Rechtsanwalt Michael Gelhard berät Geschädigte des Diesel-Skandals
„Manipulierten VW zurückgeben“

Paderborn (WB). Der eigentliche Dieselskandal ist fünf Jahre her. Die Verbraucherzentrale hat jetzt mitgeteilt, dass es im Rahmen einer Musterfeststellungsklage zum Vergleich zwischen VW und der Verbraucherzentrale gekommen sei. 262.500 getäuschte VW-Kunden können nun ein Vergleichsangebot erwarten, das sie bis zum 20. April wahrnehmen müssen. Kunden, die sich nicht auf den Vergleich einlassen möchten, können auch weiterhin vor Gericht klagen. Der Paderborner Anwalt Michael Gelhard hat schon viele VW-Kunden erfolgreich vor Gericht vertreten. Im Gespräch mit Franz Köster macht er deutlich, warum es seiner Meinung nach nicht unbedingt die beste Lösung ist, auf das Vergleichs­angebot einzugehen.

Freitag, 03.04.2020, 10:21 Uhr aktualisiert: 03.04.2020, 10:24 Uhr
Rechtsanwalt Michael Gelhard empfiehlt, Vergleichsangebote ab­zulehnen und vor Gericht auf Rückgabe des Fahrzeuges zu klagen. Das nachträglich angeordnete Software-Update habe zu viele Nachteile, sagt er. Foto: Franz Köster
Rechtsanwalt Michael Gelhard empfiehlt, Vergleichsangebote ab­zulehnen und vor Gericht auf Rückgabe des Fahrzeuges zu klagen. Das nachträglich angeordnete Software-Update habe zu viele Nachteile, sagt er. Foto: Franz Köster

 

Herr Gelhard, wer hat Anspruch auf das Vergleichsangebot?

Michael Gelhard: Ein Vergleichsangebot erhalten nur die­jenigen, die sich bis zum 30. September 2019 der Musterfeststellungsklage der Verbraucherzentrale angeschlossen haben und ein Auto mit dem EA-189-Motor besitzen, das vor dem 31. Dezember 2015 gekauft wurde. Alle anderen, und das ist der weitaus größere Teil, erhalten kein Vergleichs­angebot, können aber noch individuell Klage erheben.

 

Telefonische Beratung

Der Rechtsanwalt Michael Gelhard berät Geschädigte im Rahmen einer Sprechstunde bei der Verbraucherzentrale. Ein Termin, der unter der Rufnummer 05251/6834901 vereinbart werden kann, ist notwendig. Ebenfalls können auch andere Rechtsfragen beraten werden.

...

Gibt es für Kunden, die sich der Klage zu spät angeschlossen haben, denn noch eine andere Möglichkeit, den VW-Konzern für die Täuschung in Regress zu nehmen? Und was ist mit den Käufern, die ihr Auto nach dem 31. Dezember 2015 gekauft haben?

Gelhard: Allen Betroffenen, die sich der Musterfeststellungsklage bis zum 30. September 2019 wirksam angeschlossen haben, steht nach wie vor bis zum 20. Oktober dieses Jahres der Klageweg offen, danach kann die Sache verjährt sein. Wer sich erst nach dem 30. September 2019 der Musterfeststellungsklage angeschlossen hat, konnte sich nicht mehr wirksam anschließen, so dass es für dessen Ansprüche wegen möglicher Verjährung auf dessen Kenntnis vom Betrug ankommt, was im Einzelfall genauer zu prüfen wäre.

 

Sollten Kunden das Vergleichsangebot annehmen?

Gelhard: Für alle die sich der Musterfeststellungsklage angeschlossen haben und die tatsächlich ein Vergleichsangebot er­halten, wäre das eine schnelle und unkomplizierte Lösung. Ich empfehle meinen Mandanten aber, zu prüfen, ob die angebotene Einmalzahlung deren Interessenlage entspricht oder ob es nicht besser für sie wäre, auf Rückgabe des Fahrzeuges zu klagen.

 

Wieso? Ein Vergleich über vielleicht 5000 Euro klingt doch zunächst nicht so schlecht.

Gelhard: Durch das nachträg­liche Pflicht-Update der manipulierten Abgasrückführungseinheit ist das Auto möglicherweise schlechter geworden. Die Reparaturanfälligkeit des Abgasrückführungssystems scheint nach Angaben von Mandanten massiv gestiegen zu sein. Was nützt der Vergleich, wenn das Geld von notwendigen Reparaturen aufgefressen wird. Ich empfehle meinen Mandanten, ein solch Mängel behaftetes Fahrzeug zurückzugeben.

 

Lässt sich VW darauf denn überhaupt ein?

Gelhard: Bis auf einen speziellen Fall waren alle Klagen vor Gericht erfolgreich.

Nun waren ja nicht nur VW-Kunden von Manipulationen betroffen, auch andere Hersteller haben ihre Kunden getäuscht.

Gelhard: Die Manipulation von VW hatte eine andere Qualität. Mehrere Oberlandesgerichte sprechen in Urteilen sogar von einer vorsätzlichen sittenwidrigen Schädigung durch VW. Das müsste den anderen Autoherstellern auch erst nachgewiesen werden, was schwierig werden könnte.

Kommentare

Dan  schrieb: 06.04.2020 13:11
Nicht alle Ausschlüsse
Leider sind noch mehr Kunden vom Vergleich ausgeschlossen:
- Geschäftswagen
- Wohnsitz bei Kauf außerhalb der BRD
- Leasing
- Forderung abgetreten
- Verkauf vor 2016 (wenn späterer Besitzer auch anspruchsberechtigt ist)
1 Kommentare
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