Schülern sollen neue Verzögerungen erspart bleiben
Schulleiter begrüßen schrittweise Öffnung

Paderborn (WB). Der Leiter des Reismann-Gymnasiums, Siegfried Rojahn, begrüßt die Entscheidung der Landesregierung, die Abiturprüfungen trotz des Coronavirus nicht zu verschieben. „Ich wünsche mir, dass wir das jetzt über die Bühne bringen, jede weitere Verzögerung bedeutet für die Schüler Unsicherheit“, sagte er am Donnerstag dem WV. Die jungen Leute stünden unter Druck und planten zum Beispiel ihr Studium.

Donnerstag, 16.04.2020, 22:00 Uhr
Ins Reismann-Gymnasium kehrt neues Leben ein. Im ersten Schritt werden jetzt die angehenden Abiturienten auf die anstehenden Prüfungen vorbereitet. Foto: Oliver Schwabe
Ins Reismann-Gymnasium kehrt neues Leben ein. Im ersten Schritt werden jetzt die angehenden Abiturienten auf die anstehenden Prüfungen vorbereitet. Foto: Oliver Schwabe

Die Abiturklausuren sollen wie berichtet ab dem 12. Mai geschrieben werden. Das NRW-Schulministerium teilte den Schulen am Mittwoch mit, sie sollten die Vorbereitungen für die teilweise Wiederaufnahme des Schulbetriebs treffen und vom 23. April an diejenigen Schüler unterrichten und vorbereiten, die unmittelbar vor Prüfungen wie dem Abitur stehen. Es gehe um „gezielte Angebote in den Prüfungsfächern“ für die Jahrgangsstufen 10, 12 und 13, erläuterte Schulministerin Yvonne Gebauer am Donnerstag.

Prüfungen mit gefordertem Mindestabstand

Die Prüfungen auch mit dem geforderten Mindestabstand abzuhalten, sei „machbar“, glaubt Siegfried Rojahn: „Wir haben einige größere Räume. Wir können die Schüler auf zwei Räume verteilen und die Aufsicht verdoppeln.“ Dass zuerst nur die 115 Mädchen und Jungen an die Schule zurückkehren, die vor dem Abitur stehen, hält der Schulleiter für die richtige Entscheidung: „Unter den gegebenen Umständen ist es sicherlich die besser vorstellbare Variante, dass wir mit weniger Schülern anfangen.“ Dadurch sei es auch leichter, den Mindestabstand auf dem Gelände und auf den Fluren einzuhalten. Generell müsse man hier auf den guten Willen der Schüler setzen: „Wir sind darauf angewiesen, dass die Schüler das mit dem Abstand selbsttätig machen.“

Zu der Frage, wie der Schulbetrieb konkret aussehen soll, wünscht sich Rojahn klare Informationen vom Land. Er hält nichts davon, das Abitur in diesem Jahr wegen des Coronavirus ohne Leistungsnachweis zu vergeben. In Bewerbungsgesprächen müssten junge Leute dann mit Bemerkungen wie „Naja, das Abitur 2020 war ja wegen Corona halb geschenkt“ rechnen.

Schutzmasken für Schüler und Lehrer kann sich der Schulleiter vorstellen – allerdings eher auf Fluren und dem Pausenhof als im Unterricht in den Klassen: „Es dürfte schwierig sein, durch eine Maske hindurch so laut zu sprechen, dass es überall zu hören ist.“

55 Bewerber wollen im Westfalenkolleg Abitur machen

Im Westfalenkolleg werden in der kommenden Woche zuerst die Vorabiturklausuren im Grundkursbereich geschrieben und dann die Abiturprüfungen abgenommen. „Wir sind gut vorbereitet“, sagte die Leiterin Martina Möller und erläuterte: „Wir werden die Personen auf viele Räume verteilen, so dass nur kleine Gruppen zusammen schreiben. Die Abiturienten kommen zeitversetzt nur zu den Klausuren und verlassen das Gelände dann wieder.“ 55 Bewerber wollen im Westfalenkolleg Abitur machen.

Die Beschlüsse der Kanzlerin und der Länderchefs betreffen auch die Grundschulen. Vom 4. Mai an sollen die 4. Klassen als erste zurückkommen. Die Leiterin der Lutherschule, Lena Schön, sagte am Donnerstag: „Ich finde gut, dass es eine schrittweise Öffnung geben soll, aber es muss noch geklärt werden, unter welchen Bedingungen sie erfolgen soll.“ Lena Schön geht davon aus, dass die Klassenstärken mindestens halbiert werden müssen. Mehr als 15 Kinder in einer Klasse hält sie nicht für machbar, soll der Mindestabstand eingehalten werden. In der Lutherschule mit den Standorten am Abdinghof und an der Erzbergerstraße werden sich dann aus drei 4. Klassen sechs Lerngruppen ergeben. Dass die ganz jungen Kinder noch nicht zurückkehren, sei inmitten der Corana-Krise sinnvoll, sagte Schön. Kinder im 1. und 2. Schuljahr würden sich dann mehr mit ihren Schutzmasken als mit dem Unterricht beschäftigen.

Kommentare

M.  schrieb: 17.04.2020 09:25
Wir begrüßen ebenfalls die Abiturprüfungen
Unsere Kinder freuen sich, dass es nun kein "halbes" Abitur ohne Prüfungen gibt. Dies würde den Schülern wirklich lebenslänglich anhängen.

Immerhin zählt jede der vier Prüfungen fünffach und alle zusammen machen 1/3 der Gesamtpunktzahl aus. Das kann man nicht mal soeben durch den Durchschnitt der bisherigen Leisungen ersetzen. Der Schwerpunkt der Oberstufe liegt nun mal in den Abiturprüfungen und unsere Kinder haben dementsprechend gelernt.

Positiv ist die intensive und ablenkungsfreie Vorbereitungszeit. Seit fünf Wochen haben die Schüler keinen zeitraubenden Unterricht mehr und im Internet gibt es alte Abiturklausuren aller Bundesländer, inc. der DDR. Da bleibt jetzt sogar genug Freizeit für Spaziergänge und Radtouren.

Meiner Meinung nach gehört zum Ende der Schulzeit, die immerhin 3/4 des bisherigen Lebens ausgemacht hat, eine richtige Prüfung. Mit etwas Angst vor den Prüfungen, aber auch dem tollen Gefühl nach den Prüfungen.


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