Ausstellung in Paderborn trotz Corona – Namen der Künstler anonym
Freier Blick auf Kunst

Paderborn (WB). Wo steht denn der Name des Künstlers? Nirgends. Mit einer außergewöhnlichen Ausstellung bricht der Paderborner Kunstverein mit Gewohnheiten und unterstützt gleichzeitig seine unter der Corona-Krise leidenden Mitglieder. „Window Colors – Anonym“ wird heute formlos eröffnet – ohne Reden, Gäste und Künstler, ganz so, wie es die Einschränkungen für den Kunstbetrieb verlangen.

Mittwoch, 29.04.2020, 07:28 Uhr aktualisiert: 29.04.2020, 13:14 Uhr
Alexandra Sucrow und Wolfgang Brenner zeigen zwei Werke von Vereinsmitgliedern, die durchs Schaufenster gesehen und danach gekauft werden können. Foto: Oliver Schwabe
Alexandra Sucrow und Wolfgang Brenner zeigen zwei Werke von Vereinsmitgliedern, die durchs Schaufenster gesehen und danach gekauft werden können. Foto: Oliver Schwabe

28 Werke von Mitgliedern sind bislang aufgehängt und aufgestellt. Von Landschaftsbildern und modernen Stillleben bis zu Skulpturen, Plastiken und einer Assemblage samt Gesichtsmaske, die die bedrohliche Gegenwart widerspiegelt, ist alles dabei. „Wir stellen sie in dem Raum aus, den alle von außen einsehen können, ohne dass wir ihn öffnen müssen“, beschrieb die Vorsitzende des Kunstvereins, Alexandra Sucrow, die „Schaufensterlösung“.

Durchs Fenster gucken ist erlaubt

Der Verein darf seine Räume für Besucher zur Zeit nicht öffnen, aber durchs Fenster zu gucken, ist weiter erlaubt. Wer das tut, erfährt nur die Nummer, den Titel, die Technik und den Preis eines Werks, erläuterte Wolfgang Brenner, der selbst mit einer Arbeit beteiligt ist. Welche das ist, können die Betrachter nur erahnen. Wem eines der zwischen 150 und 900 Euro teuren Werke gefällt, kann eine E-Mail schreiben oder einen Zettel, auf dem die Nummer markiert ist, in den Briefkasten werfen – am besten mit Tag und Uhrzeit für den Fall, dass es mehrere Interessenten für ein Bild gibt.

„Die Menschen kaufen erstmal keinen Namen, sondern nur Kunst“, möchte Alexandra Sucrow die weit verbreitete Fixierung auf die Celebrities in der Kunstszene wie Gerhard Richter oder Damien Hirst aufbrechen: „In unserer Ausstellung suchen sich die Menschen aus, was ihnen gefällt, und erfahren erst dann, von wem das Werk stammt.“

Wolfgang Brenner: „Mir sind vier Ausstellungen weggebrochen.“

55 der 270 Kunstvereinsmitglieder sind künstlerisch tätig, 20 sind auf Verkäufe angewiesen. Ihnen komme der Erlös der auf mehrere Wochen angelegten Verkaufsausstellung zu 100 Prozent zugute, versprach Alexandra Sucrow. Wie es ist, wenn plötzlich keine Kunst mehr gezeigt werden kann, weiß Wolfgang Brenner nur zu gut. „Mir sind vier Ausstellungen weggebrochen“, erzählte er am Dienstag und betonte, die reine Präsenz im Internet bringe keinen Euro in die Kasse. „Es wird kaum Kunst in Zeiten von Corona verkauft“, stellt auch Alexandra Sucrow fest.

Deshalb unterstützt der Kunstverein ebenfalls den „Paderborner Kultur-Soli“ mit einem Farbholzschnitt und einer Führung mit Sekt und Häppchen durch die nächste Ausstellung. Vom 20. Juni an sollen in den neuen Räumen am Kamp Installationen von Jörn Lucius Plaß gezeigt werden – wenn es das Virus zulässt und die Politik es erlaubt. Wolfgang Brenner: „Mitte Mai werden wir sehen, ob wir Einladungskarten und Plakate in Druck geben können.“

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7388098?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198401%2F2512560%2F
Eine magische Botschaft für Max
Der siebenjährige Max, der an einem schnell wachsenden Hirntumor leidet, packt das Überraschungspaket der Ehrlich Brothers aus. „Die kennen sogar meinen Namen“, schwärmt er.
Nachrichten-Ticker