Schutzausrüstung knapp: Elsener Praxis wird in Schweden fündig
Zahnarzt arbeitet mit Filtersystem

Paderborn (WB). Zahnärzte sind in der Corona-Krise besonders gefährdet: Sie arbeiten am offenen Mund der Patienten – und haben damit ein hohes Risiko, andere mit dem Virus, das durch Tröpfcheninfektion übertragen wird, anzustecken oder ihn sich selbst einzufangen. Eine geeignete Schutzausrüstung ist lebenswichtig, doch daran hapert es fast überall.

Dienstag, 07.04.2020, 08:00 Uhr aktualisiert: 07.04.2020, 09:48 Uhr
Zahnärzte kommen ihren Patienten zwangsläufig nah und setzen sich einem hohen Risiko aus: Heinrich Reinstädler, hier mit Assistentin Laura Hustadt, setzt deshalb auf eine Vollatemschutzmaske eines schwedischen Herstellers mit Virenfilter. Foto: Jörn Hannemann
Zahnärzte kommen ihren Patienten zwangsläufig nah und setzen sich einem hohen Risiko aus: Heinrich Reinstädler, hier mit Assistentin Laura Hustadt, setzt deshalb auf eine Vollatemschutzmaske eines schwedischen Herstellers mit Virenfilter. Foto: Jörn Hannemann

Die Verunsicherung ist in vielen Praxen groß: Einerseits müssen und wollen sie ihrem gesetzlichen Sicherstellungsauftrag nachkommen, also ihre Patienten behandeln. Wo sie ihre Schutzausrüstung wie zum Beispiel virensichere Mundschutzmasken herbekommen sollen, konnte ihnen bis dato aber keiner sagen. Davon betroffen war auch Zahnarzt Heinrich Reinstädler, der seit 1994 in Elsen die Praxis „Zähne in Balance“ betreibt. Auch er beklagt fehlende Unterstützung: „Die Standesvertretung, die Kassenzahnärztliche Vereinigung, mahnt zwar zur Pflichterfüllung, entsprechende Schutzkleidung kann aber nicht gestellt und geliefert werden.“ Zu bedenken gibt er, dass normale Mundschutze nicht virendicht seien.

Vollatemschutzmaske mit effektivem Virenfiltersystem

Durch den Tipp einer Kollegin aus Bielefeld, über die auch das WV berichtete, habe er eine gute Lösung gefunden, „die meinen Patienten, meinen Mitarbeitern und mir Sicherheit auch in Corona-Zeiten garantiert“. Auf seine Eigeninitiative und mit viel Mühen und Aufwand sei es ihm gelungen, eine Vollatemschutzmaske mit effektivem Virenfiltersystem zu erhalten.

„Meine Rundreise führte mich von Elsen über Bielefeld nach Lauenhagen zu einem Mitarbeiter einer Firma in Schweden, welche eigentlich für industrielle Einsatzzwecke solche Schutzmasken der Virenklasse P3 herstellt“, erzählt der 57-jährige Zahnarzt, der auch seine Kollegen auf die Systeme aufmerksam machen möchte.

Mittlere vierstellige Summe investiert

Eine mittlere vierstellige Summe habe er in die vier akkubetriebenen Atemschutzmasken investiert, die vom Aussehen ein wenig an eine Mischung aus Imkermaske und Haube für Astronauten erinnert. Ein weiterer Vorteil sei, dass es von den Virenfiltern, die über einen Schlauch verbunden an der Hüfte getragen werden, noch genügend Exemplare gebe.

Wie viele weitere Zahnärzte in Paderborn hat jedoch auch Heinrich Reinstädler den Betrieb in seiner Praxis heruntergefahren und auf drei Stunden Behandlungszeit eingeschränkt. Viele Patienten hätten auch von sich aus Termine auf Eis gelegt, wenn Behandlungen aufschiebbar sind – aus Sorge vor Ansteckung. Rein­städler: „Zahnärzte sind dadurch massiv vom Patientenrückgang und Umsatzrückgängen betroffen. Die neuen Masken ermöglichen es uns, in einem normalen Rahmen weiterarbeiten zu können. Sie sind eine große Erleichterung.“ So könnten sein Team und er geschützt am Patienten arbeiten. Explizit bedankt er sich bei seinen Mitarbeiterinnen, aber auch den Kräften anderer Zahnärzte, die in dieser Situation zusammen ihren Dienst tun.

Kommentare

Kinemod  schrieb: 07.04.2020 14:51
Zahnarzt arbeitet mit Filtersystem
Danke für den Bericht über den Zahnarzt, der mit seinem besonderen Filtersystem aus Schweden arbeitet.
Ich finde es bewundernswert, dass er sich so für den Arbeitsschutz seiner Mitarbeiterinnen und von sich bemüht. Endlich kommt einmal zur Sprache unter welchem Risiko der Zahnarzt und seine Mitarbeiterin schon immer und dieser Tage im Besonderen arbeiten müssen.
Ich darf allerdings auch Kritik äussern. Der Satz . "Die neuen Masken ermöglichen es uns, in einem normalen Rahmen weiterarbeiten zu können. Sie sind eine große Erleichterung.“ So könnten sein Team und er geschützt am Patienten arbeiten." verursachen einen völlig falschen Eindruck. Kein Therapeut im Gesundheitswesen kann so weiterarbeiten wie bisher. Sie sind wie viele andere die Schnittstellen zwischen den Menschen. Und damit potentieller Überträger einer Erkrankung von der sie gar nicht wissen ob sie oder der Patient den sie gerade "mit Selbstschutz" behandeln hat und friedlich überträgt. Die Symptome treten halt meisst erst 14 Tage nach der Infektion auf. Häufig auch gar nicht. Und das bedeutet nicht dass sie für alle glimpflich ablaufen. Auch der Antikörpernachweis bei ihm und der Mitarbeiterin heisst nicht dass er nicht irgendwo übertragen kann ( Kleidung, Flächen, Türklinken...) Das Händeschütteln was viele ja schon lange nicht mehr durchführen ist der kleinste Punkt. Viele Gesundheitsdienstleister beschränken deswegen die Behandlung auf das Allernotwenigste. Ein sinnvoller wenn auch aus wirtschaftlichkeitsgesichtspunkten sehr schmerzhafter Grund. Für die Notfallbehandlung oder Schmerztherapie dann natürlich einen Schutz für die Mitarbeiterin und sich zu tragen ist natürlich der beste Gedanke. Bleiben sie Gesund und denken sie neben dem Selbstschutz an den Schutz der anderen vor ihnen. Ich stelle fest, dass es mache "Maskenschönheit" gibt..
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