Ein großer Andrang wird nicht erwartet – Kirchen informieren über Vogehensweisen
Gottesdienste ab Mai wieder erlaubt

Köln/Paderborn/Bielefeld (dpa/WB). Abstand zwischen den Betenden, kein Händeschütteln beim Friedensgruß: In den Kirchen in Nordrhein-Westfalen dürfen vom 1. Mai an wieder Gottesdienste mit Besuchern gefeiert werden - unter strengen Corona-Schutzmaßnamen.

Mittwoch, 29.04.2020, 19:47 Uhr aktualisiert: 29.04.2020, 19:50 Uhr
Auch im Hohen Dom in Paderborn wird wieder Gottesdienst gefeiert. Foto: Jörn Hannemann
Auch im Hohen Dom in Paderborn wird wieder Gottesdienst gefeiert. Foto: Jörn Hannemann

„Wir wissen von vielen Gläubigen, dass sie sich sehr über die Wiedereinführung öffentlicher Gottesdienste freuen, weil sie besonders in dieser schweren Zeit Trost und Halt aus dem Glauben schöpfen“, sagte Thomas Klimmek, Sprecher des Kölner Erzbistums. „Dennoch gehen wir angesichts der nach wie vor geltenden Vorsichtsmaßnahmen nicht von einem Besucheransturm aus.“ Auch die Bistümer in Essen und Münster erwarten, dass der Andrang sich in Grenzen halten wird.

Die Teilnehmerzahl bei den Gottesdiensten sei wegen der Abstandsregeln begrenzt, außerdem sei die sogenannte Sonntagspflicht weiterhin ausgesetzt. „Insbesondere Menschen, die zu einer Risikogruppe gehören, verweisen wir nach wie vor auf die Möglichkeit, gestreamte Gottesdienste mitzufeiern“, betonte Klimmek. Bei starker Nachfrage könnten die Pfarrer zusätzliche Gottesdienste - bis zu drei pro Sonntag - anbieten.

Wie viele der Kirchengemeinden überhaupt schon an diesem Wochenende zu öffentlichen Gottesdienste einladen, sei nicht bekannt, sagte ein Sprecher des Bistums Essen. „Denn in den kleineren Gemeinden müssen die ganzen Regularien ja von Ehrenamtlichen umgesetzt werden. Das braucht Vorlauf.“

Umsetzung in der evangelischen Kirche

Das Landeskirchenamt der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) mahnt in einer Handlungsempfehlung an die Gemeinden, im Einzelfall gründlich abzuwägen, ob sie schon ab diesem Wochenende wieder mit Gottesdiensten starten wollen. Leitlinie müsse der Gesundheitsschutz der Teilnehmer sein.

„Presbyterien werden auch zu dem Schluss kommen, dass sie Präsenzgottesdienste derzeit nicht verantworten können. Das ist kein Defizit“, schrieb Johann Weusmann, Vizepräsident der EKiR, an die Gemeinden. Er ermutige dazu, Gottesdienste weiterhin über das Internet anzubieten.

„Wir freuen uns, dass sich die Gemeinde jetzt wieder vorsichtig in der Kirche versammeln kann“, sagte Präses Annette Kurschus von der Evangelischen Kirche von Westfalen. Viele Menschen warteten sehnlich darauf. Abstand und Schutzmaßnahmen müssten aber eingehalten werden, „damit unsere Gottesdienste nicht zu neuen Infektionsherden werden“.

Vereinbart mit dem Robert-Koch-Institut seien klare Regeln. Zu den Regeln gehören demnach markierte Plätze, Handdesinfektion, Mund-Nasen-Schutz, Verzicht auf Berührungen, Betreten und Verlassen der Kirche durch zweierlei Türen.

Um mögliche Infektionsketten nachvollziehen zu können, werden die Gottesdienstbesucher in eine Liste eingetragen. „Schwerfallen dürfte manchen der Verzicht auf das gemeinsame Singen, doch gerade da ist das Infektionsrisiko besonders hoch“, heißt es in einer Mitteilung der Landeskirche. „Aus diesem Grund kommen derzeit im Gottesdienst auch keine Chöre und Posaunenchöre zum Einsatz.“

Auf das Abendmahl solle ebenfalls möglichst ganz verzichtet werden. Ansonsten kämen Einzelkelche zur Anwendung. Die Landeskirche verweist zudem auf die Erfahrungen mit Internet-Gottesdiensten, die eine „willkommene Ergänzung“ seien.

Umsetzung im Paderborner Dom

In einer Mitteilung informiert Dompropst Joachim Göbel über die Ordnung für den Hohen Dom in Paderborn , die von Samstag, 2. Mai, 17.15 Uhr an gilt: Demnach wird an den Werktagen (Montag bis Samstag) eine heilige Messe gefeiert. Außerdem gibt es, außer samstags, von 17 bis 18 Uhr die stille Anbetung. „Um 18 Uhr wird der Dom geschlossen“, heißt es in der Mitteilung. Am Samstagabend wird um 17.15 Uhr die Vesper und um 18 Uhr eine Vorabendmesse gefeiert, für Sonntagmorgen ist um 8 und 10 Uhr eine heilige Messe vorgesehen. Um 17 Uhr gibt es Gelegenheit zur stillen Anbetung. Beichtzeiten gibt es wie gewohnt am Samstagnachmittag. Am Samstag um 12 Uhr ist Angelusgebet und Orgelmatinee (Beginn am 9. Mai).

„Im Internet gibt es weiterhin ab 8 Uhr am Morgen einen kurzen Impuls für den Tag. Bis zum 8. Mai kann man täglich eine heilige Messe aus der Krypta um 18.30 Uhr als Livestream mitfeiern. Welche Messe am Sonntag auch künftig über das Internet zu verfolgen ist, teilen wir noch mit“, so Joachim Göbel.

Im Dom werde ein Ordnungsdienst darauf achten, dass die Abstandsregeln eingehalten und die Höchstzahl an Besuchern nicht überschritten wird. Außerdem helfe der Dienst dabei, einen freien Platz zu finden. Etwa 100 Sitzplätze stünden zur Verfügung, alle seien mit einem weißen Punkt gekennzeichnet, erklärt Göbel. Sind alle Plätze belegt, würden Besucher vom Ordnungsdienst abgewiesen, heißt es weiter.

Für den Gottesdienst sei das eigene Gesangbuch mitzubringen, beim Hinein- und Hinausgehen soll ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden. Die Weihwasserbecken bleiben geleert. Gläubige sollen die Möglichkeit haben, einem geschlossen Behälter Weihwasser zu entnehmen und mit sich nach Hause zu nehmen.

Bei der Messfeier müssen der Küster oder die Küsterin Einmalhandschuhe beim Füllen der Hostienschale tragen. Die Schale bleibe während der gesamten Messfeier – auch bei der Wandlung – mit dem zugehörigen Deckel oder einer Palla abgedeckt. Die liturgischen Gefäße müssen nach jeder Messfeier mit heißem Wasser gereinigt werden. Vor Beginn der Kommunionausteilung müssen sich der Zelebrant und mögliche weitere daran Beteiligte die Hände desinfizieren.

In Bielefeld sollen die Gottesdienste am 10. Mai wieder beginnen.

Zentralrat der Muslime rät zur Zurückhaltung

Der Zentralrat der Muslime (ZMD) rät seinen Moscheegemeinden zunächst zur Zurückhaltung bei einer möglichen Öffnung zum Freitagsgebet. „Menschenleben und Gesundheit haben im Islam oberste Priorität. Ich weiß, das ist hart und bedeutet Verzicht auf Spiritualität, besonders im Ramadan“, erklärte der ZMD-Vorsitzende Aiman A. Mazyek auf dpa-Anfrage.

Er sei überzeugt davon, dass die Gläubigen bei einer Wiederöffnung von Moscheen alle Vorgaben akzeptieren. „Die Muslime verhalten sich seit Wochen sehr vorbildlich und nehmen radikale Einschnitte in ihrer religiösen Praxis hin, in Verantwortung für unser Land. Ich habe keine Veranlassung, daran zu zweifeln.“

Die NRW-Landesregierung und Kirchenvertreter hatten sich in der vergangenen Woche darauf geeinigt, dass ab Mai unter Auflagen wieder Gottesdienste und Versammlungen zur Religionsausübung stattfinden dürfen. Verboten waren öffentliche Gottesdiensten in NRW aber nicht, vielmehr hatten Kirchen und Religionsgemeinschaften im Zuge der Corona-Krise selbst auf öffentliche Versammlungen verzichtet. Eine bundesweit einheitliche Regelung gibt es bisher nicht, das Thema soll bei der Bund-Länder-Konferenz an diesem Donnerstag beraten werden.

Kommentare

Netzgaenger  schrieb: 30.04.2020 13:23
Hilf mir, Jesus!
Seit Jahren ist Besucherschwund das Thema, ganze Kirchen werden abgewickelt. Und jetzt kommen sie uns mit der Ballade vom unsäglichen Leiden an der gottesdienstlosen Zeit.
Da bleibt mir doch glatt die Luft weg! Oder ist das Corona?
1 Kommentare
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