Aktion in der Paderborner Innenstadt soll auf Ungerechtigkeit im Einzelhandel aufmerksam machen
Modehaus demonstriert gegen neue Corona-Auflagen

Paderborn (WB/per). Mit einer öffentlichkeitswirksamen Aktion hat das Modehaus Klingenthal am Samstag in der Paderborner Innenstadt gegen das Öffnungsverbot für Geschäfte mit mehr als 800 Quadratmetern Verkaufsfläche demonstriert . Inmitten einer leeren Auslage in den Schaufenstern prangte ein Plakat mit dem Titel „Wir nehmen Abschied”.

Samstag, 18.04.2020, 13:16 Uhr aktualisiert: 18.04.2020, 13:48 Uhr
Auf einem Plakat machten Geschäftsführung und Mitarbeiter ihrem Unmut über die neue Corona-Verordnung Luft. Foto: Elina Wittrock
Auf einem Plakat machten Geschäftsführung und Mitarbeiter ihrem Unmut über die neue Corona-Verordnung Luft. Foto: Elina Wittrock

Darunter hieß es weiter: „...könnte es heißen, weil wir nicht auf 800 Quadratmetern öffnen dürfen.

So könnte es demnächst hier immer aussehen!

Wir brauchen Ihre Unterstützung. Von der Politik bekommen wir keine!

Dieses Unternehmen und über 500 Arbeitsplätze sterben!

Wir sind ein Teil der Innenstadt...aber wie lange noch?

Ausgrenzungspolitik zerstört Innenstädte!

Möbelhäuser, Buchläden und Baumärkte dürfen öffnen...und wir nicht!?

Unsere Freude wird uns genommen!

Abstandsregeln und Hygienemaßnahmen halten auch wir ein!

So sieht das Ende des Mittelstands aus!”

Zahlreiche Passanten blieben vor dem Schaufenster stehen und diskutierten über die Aktion des Modehauses.

Kommentare

Rike  schrieb: 20.04.2020 12:40
Fairness
Es geht um Fairness und Gleichberechtigung.
Um viele kompetente Mitarbeiter und ihre Arbeitsplätze.
Niemand von ihnen möchte sich anstecken und würden mit größter Vorsicht arbeiten.
Ich glaube nicht das Klingenthal zu dieser Zeit mehr Kunden anzieht als andere in der Innenstadt geöffnete Geschäfte.
Anders als bei dm und den Teenieklamottenläden, die bis zum letzten Tag von Schülern gefüllt waren, war vor der Schließung schon wenig los und Vorsicht geboten. (Abstand, kein Händeschütteln mehr, Hygiene)
Längst stand in der Zeitung das Klingenthal Geschäfte gut auf Tag X vorbereitet sind, Desinfektionsmittel, Handschuhe, Spuckschutz,...
Übrigens hat sich Klingenthal vorher schon im Online Geschäft versucht, ist aber nicht das was der Kundenstamm möchte, diese inviduelle Beratung geht nur im Gegenüber.
Mein Mann (Risiko Gruppe) muss weiter LKW fahren, mein Sohn in der Pharmazie Überstunden schieben, also ich denke, wenn Standarts eingehalten werden, sollte es auch für mittelständische Unternehmen möglich sein wieder den Anschluss zu finden. Und ganz sicher finden sich bei Klingenthal und Co nicht so viele Leute ein wie in Centern und Baumärkten.
Ach ja, und wer von den Schimpfenden möchte die jenigen unterstützen die Alleinstehend sind und Kurzarbeitergeld gerade für die Umkosten reicht oder wo Beide nur Kurzarbeitergeld bekommen?
Schützt euch und damit andere und bleibt gesund!
Elsener  schrieb: 19.04.2020 23:43
Ein komisches Unternehmensbild

Was mich an den statements von Klingenthal am meisten irritiert ist, daß immer nur von "wir (als Klingenthal)" die Rede ist: wir könnten hier bald nicht mehr sein, wir sind bald pleite und arbeitslos.

Das ist doch für ein Unternehmen eine völlig falsche Art der Kommunikation. Man müßte doch in den Vordergrund stellen, was man als Unternehemen gerade in diesen Zeiten FÜR SEINE KUNDEN tun könnte - anstatt so rumzujammern.

Wie wärs mal mit online Geschäft, kurzfristige Produktionsumstellung auf Masken und/oder Schutzkleidung, mobiler Verkaufservice oder ähnliche INNOVATIVE UNTERNEHMERISCHE Überlegungen?

Stattdessen stellt man sich hin und weint, daß Kunden nicht mehr in den Laden kommen dürfen, wie man es seit zig Jahrzehnten gewohnt war.

Klingenthal, wach mal bitte schön auf!

Stellt doch einfach mal eure Kunden in den Mittelpunkt eurer Überlegungen - und nicht euch selbst.

Und überlegt euch mal neue, innovative Konzepte. Darin besteht nämlich unternehmerische Qualität - und nicht darin, alles so zu machen wie vor 70 Jahren!

Und vor allem seid konsequent und selbstkritisch:

Das soll heißen, wenn man das mit der Innovation und diesem ganzen modernen Zeug einfach nicht möchte, dann sollte man jetzt auch nicht so rumweinen. Wenn ich Trends verpenne und nicht mit der Zeit gehe, dann muß ich auch die Konsequenzen tragen. Am besten mit Würde und nicht so weinerlich wie hier.



Christel Krenz  schrieb: 19.04.2020 20:41
Was ist das für ein Spiel, das da gerade gespielt wird?
Ikea, der Werrepark in Oeynhausen, das Loom in Bielefeld, Möbelhäuser etc.
öffnen, andere Geschäfte wie Klingenthal bleiben geschlossen? Das Loom in Bielefeld liegt auch in der
Innenstadt, falls das das Argument war -
ein Schelm, der Böses dabei denkt - oder?
Der Protest von z.B. Klingenthal ist absolut nachvollziehbar.
.
In Vlotho habe ich in der letzten Woche beim Einkaufen in 3 verschiedenen Läden genau eine einzige Frau
gesehen, die außer mir eine Schutzmaske trug. Eben in Bad Salzuflen: die Stadt war voll....Schutzmasken Fehlanzeige. Abstand häufig genug Fehlanzeige. Hat man uns in der ersten Covid 19-Zeit laut genug erzählt, Masken bringen nichts oder was ist los?
Grundsätzlich denke ich, daß alle Lockerungen viel zu früh starten. Wenn, dann aber auch für alle in unserem Land gleich und für die Geschäftsleute gerecht - und grundsätzlich, wenn es schon nicht mit der ausdrücklichen Empfehlung unserer Bundekanzlerin geht, dann nur mit SchutzmaskenPFLICHT für alle Orte, an denen die Menschen aufeinandertreffen und die Einhaltung des Abstands nicht grundsätzlich gewährleistet ist. Dazu gehören Geschäfte, aber auch - von jetzt an wieder - Innenstädte. In den Geschäften
zusätzlich Einmalhandschuhe am Eingang (aber die sollen angeblich ja auch nichts bringen, las ich neulich von einem Experten....wahrscheinlich gibt's davon auch viel zu wenig), damit niemand, der sich vorher in die Hand gehustet hat, Tomaten angrabbelt, die der nächste mit nach Hause nimmt.
So müßte es doch gehen, Herr Laschet? Oder pokern Sie gerne?
Irene K.  schrieb: 19.04.2020 13:32
Respekt
Endlich mal ein mittelständischer Unternehmer, der sich traut - sich gegen diese Willkür zu wehren! Es geht doch nicht darum, jemanden zu zwingen bei diesem Unternehmen einzukaufen. Besteht denn das Infektionsrisiko nicht auch in jedem Baumarkt, Blumenladen und in all den Geschäften die am Montag wieder öffnen dürfen!? Den Wunsch sich dagegen zu wehren, kann ich gut nachvollziehen Einem Unternehmer, der nicht nur für sich Verantwortung trägt, vorzuwerfen - Profit vor Gesunheit zu stellen - empfinde ich als beschämend! Ich hoffe nur, dass sich diejenigen bei Ihre Einkäufe bei Billiganbietern oder iOnline tätigen -sich dann auch um die Gesundheit der anderen Menschen sorgen. Ich jedenfalls habe Respekt für diese Aktion!


Miro Kalibova  schrieb: 19.04.2020 12:48
Wirtschafts-Egoismus
"Wir brauchen Ihre Unterstützung. Von der Politik bekommen wir keine!" Wir haben diese Volksvertreter (Politiker) gewählt, um unsere Interessen zu vertreten. Jetzt sollen wir uns gegen die Maßnahmen der Volksvertreter wenden, um Sie (Klingenthal) zu unterstützen? Freuen Sie sich doch bitte darüber, dass Geschäfte wieder öffnen dürfen. Das eröffnet doch eine günstige Perspektive für Sie. Wenn hier jeder - gegen den Rat von Experten - nur seine eigenen Interessen durchsetzen möchte, werden wir kein verantwortungsvolles, erfolgreiches Miteinander erreichen. Ich bin froh und stolz darauf, was Deutschland auch durch gemeinsames Handeln in dieser Krise erreicht hat. Wir unterstützen die 500 Arbeitsplätze bei Klingenthal gerne monetär, aber nicht auf Kosten von Menschenleben. Das wäre unverantwortlicher Wirtschaftsegoismus.
Petra  schrieb: 19.04.2020 11:16
Unglückliche Wortwahl
Mit Ihrem Aushang in der Paderborn Innenstadt haben Sie eine unglückliche Wortwahl getroffen! Ich glaube man kann in der aktuellen Lage in keinster Weise von Ausgrenzungspolitik sprechen! Außer Sie haben den Ernst der Lage immer noch nicht erkannt oder wollen nicht. Große Geschäfte in der Innenstadt mit 800m² würden eine große Zahl von Menschen in die Innenstädte locken und das Risiko sich anzustecken wäre zu hoch. Sie würden selbst Ihre Kunden gefährden! Können sie im Eingangsbereich genügen Mundschutze verteilen? Haben Sie genügen Desinfektionsmöglichkeiten? Gibt es die Möglichkeit Kunden beim Einkauf zu separieren damit es nicht so eng ist? Die Politik macht momentan einen guten Job! Doch Sie rufen die Menschen zur Unterstützung auf! Wollen Sie Kunden mit Demo-Schildern vor Ihrem Geschäft oder wie soll man sich diese Unterstützung vorstellen anstelle der Politik? Sie bauen in dieser Krisensituation doch nur Druck auf und gefährden damit die Gesundheit vieler…
Reinhold Klocke  schrieb: 19.04.2020 10:33
Willkür
Ein Unternehmen, das für Millionen Euro modische Ware vorstrecken muss und momentan in der Saison nicht verkaufen kann, da geht es an die Existenz des Unternehmens, denn die Lieferanten werden nicht ewig auf Zahlungen warten. (Und Klingenthal ist da nicht das einzige Modehaus)
Im Gegensatz dazu darf ein Möbelhaus wie Ikea, wo sich ab Montag wahrscheinlich noch die Grenzgänger aus Niedersachsen durchschieben, öffen. Das ist politische Willkür und absolut nicht zu verstehen!
Manfred Schmidt  schrieb: 19.04.2020 09:33
Nicht für 1 Menschenleben.
Die Wiedereröffnung des Modehauses u. anderen großen Geschäften ist nicht ein Menschenleben wert. Wer das noch nicht verstanden hat, soll mal 1 Woche im Italienischen Krankenhaus Sozialdienst leisten.
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