Paderborner Hochzeitsplanerin Claudia Drößler entwickelt mit Betroffenen „Plan B“
Seelsorgerin für Brautpaare

Paderborn (WB). Für viele Paare hätte es der schönste Tag im Leben sein sollen, doch Corona macht in diesem Jahr vielen einen Strich durch die Rechnung. Aber nicht nur Braut und Bräutigam werden von der Pandemie kalt erwischt, sondern auch die große Dienstleister-Entourage, die sich im Hintergrund um ein gelungenes Fest bemüht. Discjockeys, Fotografen, Floristen und Veranstalter müssen derzeit auf die wichtigen Einnahmen durch heiratswillige Paare verzichten. Eine von ihnen ist Claudia Drößler.

Donnerstag, 14.05.2020, 11:20 Uhr
Vielen Brautpaaren hat das Coronavirus in diesem Jahr einen Strich durch die geplante Hochzeitsfeier gemacht. Aber auch Dienstleister rund um den schönsten Tag im Leben – wie Hochzeitsplanerin Claudia Drößler – hat die Situation eiskalt erwischt. Foto: Sandra Czok
Vielen Brautpaaren hat das Coronavirus in diesem Jahr einen Strich durch die geplante Hochzeitsfeier gemacht. Aber auch Dienstleister rund um den schönsten Tag im Leben – wie Hochzeitsplanerin Claudia Drößler – hat die Situation eiskalt erwischt. Foto: Sandra Czok

Die 39-jährige Hochzeitsplanerin und Dekorateurin, die auch das Hochzeits-Special im Februar auf Gut Lippesee veranstaltet, wurde durch das Virus unfreiwillig ausgebremst. Ihr letzter Auftrag war ein einzelner Brautstrauß und Anstecker für eine standesamtliche Hochzeit unter strengsten Hygieneauflagen. „Es war so schön zu spüren, wie sich das Hochzeitspaar darüber gefreut hat”. Sie hofft, dass der Brautstrauß nicht einer der letzten Aufträge für dieses Jahr gewesen sei, denn die „Absagen reichten schon bis zum Herbst”, so Claudia Drößler, die in diesen Tagen viele verzweifelte Anrufe von Brautpaaren erhält. Denn hinter einer Hochzeit steckt nicht nur viel Vorbereitung, sondern auch eine gehörige Summe Geld: „10.000 bis 20.000 Euro sind für eine große Hochzeit mittlerweile eher die Regel, als die Ausnahme“, erklärt die Hochzeitsplanerin.

Absagen reichten schon bis zum Herbst.

Claudia Drößler

Am Telefon muss Claudia Drößler daher häufig auch seelsorgerische Arbeit übernehmen: „Ich rate meinen Brautpaaren zu einem Plan B. Dann hat man die Ungewissheit und das Hin und Her aus dem Kopf und ist nicht mehr so auf dieses eine Datum fixiert“, meint sie. Der Terminplan vieler Paare werde durch Corona trotzdem durcheinandergewirbelt, viele hätten für das kommende Jahr schon andere Pläne gehabt. Ein großes Ereignis wie eine Hochzeit passe nicht mal eben zwischen Hausbau und Kinderkriegen, stellt Drößler nüchtern fest.

Mit ihren Brautpaaren denke sie derzeit über viele Alternativen nach, allerdings vermisse sie klare Regelungen durch die Politik: „Eine private Feier im Garten kann auch schön sein. Aber darf man das überhaupt? Und unter welchen Umständen ist das überhaupt möglich?“, ist sich Drößler unsicher. Aktuell sind die Feiern auf privatem Grund ebenso verboten, wie Feste in Sälen vieler Restaurants, die derzeit zwangsweise leer stehen müssen. Diese wichtigen Einnahmen fehlen den Betreibern vollständig und setzen die gebeutelte Gastronomie zusätzlich unter Druck.

Arbeitskreis gegründet

Daher hat Claudia Drößler zusammen mit Ralf Konze (Getränke Waldhoff), Patrick Luther (Eventverleih Paderborn), Frank Tölle (event:ware) und Franz Weyher (Gasthaus Weyher) einen Arbeitskreis gegründet. „Wir haben konkrete Konzepte erarbeitet, wie man unter Berücksichtigung der Hygienevorschriften die Gastronomie vorsichtig öffnen und kleinere Veranstaltungen wieder erlauben könnte“, erklärt Drößler die Motivation hinter ihrem Engagement.

Jüngst konnte der Arbeitskreis erste Konzepte vorstellen. Die Dehoga Ostwestfalen hatte sie gemeinsam mit der Politik zu einem Gespräch eingeladen, darunter auch der Bundestagsabgeordnete Carsten Linnemann, Bürgermeister Michael Dreier und der Landtagsabgeordnete Daniel Sieveke. Der Landtagsabgeordnete begrüßt den Einsatz des Arbeitskreises: „Das Engagement zeigt, dass unsere Gastronomen verantwortungsbewusst genug sind“, so der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion.

Viele müssten sich neue Betätigungsfelder suchen

Franz Weyher hat seinen Betrieb im Haxtergrund schon mal für die Corona-Bedingungen fit gemacht: Trennwände aus Plexiglas, auseinandergerückte Tische, spezielle Toilettenregelungen und Desinfektionsspender sollen die Kunden vor einer Ansteckung schützen, wenn sein Lokal an diesem Samstag, 16. Mai, wieder öffnet. Denn mittlerweile ist ja auch durch die Politik Bewegung in die ganze Sache gekommen. Die Öffnung der Gastronomie ist unter konsequenten Hygienemaßnahmen seit dem Beginn dieser Woche wieder erlaubt.

Für NRW könnte es demnächst auch wieder kleinere kulturelle Angebote unter freiem Himmel geben. „Das ist ein Anfang“ sagt Claudia Drößler „Ob wir in diesem Jahr noch Hochzeiten feiern werden, steht in den Sternen. Ich hoffe es, aber man muss sehen, wie sich die Infektionszahlen unter den Lockerungen entwickeln. Schließlich möchte niemand Menschenleben gefährden. Eine schwierige Abwägung.” Viele Dienstleister „müssten sich nun neue Betätigungsfelder suchen, um über die Runden zu kommen“, stellt die Hochzeitsplanerin fest. Doch den Kopf in Sand stecken möchte sie nicht und verspricht: „Ich bin weiterhin für meine Brautpaare da, gemeinsam finden wir eine Lösung.“

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