Libori und Co.: Bürgermeister Dreier reagiert auf Verbot von Großveranstaltungen
„Ein Stich ins Herz der Paderborner“

Paderborn (WB). Viele hatten die Hoffnung schon längst aufgegeben. Jetzt besteht Gewissheit: Das größte Volksfest der Region – Libori – wird 2020 der Corona-Krise zum Opfer fallen. Paderborns Bürgermeister Michael Dreier (CDU) zeigte sich am Mittwochabend tief enttäuscht: „Das ist ein Stich ins Herz der Paderborner. Aber mit dieser Entscheidung müssen wir leben und sie akzeptieren.“

Mittwoch, 15.04.2020, 20:04 Uhr aktualisiert: 15.04.2020, 20:08 Uhr
Libori (Foto), der Schlosssommer in Schloß Neuhaus und das Asta-Sommerfestival fallen in den Zeitraum bis zum 31. August. Foto: Jörn Hannemann
Libori (Foto), der Schlosssommer in Schloß Neuhaus und das Asta-Sommerfestival fallen in den Zeitraum bis zum 31. August.

Auch wenn am Abend die offizielle Absage noch ausstand: Libori wird – wie viele andere Events auch – unter das Veranstaltungsverbot fallen, das bis zum 31. August beschlossen worden ist. Die Entscheidung hatten Kanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten am Mittwoch getroffen. Das Asta-Sommerfestival an der Uni (4. Juni) fällt ebenso in den Zeitraum wie der Schlosssommer in Schloß Neuhaus. Auch die Schützenfestsaison ist am 31. August so gut wie gelaufen.

„Das tut richtig weh“

Sprachlos zeigte sich am Abend Uwe Seibel, Vorsitzender der Paderborner Werbegemeinschaft angesichts der Hiobsbotschaft. Das geplante Paderborner Frühlingsfest vom 8. bis 10. Mai mit Livebands, Kleinkunst und Co. wird nun vom Veranstaltungskalender gestrichen. „Wir haben es kommen sehen, trotzdem tut es richtig weh. Das Engagement und die ganze Arbeit ist hin. Die Schausteller, die Kultur, die Gastronomie, der Einzelhandel – alles, was wir hiermit in Paderborn nach vorne bringen wollten – fällt aus.“ Seibel zeigte trotz der großen Enttäuschung Verständnis: Die Gesundheit habe Priorität. Und was wird aus dem Paderbrunch Anfang Juni? „Wir werden versuchen etwas Kreatives auf die Beine zu stellen“, gab Seibel einen Ausblick. Dazu werde es noch in dieser Woche Gespräche geben.

Öffnung unter Auflagen

Der Paderborner Bürger-Schützenverein hatte bereits zu Ostern angekündigt, dass eine Absage des Traditionsfestes im Juli dazu führen könnte, dass für das amtierende Königspaar samt Hofstaat eine Lösung gefunden werden müsse, es gebührend zu würdigen. Was der Stichtag 31. August letztlich für das Kreisschützenfest 2020, das im Lippedorf Boke vom 4. bis 7. September gefeiert werden soll, bedeutet, ist derzeit noch unklar.

Immerhin stehen auch Lockerungen in Aussicht, die vom 20. April gelten sollen. Danach könnten Geschäfte mit bis zu 800 Quadratmetern wieder öffnen – allerdings nur unter strengen Hygieneauflagen. Das begrüßte Dreier ausdrücklich, gab aber zu bedenken, dass „das nur 40 Prozent der gesamten Verkaufsfläche der Innenstadt ausmacht, weil die großen Geschäfte weiter geschlossen bleiben müssen“.

Lösung für größere Geschäfte gesucht

Wie am Dienstag berichtet, hatte sich die Interessengemeinschaft Innenstadt mit der Frage beschäftigt, wie unter Auflagen ein Geschäftsbetrieb organisiert werden kann. Uwe Seibel von der Werbegemeinschaft betonte, dass sich nun die Händler mit der Umsetzung von Abstandsregeln, Vermeidung von Warteschlangen und Hygienevorschriften befassen müssten. Er gab außerdem zu bedenken, dass es auch eine Lösung für die Mode- und Kaufhäuser in der Stadt geben müsse, die mehr als 800 Quadratmeter Verkaufsfläche haben. „Unsere Innenstadt lebt von der Vielfalt der unterschiedlichen Angebote, von Groß und Klein. Es ist nun mal ein bunter Blumenstrauß des Handels. Wir müssen für Paderborn eine gute Lösung finden. Und die benötigt auch unsere Gastronomie.“

Von den am Mittwoch beschlossenen Lockerungen könnte zumindest die Gartenschau Bad Lippspringe profitieren. Danach sollen auch wieder botonische Gärten öffnen dürfen. Derzeit ist das Gelände in Bad Lippspringe geschlossen.

Kommentare

H.Pohl  schrieb: 17.04.2020 19:34
Libori-Absage
Endlich eine positive Mitteilung in dieser Corona-Zeit.
G.Hense  schrieb: 16.04.2020 19:38
Lösung für größere Geschäfte gesucht
Läden bis 800 qm zu öffnen und die Großen zu lassen .Da kratze ich meinen Kopf und frage mich nach dem Sinn. Ist es besser wenn kleine Läden überfüllt sind ,oder man in Schlangen vor den Geschäften wartet. Macht es nicht mehr Sinn alle Läden zu öffnen ,so dass sich die Menschen verteilen...
Tytoalba  schrieb: 16.04.2020 16:19
Richtig!
Diese Entscheidung war zu erwarten und ist absolut richtig.

Wenn man nicht weiß, was dies alles bedeutet - und das könnte ja wohl so sein, wenn etwas geschieht, das wir nicht kennen - , dann sollte man, nein: muss man Konsequenzen ziehen und tragen, die den Mitmenschen, die ja womöglich auch im nächsten Jahr zu Lunapark oder Libori kommen könnten, das Weiterleben zu ermöglichen.
Alles andere wäre menschenverachtend!

Mir persönlich fehlt da nichts. Denn zu Lunapark war ich seit der Kindheit meiner Kinder nicht mehr und zu Libori war(!) ich bisher im Urlaub...
Also - ich hab auch dieses Jahr nichts davon...

Dennoch:
Allen, die es mögen, aufsuchen (wollten) und sich auf das nächste Jahr freuen:
Bleibt gesund!
Willi Krause  schrieb: 16.04.2020 12:36
Verschieben in den Herbst
Muss den Vorschreibern zustimmen - gewisse Dinge kann man einfach verschieben - auch Libori oder ein Schützenfest. Was mich mehr nervt, ist das Gejammer des Einzelhandels und des Herrn Seibel. Wenn ich nur ein bisschen modern denken würde, hätte man einiges über Onlinestores abgefangen. Aber wenn sich namhafte Vertreter unserer City sich immer noch des Marketings und der Kommunikation des 21. Jh. verweigern, bekommt man in solchen Situationen die Antwort auf Altersstarrsinn. Recht geben muss ich den Vertretern allerdings in Sachen unterschiedliche Behandlung der Baumärkte am Stadtrand - das geht nicht. Im übrigen möchte ich darauf hinweisen, das solch verödete Innenstädte doch genau das ist, was rot-grün, FFF, NABU und wie die alle heißen, vorschwebt. Jetzt dürfen wir schon mal perspektivisch schnuppern. p.s.: wo sind rote, grüne, blaue, gelbe und braune eigentlich geblieben - gibt es die noch?
Ein Paderborner  schrieb: 16.04.2020 11:48
Keine Übertreibung
Ich zitiere hier mal eine Website:

"eine schwere Kränkung / seelische Verletzung; ein seelischer Schmerz; ein Ereignis, das jemanden kränkt / innerlich verletzt / schmerzt; ein Umstand, der jemanden hart trifft"

Wie sie sagen: "Es macht Paderborn sehr traurig" - "Ein Stich ins Herz" ist eine treffende Formulierung!


P.S. Wirklich SPRACHLOS zeigte sich am Abend Uwe Seibel nicht, denn er hatte ja was zu sagen.
pber  schrieb: 16.04.2020 00:16
Verschieben
Libori kann man ganz hervorragend auf den Herbstlibori-Termin verschieben, zumindest als mittelfristige Planung. Das mag nicht ideal sein, aber allemal besser als es komplett ausfallen zu lassen. Es spricht wenig dagegen, statt im Sommer einfach halt im Herbst "groß" zu feiern.
Elsener  schrieb: 16.04.2020 00:02
Eine Übertreibung

Für mich ist die Formulierung "Das ist ein Stich ins Herz der Paderborner" eine Übertreibung.

Ein Stich ins Herz tötet. Kein Libori zu feiern, tötet nicht.

Es macht Paderborn sehr traurig, das stimmt.

Aber gerade in dieser schwierigen Zeit sollte man gut auf seine Worte achten - vor allem als Amtsträger.

Und ein Fest, das nicht gefeiert werden kann, ist nun mal kein Stich ins Herz. Es ist traurig aber es tötet niemanden.

Mal ganz davon abgesehen, daß die Nachricht, kein Libori findet statt wirklich niemanden ernsthaft überrascht haben dürfte.

7 Kommentare
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