Die ausgewanderte Paderbornerin Silvia Berkemeier schlägt alternatives Fest vor
Auch im Iran wird Libori geliebt

Von Dietmar Kemper

Samstag, 18.04.2020, 09:23 Uhr aktualisiert: 18.04.2020, 09:30 Uhr
Silvia Berkemeier mit ihrer Mutter bei einem Herbstlibori-Besuch. Als Kind hatte sie von ihrer Oma immer „Liborigeld“ für Karussellfahrten bekommen. Foto: Silvia Berkemeier
Silvia Berkemeier mit ihrer Mutter bei einem Herbstlibori-Besuch. Als Kind hatte sie von ihrer Oma immer „Liborigeld“ für Karussellfahrten bekommen.

Paderborn (WB). Die Absage von Libori wegen des Coronavirus beschäftigt auch ehemalige Paderborner, die jetzt im Ausland leben. So hängt Silvia Berkemeier, die es in den Iran verschlagen hat, immer noch an ihrer alten Heimat. Bei Facebook hat die ehemalige Arzthelferin Vorschläge für ein alternatives Liborifest gemacht.

Silvia Berkemeier schlägt Wettbewerb mit Liboriattraktionen vor

Silvia Berkemeier ermuntert die Paderbornerinnen und Paderborner dazu, „eine Liboriattraktion zu bauen, zu basteln und zu malen“ und sie anschließend im Vorgarten, auf dem Balkon oder in Fenstern aufzustellen. Das könnten der Dom, der Liborischrein oder die Front der Geisterbahn sein, sagte die 48-Jährige am Freitag im Telefongespräch aus Babol am Kaspischen Meer, wo sie mit ihrer Freundin, 16 Hunden und einem Esel lebt. Wenn die Menschen in Paderborn Liboritypisches basteln, könne man daraus – wenn sich Sponsoren fänden – einen Wettbewerb machen, schlägt Silvia Berkemeier vor.

Obwohl das Fest ausfalle, könnten trotzdem überall Libori- und Paderbornfahnen aufgehängt werden. Berkemeier denkt an die Schausteller, die die Absage hart trifft. Sie regt an, dass die Bevölkerung Libori-Souvenirs wie T-Shirts, Sticker, Gläser und anderes kauft und der Erlös anschließend an die Schausteller weitergeleitet wird. „Das ist besser, als wenn die Sachen im Müll landen.“

Besuch der Freundin veränderte das Leben

Silvia Berkemeier hatte sich bei einem Besuch ihrer Freundin Azin für den Iran begeistert. Eigentlich waren nur zwei Wochen in Teheran eingeplant, aber dann verlängerte sie ihr Visum noch einmal um zwei weitere Wochen, weil die Menschen dort „so nett“ waren. Nach der Rückkehr nach Deutschland beschloss sie, ganz in den Iran zu ziehen. Das war vor 21 Jahren.

Den Iran nennt sie lieber „Persien“. Diesen Namen verbinde „man einfach mit schönen Dingen. Man denkt gleich an 1001 Nacht, Aladdin und fliegende Teppiche.” Bei der Landesbezeichnung „Iran“ dagegen dächten Menschen sofort an konfliktreiche Politik. Silvia Berkemann lebte drei Jahre in der Hauptstadt Teheran und zog dann mit ihrer Freundin nach Babol und arbeitete dort auf einer Orangenplantage.

Dass Frauen in der Öffentlichkeit ein Kopftuch tragen müssen, hat sie akzeptiert. Den Kontakt zu Paderborn hält sie über Facebook, zudem besucht sie einmal im Jahr ihre Familie. Bei Libori denkt sie an ihre Oma: „Sie hat mir als Kind jedes Jahr 100 D-Mark gegeben, das Liborigeld.“

Bürgermeister bedankt sich für viele Anregungen

Für Bürgermeister Michael Dreier sind Berkemeiers Vorschläge ein Beispiel für viele. Auf Anfrage dieser Zeitung bedankte er sich bei den Menschen „für die vielen Ideen und Anregungen, die ich mit großem Interesse gelesen habe“. Er verspricht: Wir werden sie in unsere weiteren Überlegungen mit einbeziehen.“ Der große Zuspruch zeuge von der Verbundenheit mit Libori. Für die Absage des Jahreshöhepunktes werde vielfach Verständnis geäußert, hat Dreier festgestellt: „Das zeigt, wie verantwortungsvoll viele mit dieser schwierigen Situation umgehen.“

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