In Coronazeiten wächst der Wunsch nach einem Tier aus dem Heim
Mehr Vermittlungen als sonst

Paderborn (WB). Wegen des Coronavirus vermittelt das Tierheim in Schloß Neuhaus jetzt mehr Katzen und Hunde als sonst. Aber das ist auch der einzige positive Effekt der Pandemie. Der Wegfall von Einnahmen aus Flohmärkten und Festen bereitet ­große Sorgen.

Montag, 06.04.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 06.04.2020, 07:32 Uhr
Gabi Votsmeier mit Pippin (4). Bei dem Kater handelt es sich um ein Fundtier. Pro Jahr vermittelt das Tierheim an der Hermann-Löns-Straße bis zu 500 Katzen und 90 Hunde. In den Sommermonaten landen besonders viele Tiere im Heim. Foto: Jörn Hannemann
Gabi Votsmeier mit Pippin (4). Bei dem Kater handelt es sich um ein Fundtier. Pro Jahr vermittelt das Tierheim an der Hermann-Löns-Straße bis zu 500 Katzen und 90 Hunde. In den Sommermonaten landen besonders viele Tiere im Heim. Foto: Jörn Hannemann

„Früher war es vor den Oster­ferien total mau, da wurden Tiere eher abgegeben“, sagte Gabi Votsmeier dieser Zeitung. Die Geschäftsführerin des Vereins „Tiere in Not“, der das Heim betreibt, beobachtet aber im Moment: „Die Leute sind ans Haus gefesselt und die Nachfrage nach Tieren ist größer.“ Zahlenmäßig schlägt sich das etwa bei den scheuen Jungkatzen nieder. Tummelten sich Ende 2019 noch etwa 40 im Tierheim, so sind es jetzt nur noch ein Dutzend.

Weil die Menschen wegen der Ausgangsbeschränkungen, Geschäftsschließungen oder wegen Kurzarbeit unerwartet viel Zeit haben, ziehen einige die Anschaffung eines Tieres offenbar vor. Gabi Votsmeier hofft, dass es sich nicht um Schnellschüsse handelt und die Katzen wieder bei ihr landen, wenn die Corona-Krise überwunden ist. Corona sollte nicht der ausschlaggebende Punkt für die Anschaffung sein.

Abgabe von Tieren nur nach vorheriger Terminabsprache

Pro Jahr vermittelt das Tierheim bis zu 500 Katzen und 90 Hunde. Obwohl die Einrichtung an der Hermann-Löns-Straße wegen des Virus geschlossen ist, wird die Abgabe von Tieren fortgesetzt – allerdings nur noch nach vorheriger Terminvergabe. „Wir wollen die Zahl der Menschen auf dem Gelände auch aus Eigenschutz geringhalten“, sagte Votsmeier. Wer sich für eine der zurzeit 55 Katzen oder für einen der 20 Hunde interessiert, kann sich per E-Mail (info@tierheim-paderborn.de) oder telefonisch (05254/12355) an das Tierheim wenden.

In normalen Zeiten ist jeder in Schloß Neuhaus willkommen. „Die Auswirkungen des Coronavirus merken wir dadurch, dass uns die Besucher fehlen, die manchmal spontan spenden und zufällig auf ein Tier aufmerksam werden“, erläuterte die Geschäftsführerin des Vereins. An einem normalen Samstag oder Sonntag kämen bis zu 60 Menschen zum Vereins­gelände. Weil das Tierheim geschlossen ist, können jetzt zum Beispiel Futterspenden nur noch davor abgegeben werden. Hart treffe das Team, dass der Schnäppchenflohmarkt nicht stattfinden durfte. Und ob das Sommerfest im Juni gefeiert werden könne, sei auch noch offen. Fest eingeplante Einnahmen ­fielen dadurch weg.

Zwischen Juli und September landen 60 bis 80 Katzen im Tierheim

Etwa 500.000 Euro braucht das Tierheim jedes Jahr, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. Votsmeier rechnete vor: „Mit Glück kommt das Geld durch Spenden, Beiträge, Vermittlungsgebühren und Feste wieder rein. Aber was uns im ersten Vierteljahr fehlt, wird eigentlich in den Sommermonaten gebraucht und verwendet.“ In der Zeit zwischen Juli und September wird das Tierheim mit Katzen sinngemäß zugeworfen. 60 bis 80 landen dann pro Monat dort, weil Besitzer sie loswerden wollen. „Wir sind noch nicht in finanzieller Not“, sagte Gabi Votsmeier, aber sie kündigte an, dass das Tierheim wegen der Auswirkungen der Corona-Krise einen Antrag auf finanzielle Unterstützung stellen werde.

Auch die Tierheime wollen Antrag auf finanzielle Unterstützung stellen

Damit folgt sie einer Empfehlung des Deutschen Tierschutzbundes, in dem 550 Tierheime organisiert sind. „Auch die Tierheime in Deutschland unterliegen den Regeln für Geschäftsbetriebe und sollten in der derzeitigen Krise im Rahmen der Förderung auch als solche behandelt werden“, meint der Präsident des Tierschutzbundes Thomas Schröder. Den Vereinen, die Tierheime betreiben, solle mit Zuschüssen ohne Pflicht zur Rückzahlung schnell und unbürokratisch geholfen werden, um die Versorgung der Tiere zu gewährleisten. Die Vereine seien nicht in der Lage, nennenswerte Rücklagen zu bilden, sagte Schröder.

Was ist mit der Versorgung der Hunde und Katzen in Schloß Neuhaus? Es sei sichergestellt, dass sie genügend Futter erhalten und die Hunde vor die Tür kommen, betonte Gabi Votsmeier. Ein fester Kreis von etwa 15 Personen gehe mit ihnen Gassi.

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