert beigemessen.

Die (auch bei uns) immer mehr aufkommende Diskussion einer (im Extremfall eventuell sich stellenden) Abwägungsfrage "Leben gegen Leben" ist sehr schwierig und vielschichtig. Ethik und Rechtswissenschaft wissen sie bislang (auch lange vor der aktuellen Pandemie) nicht zu beantworten, vermutlich ist dies auch nicht möglich.

Wer bekommt nun den letzten Beatmungsplatz?: 1.) 90 J., topfit, jeden Tag im Garten beschäftigt, nicht vorbestraft, wollte immer gerne 110 J. alt werden oder 2.) Vater von zwei Kindern, 45 J., Asthma, Diabetes, gerade aus der Haft wg. Kindesmissbrauchs entlassen. Mensch bleibt Mensch, ob 30 oder 90 Jahre alt, ob krank oder gesund, ob vorbestraft oder nicht, ob Mutter oder kinderlos...

Also könnte m. E. auf die Angabe "vorerkrankt" bei den Sterbefällen im Rahmen der Coronapandemie verzichtet werden. In den einschlägigen Statistiken können sie dem interessierten Leser ja gerne präsentiert werden.
2 Kommentare
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