Blumenhandel kämpft in der Corona-Krise mit massivem Preisverfall
Tulpen für die Tonne

Paderborn (WB). Der Blumenstrauß für die Großeltern und Freunde gehört zum Osterfest dazu. Eigentlich. Diesmal war es anders. Wegen des Coronavirus fielen Besuche und Ausflüge aus – und das hat auch das Paderborner Unternehmen Cornielje zu spüren bekommen.

Dienstag, 14.04.2020, 19:00 Uhr
Die Mitarbeiterinnen Angelika Popp (52/links) und Christiane Müller (30) inmitten eines bunten Blumenmeers im Cornielje-Geschäft an der Balhornstraße in Paderborn. Während die vier Geschäfte des Paderborner Unternehmers bis zu zwei Wochen schließen mussten, läuft das Geschäft auf den Wochenmärkten nach Worten von Gerardus Cornielje „überraschenderweise gut weiter“. Foto: Schwabe
Die Mitarbeiterinnen Angelika Popp (52/links) und Christiane Müller (30) inmitten eines bunten Blumenmeers im Cornielje-Geschäft an der Balhornstraße in Paderborn. Während die vier Geschäfte des Paderborner Unternehmers bis zu zwei Wochen schließen mussten, läuft das Geschäft auf den Wochenmärkten nach Worten von Gerardus Cornielje „überraschenderweise gut weiter“. Foto: Schwabe

Seit 1955 betreibt Cornielje in der Domstadt einen Großhandel mit Schnittblumen, Topfpflanzen und Dekorationsartikeln, beliefert fünf Wochenmärkte in der Region sowie Tankstellen und Kioske und unterhält selbst vier Blumenläden in Paderborn.

Werden bei der für den Großhandel zuständigen Cornielje OHG in normalen Wochen vor Ostern bis zu 40.000 Sträuße pro Woche bestellt, waren es diesmal nur 22.000 bis 25.000. Zum Glück erlaubte die niedersächsische Landesregierung den eigenen Gartenmärkten gerade noch rechtzeitig vor Ostern, wieder zu öffnen. Sonst wäre die Zahl der Sträuße noch drastischer gesunken. „Direkt nach dem 16. März, als die Ausgangsbeschränkungen und Geschäftsschließungen verhängt wurden, hatten wir nur 1000 Sträuße in Bestellung“, erzählt Gerardus Cornielje.

Mehr Topfblumen, weniger Sträuße verkauft

In dem Familienunternehmen mit Vater Gerardus und Bruder Wilhelm betreut der nach seinem Vater benannte 42-jährige Gerardus den Einzelhandel, also die Blumengeschäfte. Ostern ist Hochsaison, da muss Geld in die Kassen kommen. „Ostern und Muttertag sind die Geschäfte, von denen wir lange zehren müssen“, betonte Gerardus Cornielje gegenüber dem WV. In diesem Jahr habe man weniger Sträuße, aber dafür mehr Topfblumen verkauft, sagte er. Generell fänden Blumen auch in schlechten Zeiten noch Abnehmer: „Mein Vater sagt immer: ‚Blumen laufen, auch damals im Krieg haben die Menschen Blumen gekauft‘.“

Spürbarer Umsatzrückgang

Egal ob in der Vase oder im Kasten auf dem Balkon: Blumen erfreuen die Herzen und schmücken Wohnungen und Häuser. Der Umsatzrückgang wegen der Corona-Krise ist für Gerardus Cornielje trotzdem spürbar. Er sprach von einer „der schwierigsten Zeiten“ in der Firmengeschichte. Dies auch deshalb, weil er seine vier Läden bis zu zwei Wochen lang schließen musste. Die 14 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Blumen Cornielje nahmen Urlaub, bauten Überstunden ab oder gingen in Kurzarbeit. Zur OHG gehören weitere 75 Mitarbeiter. Weil die Läden wie der an der Balhornstraße zeitweise dicht waren, konnten keine Kunden kommen und Geld bringen.

Apropos Geld: Die Corona-Krise hat zu einem massiven Preisverfall bei Blumen geführt und zu einer massenhaften Vernichtung mangels Nachfrage. Gerardus Cornielje erklärte: „Das ist wie bei einer Uhr, die rückwärts läuft. Wenn die Nachfrage fehlt, geht sie bis auf den Minimumpreis zurück, und wenn sich dann auch keine Käufer finden, geht die Ware in die Vernichtung.“ Er habe zwar in den vergangenen Wochen billig Blumen kaufen können, aber das habe ihm nichts genutzt, weil die Läden geschlossen waren, „so dass wir sie nicht verkaufen konnten“.

 

„Das Geschäft auf den Wochenmärkten läuft überraschenderweise gut weiter“

Gerardus Cornielje

 

Im Gegensatz zu Toilettenpapier lässt sich Frischware wie Blumen, Obst und Gemüse nicht unbegrenzt lagern. Gerardus Cornielje ist Niederländer, und wenn er sieht, wie seine Heimat, eine Hochburg des Blumenexports, leidet, tut ihm das weh. An der maßgeblichen Blumenbörse in Aalsmeer bei Amsterdam ist laut einem „Tagesschau“-Bericht seit Beginn der Ausgangsbeschränkungen, Veranstaltungsverbote und der Grenzschließungen der Handel um 85 Prozent eingebrochen. Der Preis für einen Stiel Blumen fiel demnach von 25 auf fünf Cent. Das Paderborner Unternehmen Cornielje kauft nicht in Aalsmeer, sondern bei der Blumenversteigerung in Herongen im Kreis Kleve nahe der Grenze zu Holland ein. Neben Ware aus den Niederlanden stammt vieles von deutschen Pflanzenzüchtern. Auch Tulpen, die so typische Blume der Nachbarn.

Wie geht es nach Ostern in Paderborn weiter? Dann werde das Geschäft abflauen, erwartet Gerardus Cornielje. Die Menschen hätten ihre Gärten und die Gräber auf den Friedhöfen schon vor Ostern fertig gemacht. Mit Sorge blickt er auf die nächsten Wochen. Breitet sich das Coronavirus weiter stark aus? Müssen die Geschäfte doch wieder schließen? Aber es gibt auch positive Zeichen. „Das Geschäft auf den Wochenmärkten läuft überraschenderweise gut weiter“, hat Gerardus Cornielje beobachtet. In Paderborn, Höxter, Brakel, Gütersloh und Wiedenbrück halten die Menschen den Händlern dort die Treue.

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